DAS HAUS DER VERFLUCHTEN
(7. HYDEN PARK: LA CASA MALEDETTA, Italien, 1985, Regie: Alberto De Martino)
Joanna wurde in ihrer Kindheit von einem Mann im Priestergewand vergewaltigt. Auf der Fluch stürzt sie eine Treppe herunter. Dabei wird sie schwer verletzt und landet im Rollstuhl. Was passiert ist, hat sie verdrängt. Als erwachsene Frau leidet sie immer noch unter den Folgen, und als in ihrem Umfeld Morde verübt werden, taucht immer wieder ein vermummter Priester mit der Puppe aus ihrer Kindheit auf, der sie in panische Angst versetzt und immer mehr in den Wahnsinn treiben will.
Erneut hat mich Alberto De Martino (DER ANTICHRIST, 1974) mit seinem inszenatorischen Geschick überzeugen können. Hier kredenzt er einen sehr dichten Spät-Giallo, der das gängige Whodunit-Prinzip nach der ersten halben Stunde auflöst, den Täter präsentiert und sich damit positiv abhebt. Man kennt den Täter, sein Motiv und sieht mit an, wie das Opfer leidet, wie es immer mehr in den Wahnsinn getrieben wird.
Aber nicht nur die Story weiß zu gefallen, sondern auch die visuellen Reize. Es gibt sehr viele unterschiedliche Schauplätze, die für Abwechslung sorgen und von Gianlorenzo Battaglia sehr löblich fotografiert wurden. Mal zeigt sich die Inszenierung hell und sommerlich, mal finster und in Schatten gehüllt; der Psychoterror des Täters gegenüber Joanna nimmt darauf keine Rücksicht. Eine sehr denkwürdiges Szene spielt am helllichten Tag. Sie spielt auf der gleichen Autofähre, die man in Lucio Fulcis DER NEW YORK RIPPER (1982) als Ort eines Verbrechens kennenlernt. Zudem liefert Komponist Francesco De Masi hier ein paar vertraute Klänge aus Fulcis so gar nicht zimperlichen Ripper-Film. Blutleer ist DAS HAUS DER VERFLUCHTEN auch nicht gerade. Es wird gestochen, geschlitzt und ein Schädel wird mit einem Kerzenständer eingeschlagen, und auch das sehr atmosphärische Finale kann sich diesbezüglich sehen lassen. Sehen lassen kann sich auch David Warbeck, der oft etwas steif wirkt, aber hier zu ungeahnten Höhen (für seine Verhältnisse) aufsteigt. Das Trio, in dem sehr überschaubaren Cast, wird mit Christina Nagy, die hier Joanna spielt und Carroll Blumenberg als Ruth solide zusammengefügt. Dafür dass beide Damen sonst nur wenig bis keine filmische Erfahrungen gesammelt haben, gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Neben Warbeck gehen sie natürlich schon etwas unter, aber nichts anderes lässt auch der Part von Christina Nagy zu, da ihre Figur, Joanna, traumatisiert ist und im Rollstuhl sitzt.
DAS HAUS DER VERFLUCHTEN ist ein spannend inszenierter, optisch sehr ansprechender Spät-Giallo, der einen erfrischend eigenen Weg geht.
(Bjoern Candidus)
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