Autor: marco-fritz

  • River’s Edge, 1986 – ★★★★

    River’s Edge, 1986 – ★★★★

    DAS MESSER AM UFER
    (RIVER‘S EDGE, USA, 1986, Regie: Tim Hunter)

    Wenn man an Jugendfilme der 80er-Jahre denkt, hat man schnell Highschool-Komödien, Jugendabenteuer in grellen Farben und ein oft positives und naives Lebensgefühl vor Augen. RIVER‘S EDGE von Tim Hunter wirkt dagegen wie eine Antithese dazu. Basieren tut der Stoff lose auf den wahren Kriminalfall um die ermordete 14-jährige Marcy Renee Conrad.

    Der Film beginnt bereits mit diesigem Wetter an einem Fluss, wo ein Kind einen Jugendlichen beobachtet, der neben einer weiblichen Leiche am Ufer sitzt. Es ist John, der wenig später seinen Freunden Layne und Matt gesteht, dass er ein Mädchen getötet hat. Ab dem Punkt macht Hunter eine ganze Reihe von Themen auf: Freundschaft, Loyalität, Verrat und Gewissenskonflikte. Das Spannende an RIVER‘S EDGE ist nicht der Mord selbst oder dessen Aufklärung, sondern die Reaktionen darauf. Was macht man, wenn der eigene Freund jemanden umgebracht hat? Verrät man ihn? Hilft man ihm? Und wie lange kann Freundschaft überhaupt noch als Rechtfertigung dienen, wenn man längst weiß, dass etwas vollkommen falsch läuft? Gleichzeitig gewährt Hunter einen ziemlich trostlosen Blick auf ein Amerika, das von Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Drogen, zerrütteten Familien und desillusionierten Jugendlichen geprägt ist.

    RIVER‘S EDGE zeichnet rundum ein Bild der Hoffnungslosigkeit. Dennoch hat es Hunter geschafft, mich nicht herunterzuziehen, was vor allem an den spannenden Figuren liegt, die sehr lebensecht gezeichnet wurden und die nötigen Energien aufbringen, sich nicht einfach aufzugeben. Die meiste Energie kommt hier von Crispin Glover als Layne, der zwar manchmal darstellerisch etwas über das Ziel hinausschießt, aber offensichtlich völlig in der Rolle aufgeht. Warum er diese furchtbare Perücke tragen musste, bleibt mir ein Rätsel. Ich hoffe, es war eine Perücke. Sein Kumpel Matt wird von Keanu Reeves verkörpert, der im Vergleich zu Glover sehr zurückhaltend spielt. Ganz unheimlich ist Daniel Roebuck als John, der als Mörder fast teilnahmslos wirkt. Und dann ist da noch der zauberhafte Dennis Hopper als Feck, der vor Jahren ebenfalls eine Frau getötet hat und seit dieser Zeit auf der Flucht vor der Polizei versteckt in einem Haus lebt, zusammen mit seiner Gummipuppe. Hopper ist als Feck mal nicht der aggressive Psychopath, der rumschreit oder auf Menschen einprügelt, sondern zeigt sich entspannt bekloppt und stellt für die Jugendliche eine Art Vertrauensperson dar, was zum Fehlen der üblichen moralischen Instanzen passt. 

    Visuell ist RIVER‘S EDGE realistisch, und schnörkellos gezeichnet, wirkt nie künstlich aufgesetzt und zeigt sich in einem trüben, verregneten Wetter, was die düstere Atmosphäre zusätzlich verdichtet. Man merkt zu jeder Zeit, dass es sich um eine Independent-Produktion handelt, die sich niemandem anbiedern muss. Interessant ist, wie sehr RIVER‘S EDGE seiner Zeit voraus wirkt. Die Jugendlichen kamen mir teilweise weniger wie Jugendliche der 80er- als vielmehr wie Figuren aus den 90er-Jahren vor. Ihr Auftreten, ihre Orientierungslosigkeit und dieses ganze No-Future-Gefühl erinnern bereits etwas an die spätere Grunge-Generation. Teilweise wirkt der Film tatsächlich so, als wäre er fünf bis zehn Jahre zu früh entstanden. Ebenso musste ich an SUPER DARK TIMES (2017) denken, der tatsächlich in den 90er-Jahren spielt. Abgerundet wird der finstere Blick auf ein trostloses Amerika von Jürgen Kniepers Score, zu dem sich u.a. Songs von Slayer gesellen dürfen. 

    Obwohl mich RIVER‘S EDGE emotional nicht sonderlich packen konnte, wurde ich hier inhaltlich, darstellerisch und visuell dennoch mitgerissen. 

    (Bjoern Candidus)

  • White Star, 1983 – ★★★★½

    White Star, 1983 – ★★★★½

    WHITE STAR
    (Deutschland, 1983, Regie: Roland Klick)

    Roland Klick (DEADLOCK, 1970) hat mit WHITE STAR ein hervorragendes Drama über einen Musiker und seinen Manager geschaffen, der einen realistischen Blick auf das Business liefert. 

    Dennis Hopper spielt hier den Musikmanager Kenneth Barlow, einen ausgebrannten, größenwahnsinnigen Profilneurotiker. Er will den jungen Musiker Moody zum Star machen, zum “White Star”, wie auch das erste Album heißen soll. Barlow lässt gelbe Buttons herstellen, auf denen einfach nur Future steht und versucht Moody als Vertreter eines neuen Future Sounds aufzubauen. Das bekommt mit der Zeit eine gewisse Ironie, denn je mehr Barlow von der Zukunft redet, desto mehr sieht man ihm an, dass seine Zukunft nicht mehr allzu lange dauern dürfte. Barlow ist ein neurotischer Egomane mit größenwahnsinnigen Vorstellungen, die er kaum unter Kontrolle hat, und Dennis Hopper spielt ihn mit einer solchen Intensität, dass der Film fast mehr Dennis-Hopper-Film als Musikfilm wird. Die Dreharbeiten mit Hopper stellten sich als problematisch dar, da er zu dieser Zeit sehr stark dem Kokainkonsum frönte. Auf sein Schauspiel hat sich das allerdings nicht negativ ausgewirkt, denn im Film funktioniert seine feurige Präsenz großartig, und man darf sich auf ein paar exzentrische Momente freuen, die etwas an seine Rolle als Frank in BLUE VELVET (1986) erinnern. 
    Terence Robay als Moody hat es da natürlich schwerer, aber er ist eben auch der wortkargere, unerfahrenere, zurückhaltendere Part, und genau das funktioniert in diesem Ungleichgewicht erstaunlich gut. Da Barlow eine ganz besondere Auffassung von Promotion hat, hat er noch einen Handlanger, der für Chaos und Krawall sorgt. Dieser wird von David Hess dargestellt, der Schaufensterscheiben einwerfen darf und einen ganzen Punk-Club eskalieren lässt, damit die Presse über Moodys Auftritt berichtet.

    Interessant ist, wie wenig sich WHITE STAR für die Musik selbst interessiert. Obwohl sich der ganze Film um einen Musiker, um ein Debütalbum und um einen neuen Sound dreht, bekommt man davon erstaunlich wenig zu hören. Moody wird nicht einmal als großer Sänger inszeniert. Einzelne Musikfetzen gibt es zwar, aber der Film verweigert einem das Produkt, um das es eigentlich gehen soll. 

    In WHITE STAR geht es im Grunde gar nicht um Musik, sondern um das Geschäft mit der Musik. Barlow erzählt von den 60ern und von den Rolling Stones, für die er als Konzertmanager gearbeitet hat und davon, dass früher ja noch richtige Musik gemacht wurde. Die Musik der Gegenwart hält er dagegen für Plastik- und Wegwerfmusik. Genau diese Aussagen hört man bis heute. Früher war die Musik besser, früher waren Filme besser, früher gab es noch echte Künstler und heute nur noch künstliche Maschinerie.

    WHITE STAR wirft auch einen Blick auf die Musikproduzenten, die genau entscheiden, wer auf der Bühne steht und bestimmen, welches Bild verkauft wird. Nicht der Künstler bestimmt die Regeln, sondern einzig das Management. Und genau das muss Moody ziemlich schnell herausfinden. Zunächst sagt er noch, dass er mit Drogen nichts anfangen kann, wenig später sitzt er selbst zugedröhnt im Studio. Klick macht daraus keine große Moralgeschichte, sondern zeigt eher, wie schnell man im Business abrutschen kann, besonders, wenn man Leute wird Barlow kennt.

    WHITE STAR ist nicht nur inhaltlich spannend und voller toller Monologe von Hopper, sondern auch visuell sehr düster und atmosphärisch. Das damals noch zweigeteilte Berlin wurde von Kameramann Jürgen Jürges hervorragend eingefangen. In verregneten Bildern präsentiert sich Berlin wie ein Beton-Moloch in kaltem Neonlicht, und man bekommt sogar die Mauer zu sehen, wie in POSSESSION (1981). 

    WHITE STAR ist ein düsteres Porträt über das Musikbusiness mit einem hervorstechenden Dennis Hopper, der mal wieder zeigt, mit welchem Talent er beschlagen wurde.  

    (Bjoern Candidus)

  • Fortsetzungen

    Fortsetzungen

    FRANKENSTEINS BRAUT, ALIENS – DIE RÜCKKEHR, HELLBOUND – HELLRAISER 2…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen über gute und weniger gute Fortsetzungen aus dem Bereich des Horrors und der Science-Fiction.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Angry Red Planet, 1959 – ★★★

    The Angry Red Planet, 1959 – ★★★

    WELTRAUMSCHIFF MR.1 GIBT KEINE ANTWORT
    (THE ANGRY RED PLANET, USA, 1959, Regie: Ib Melchior)

    WELTRAUMSCHIFF MR.1 GIBT KEINE ANTWORT ist ein typischer Vertreter des 50er-Jahre Scifi-Monster-Kinos, in dem eine Crew von von Astronauten mittels Rakete ins Weltall aufbricht, um einen Planeten zu erforschen. Im Falle von Ib Melchiors (2071 – MUTAN-BESTIEN GEGEN ROBOTER, 1964) Regiearbeit ist es mal wieder der Mars, und der wird von phantastischen Kreaturen bevölkert. Doch bevor man die zu Gesicht bekommt, muss man lange Geduld aufbringen, in der man sich viel Astronautengeschwafel anhören muss, denn von den vier Astronauten konnten nur zwei zurück auf die Erde gebracht werden, und die berichten nun, was oben auf dem Mars passiert ist. Immerhin sind die Figuren etwas locker gezeichnet als in vielen ähnlichen Filmen. 

    Was in WELTRAUMSCHIFF MR.1 GIBT KEINE ANTWORT sofort ins Auge fällt ist, dass es sich um einen Farbfilm handelt, was im 50er-Jahre-B-Film selten der Fall war. Einen richtigen Farbrausch bekommt man aber erst, wenn die Besatzung nach gut 35 Minuten endlich den Mars erreicht und die Rakete verlässt. Mit betreten des Mars setzt das Cinemagic-Verfahren in Kraft, was von Produzenten Norman Maurer erdacht wurde. Dabei wird das Filmmaterial nachträglich überzeichnet und mit einem Farbfilter getönt, im Falle von WELTRAUMSCHIFF MR.1 GIBT KEINE ANTWORT in rot, um die Oberfläche des Mars darzustellen. Das ganze hat eine höchst effektive Wirkung, in der vor allem die bizarren Kreaturen zur Geltung kommen. Im Mittelpunkt steht ein riesiges Fledermauskrabben-Monster, was später von einer riesigen Qualle mit Kulleraugen abgelöst wird. Die Flora und Fauna ist sehr liebevoll gestaltet und durch den Farbeffekt bekommt die Inszenierung noch mehr Comic-Charme.  

    Inhaltlich ist WELTRAUMSCHIFF MR.1 GIBT KEINE ANTWORT wahrlich nichts Besonderes, aber als visuelle Kuriosität ist der Film für Freunde des Scifi-Monster-B-Kinos definitiv sehenswert, auch wenn man Geduld mitbringen muss, bis es richtig losgeht.

    (Bjoern Candidus)

  • Evil Dead Trap, 1988 – ★★½

    Evil Dead Trap, 1988 – ★★½

    EVIL DEAD TRAP – DIE TÖDLICHE FALLE
    (SHIRYÔ NO WANA, Japan, 1988, Regie: Toshiharu Ikeda)

    Die TV-Reporterin bekommt ein Snuffvideo zugespielt, in dem eine Frau auf bestialischer Art und Weise getötet wird. Auch der Ort, ein verlassenes Fabrikgelände, wird in einer Wegbeschreibung erklärt. Sensationsgeil wie Nami ist, bricht sie mit ihrem TV-Team auf, um das verlassene Areal zu durchsuchen, was sich als törichter Fehler herausstellt, denn ein Killer schleicht durch die Gänge.    

    EVIL DEAD TRAP ist ein nicht uninteressanter Horror-Slasher, der anfangs das Thema des Snuff- und Found-Footage-Films aufgreift und ein TV-Team in die Handlung einbindet. In diesem Punkt blickt Toshiharu Ikeda schon deutlich in die 90er-Jahre.

    Da hier auf 16mm-Material gedreht wurde, erscheint EVIL DEAD TRAP etwas grob, was aber zu dem verlassenen Fabrikgelände passt, auf dem der Film hauptsächlich spielt. Wenn die TV-Reporterin Nami Tsuchiya erst mal mit ihrem Team die heruntergekommenen Hallen der Fabrik betreten, wird die Inszenierung immer düsterer, doch leider versagt schnell die Spannung. Wenn das Slasher-Prinzip greift und einer nach dem anderen auf recht brutale Art und Weise getötet wird, kommt zwar der Gore-Freund auf seine Kosten, muss sich aber zwischendurch auf sehr zähe Momente einlassen, die EVIL DEAD TRAP immer wieder ausbremsen. Der Mittelteil zieht sich ziemlich hin, und es sind mitunter auch die belanglosen Figuren, die das Ganze nicht ansprechender gestalten. Immerhin ist der Killer mit seinem Regenponcho ganz nett designt und er erinnert an den Killer in THE PROWLER (1981). Ganz nett ist der Score von Tomohiko Kira, der sich etwas an Goblin orientiert. 

    Im letzten Drittel kann man das Ruder dann doch noch mal etwas herumreißen, wenn EVIL DEAD TRAP zu einem Body-Horrorfilm mutiert und ein paar garstige SFX hervorzaubert. Doch der lange Weg dahin ist leider nur durchschnittliches Slasher-Einerlei, was schnell vergessen ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • Bloodsport, 1988 – ★★★

    Bloodsport, 1988 – ★★★

    BLOODSPORT
    (USA, 1988, Regie: Newt Arnold)

    Wenn man an das Actionkino der 80er-Jahre denkt, hat man schnell schwer bewaffnete Helden, Terroristen oder kriegerische Missionen im Kopf. BLOODSPORT von Newt Arnold (BLOOD THIRST, 1971) überrascht dagegen mit einem anderen Fokus: Kampfsport. 

    Im Mittelpunkt steht (der angeblich real existierende) Frank Dux, gespielt von Jean-Claude Van Damme. Frank Dux ist ein amerikanischer Elitesoldat, der gegen den Willen seiner Vorgesetzten nach Hongkong reist, um am illegalen Kumite teilzunehmen. Also jenem geheimen Turnier, in dem die besten Kämpfer aus aller Welt aufeinandertreffen und im Zweifel auch ihr Leben riskieren. Vorher bekommt man noch eine kleine Vorgeschichte, in der der junge Frank mit seinen Freunden in die Wohnung eines Kampfsportlehrers einbrechen. Dieser Lehrer unterrichtet schließlich Frank, da er in dem Jungen einen starken Kämpfer sieht. In der Gegenwart reist Frank Dux dann nach Hongkong, wo er den Amerikaner Ray Jackson (Donald Gibb) kennenlernt, der ebenfalls am Kumite teilnehmen möchte. Die beiden werden Buddys und erlangen erfolgreich die Aufnahme an der Kampfsportveranstaltung. 

    BLOODSPORT konzentriert sich im weiteren Verlauf fast nur noch auf die Kämpfe, die zwischen völlig unterschiedlichen Ethnien ausgetragen werden. Die Kämpfe sind dynamisch und zeigen verschiedene Stile von Karate über Kickboxen bis hin zu Muay Thai, bleiben aber erstaunlich kurz und eher nach dem Action-Prinzip montiert. Statt langer, spannungsgeladener Duelle gibt es schnelle, sehr brutale Fights, die zwar kurzweilig, aber ebenso belanglos sind. Wer einen klassischen Sportfilm à la ROCKY (1976) sehen möchte, ist hier falsch. Ästhetisch bleibt BLOODSPORT trotz Hongkong-Schauplatz ein klar amerikanischer Film, mit den entsprechenden lockeren Sprüchen und einer gewissen Coolness, die aber im Rahmen bleibt. Gleichzeitig wirkt er im Vergleich zu manch anderem zeitgenössischen US-Action-Vehikeln erstaunlich bodenständig und fast schon gediegen. Möglicherweise liegt das auch an der Neubearbeitung, die Van Damme durchführen lassen hat, nachdem der Film in seiner ersten Schnittfassung ins Archiv geschoben wurde. Wie auch immer, für Cannon wurde BLOODSPORT ein riesiger Erfolg und für Jean-Claude Van Damme wurde er zum Sprungbrett seiner Karriere. Van Damme überzeugt als Kampfsportler und macht dabei einen erstaunlich sympathischen Eindruck. 

    BLOODSPORT ist weniger ein spannender Sportfilm, mehr ein temporeicher, ziemlich harter Martial-Arts-Actionfilm, der das Genre mit geprägt hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Snake in the Monkey’s Shadow, 1979 – ★★★

    Snake in the Monkey’s Shadow, 1979 – ★★★

    ZWEI TÖDLICHE FÄUSTE IM SCHATTEN DER SCHLANGE
    (HOU HSING KOU SHOU, Hongkong, 1979, Regie: Sum Cheung)

    Nachdem der junge Liang Prügel von den Yan-Brüdern bezieht, beschließt er, sich zukünftig besser zu Wehr setzen zu können, und sucht den Meister im Drunken-Stil-Kung Fu auf. Doch der ist wenig begeistert von Liang und weigert sich, diesen als seinen Schüler aufzunehmen, zumindest nicht, ohne sich vorher gewissen Prüfungen unterziehen zu lassen. Doch Liang ist lernfähig und schaut sich die Techniken schnell ab, um seinen Racheplan gegen die Yan-Brüdern auszuführen, was sich zu einem gefährlichen Konflikt für alle Parteien entwickelt.

    Regisseur Sum Cheung lässt einen nicht lange zappeln und serviert bereits in der Titel-Sequenz zu ZWEI TÖDLICHE FÄUSTE IM SCHATTEN DER SCHLANGE fernöstliche Kampftechniken. Schnell bekommt man Einblicke in unterschiedlichen Kung Fu-Stile wie den Drunken-, den Snake-und Monkey-Stil, was durchaus interessant ist. Der Drunken-Stil verwirrt den Gegner und überrascht ihn, der Snake-Stil ist schnell und präzise, während der Monkey-Stil verspielter und akrobatischer daherkommt. Wer ein paar schöne Kampfchoreografien sucht, wird sie hier finden, allerdings ist ZWEI TÖDLICHE FÄUSTE IM SCHATTEN DER SCHLANGE relativ handzahm und nimmt durch den Humor der Hauptfigur, Liang Shiao Chai (John Cheung), etwas die Ernsthaftigkeit aus der Story heraus, die ohnehin nichts Großes zu erzählen hat. Vielmehr geht es hier um den Wunsch, nach Anerkennung, dem Willen, sich mit seiner Kraft durchsetzen zu können und um den Verlust der Ehre durch einen verlorenen Kampf. Gekämpft wird hier an einer Tour, allerdings nutzt sich das Konzept über die Laufzeit etwas ab. Ich hätte mir hier etwas mehr Abwechslung gewünscht. Am besten hat mir der Kampf zwischen einer Kobra und Ko Ti Tsan (Pomson Shi), dem Meister im Monkey-Stil, gefallen. 

    Unter dem Strich ist ZWEI TÖDLICHE FÄUSTE IM SCHATTEN DER SCHLANGE ein inhaltlich schlichter, aber immer noch unterhaltsamer Eastern mit solide inszenierten Kämpfen und coolen Figuren. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Conversation, 1974 – ★★★★★

    The Conversation, 1974 – ★★★★★

    DER DIALOG
    (THE CONVERSATION, USA, 1974, Regie: Francis Ford Coppola)

    Als der Abhörspezialisten Harry Caul in San Francisco ein scheinbar routiniertes Überwachungsprojekt durchführt, stößt er auf Gesprächsfetzen eines Paares, was eine mögliche Bedrohung andeutet. Obwohl es gegen seine Richtlinien verstößt, sich aus den Fällen seiner Mandanten herauszuhalten, ist er wie besessen davon, die Bedeutung des Gesprächs zu entschlüsseln. Harry steigert sich immer tiefer in die Arbeit und gerät plötzlich selbst ins Visier seines Auftraggebers.

    Spionage und Paranoia liegen nicht selten dicht beieinander, und Regisseur Francis Ford Coppola hat mit DER DIALOG beide Themen ganz hervorragend kombiniert. 
    Coppola verzichtet hier fast vollständig auf die üblichen Thriller-Genre-Klischees. Statt Action herrscht gespannte Ruhe, in der sich eine packende Story entwickelt, deren Geheimnis weniger spannend ist als Gene Hackmans Darstellung als Harry Caul, der vom Überwachungsspezialisten immer mehr selbst in die Rolle des Überwachten gerät. Dabei wird vor allem Wert darauf gelegt, Harrys Schwierigkeiten in seinem Privatleben aufzuzeigen, was sich überhaupt nicht mit seinem Job als Spitzel verträgt. Hackman ist einfach toll und überzeugt als stiller Mann mit Hang zur Jazzmusik und zum Glauben. Doch bevor Coppola tiefer in seinen Charakter eindringt, erlebt man einen höchst spannend inszenierten Auftakt, in dem Harry und seine Kollegen ein Paar in einem Park in San Francisco abhören. Mit Richtmikrofonen versuchen sie, jedes Wort einzufangen. Doch der Lärm der Großstadt zerreißt das Gespräch in Bruchstücke. Die Spannung, die in den ersten Minuten erzeugt wird, ist vor allem der tollen Kameraarbeit und dem Schnitt zu verdanken. Nach und nach fügt sich dann das Rätsel über das belauschte Gespräch zusammen, was immer noch genügend Fragen aufwirft, um die Story weiter spannend zu halten. Neben Hackman und John Cazale darf auch ein noch sehr junger Harrison Ford zeigen, dass er auch unangenehme Figuren verkörpern kann. Außerdem konnte man Robert Duvall für einen kurzen Auftritt gewinnen. 

    Auch der Schauplatz, San Francisco, ist stets präsent, aber Coppola interessiert sich weniger für große Stadtpanoramen als für Ausschnitte, Details und begrenzte Blickfelder. Dadurch entsteht noch mehr ein Gefühl der Beklemmung und der Paranoia. Der Score David Shire ist zurückhaltend und besteht fast nur aus leisen Klavierstücken, die die Atmosphäre weiter verdichten. 

    DER DIALOG ist ein spannender Spionage-Thriller in dem Story, Schauspiel, Bildgestaltung, Ton und Musik meisterlich ineinander verwoben wurden. 

    (Bjoern Candidus)

  • Curse of the Devil, 1973 – ★★½

    Curse of the Devil, 1973 – ★★½

    DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES
    (EL RETORNO DE WALPURGIS, Spanien, Mexiko, 1973, Regie: Carlos Aured)

    Im Mittelalter lässt Ireneus Daninsky die Hexe Elisabeth Báthory mit ihrer ihre Folgschaft hinrichten, allerdings nicht, bevor sie einen Fluch aussprechen kann, der seine Familie treffen wird. Der Fluch der Hexe lässt sich Zeit bis in die Gegenwart des 20. Jahrhunderts, wo eine Satansanhängerin zur Walpurgisnacht den Fluch des Werwolfs auf Waldemar Daninsky überträgt, der sich schließlich in eine wilde Bestie verwandelt und für Angst und Schrecken in seiner Umgebung sorgt.

    DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES von Carlos Aured (BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL, 1973) ist ein weiterer Werwolf-Horrorfilm, der im Zuge von DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA (1968) folgte, aber diesmal auf Vampire verzichtet. Stattdessen gibt es die x-te Rache-Fluch-Geschichte, die mal wieder im Mittelalter ihren Anfang nimmt und in der Gegenwart ihre Auswirkungen spüren lässt. 

    Obwohl auch hier die meisten Zutaten vorhanden sind, die einen Großteil der Filme mit Paul Naschy (der meist selbst das Drehbuch verfasst hat) ausmachen, konnte hier der Funke nicht so recht überspringen. Viele Dialoge treten auf der Stelle, Szenen ziehen sich und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis Naschy in seiner bekannten Werwolfmaske in Erscheinung tritt. Schauspielerisch trägt Naschy den Film beinahe allein, was auch nichts Neues ist. Insgesamt sind die Darsteller zwar solide, aber ihre Figuren sind eher unsympathisch. 

    Die Gewalt-Szenen sind minimal und meistens sieht man lediglich das Ereignis einer Tat. Am besten funktioniert die Atmosphäre, die den Freund des spanischen Gothic-Horror-Kinos immerhin befriedigen dürfte.

    DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES ist für Naschy-Fans immer noch interessant genug, aber für Neueinsteiger gibt es deutlich bessere Filme. 

    (Bjoern Candidus)

  • Frankenstein’s Bloody Terror, 1968 – ★★★★

    Frankenstein’s Bloody Terror, 1968 – ★★★★

    DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA
    (LA MARCA DEL HOMBRE LOBO, Spanien, Deutschland, 1968, Regie: Paul Naschy)

    Ein Grabräuberpaar stößt auf das Grab des berüchtigten Werwolfs Wolfstein. Sie entfernen den silbernen Dolch aus seiner Brust und erwecken damit das Monster zum Leben. Im Dorf glaubt man, die beiden seien Wölfen zum Opfer gefallen, und man ruft zu einer Wolfsjagd auf. Bei dieser wird der adelige Graf Waldemar Daninsky von dem Werwolf gebissen. Fortan haftet an Waldemar der Fluch, den er mit aller Kraft versucht, zu verbergen und Unschuldige zu schützen. Unterstützung bekommt er von Rudolph und Nascha, die sich Hilfe von einem Doktor erhoffen, der sich allerdings als Vampir herausstellt, der mit seiner Vampirgräfin in das kleine Dorf anreist. Es kommt zu einem Kampf zwischen Werwolf und Vampiren, in dem Daninsky alles daran setzt, den Fluch zu beenden.

    In DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA schlüpft Paul Naschy zum ersten Mal in die Rolle des Werwolfs Waldemar Daninsky, eine Rolle, die ihn nie mehr loslassen sollte. Naschy zeichnete sich hier auch für das Drehbuch verantwortlich, was er bereits Jahre vorher geschrieben hatte, damals noch in der naiven Hoffnung, Lon Chaney Jr. für die Rolle gewinnen zu können.  

    Früh lässt sich erkennen, was Paul Naschy am Genre liebt, insbesondere Werwölfe und Vampire. Die Geschichte wirkt zwar stellenweise etwas krude, entfaltet aber gerade dadurch ihren eigenen Reiz. Kulissen wie Kerker, Herrenhäuser und Gewölbe mit viel Kerzenlicht schaffen eine dichte Gothic-Horror-Atmosphäre, die mit den Geräuschen von Regen, Donner und Sturm untermalt wird. Hier ist bereits die Aura des spanischen Horrorkinos zu erkennen, die sich in den folgenden Jahren durch Paul Naschy und Regisseuren wie Amando de Ossorio oder León Klimovsky intensivierte.

    Schauspielerisch bewegt man sich nicht auf dem höchsten Niveau, doch die meisten Darsteller bringen den nötigen Charme mit, den man bei solchen B-Produktionen erwartet. Die Effekte sind aus heutiger Sicht natürlich eher einfach, funktionieren aber soweit ganz gut. Im herrlichen Kampf, Werwolf gegen Werwolf, wird es sogar mal blutig. Weniger gelungen ist der Score von Ángel Arteaga, der oft sehr pompös und dramatisch daherkommt und ein wenig die dichte Atmosphäre stört. 

    DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA ist ein atmosphärischer, liebevoll inszenierter Horrorfilm und ein toller Auftakt für die phantastische Karriere von Paul Naschy. 

    (Bjoern Candidus)