FREDDY‘S NEW NIGHTMARE
(NEW NIGHTMARE, USA, 1994, Regie: Wes Craven)
Ein neuer und endgültig letzter NIGHTMARE IN ELM STREET Teil soll gedreht werden, und Heather Langenkamp soll erneut Nancy Thompson spielen. Doch es kommt zu unheimlichen Zwischenfällen, die mit dem Tod ihres Ehemanns ihren vorläufigen Höhepunkt finden. Heather und ihr kleiner Sohn Dylan sind geschockt. Dylan leidet unter Alpträumen und beginnt zu schlafwandeln. Als er Heather von Freddy berichtet, verdichten sich die Anzeichen, dass die fiktive Gestalt einen Weg gefunden hat, in die Realität zu kommen.
Wes Cravens Meta-NIGHTMARE… – Fortsetzung FREDDY‘S NEW NIGHTMARE feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag, und inhaltlich wirkt der Film noch immer so frisch wie damals, auch wenn Filme wie Tibor Takács HARDCOVER (1989) bereits vorher einen ähnlichen Weg einschlugen.
Nachdem mit NIGHTMARE ON ELM STREET 6: FREDDY‘S FINALE (1991) endgültig die Luft aus der Reihe war, sollte Freddy Krueger auf ewig ruhen. Doch nur wenige Jahre später kehrte der Vater des Franchise zurück und ließ Freddy auf clevere Art und Weise zurückkehren. Einen Film in der Welt anzusiedeln, in der die NIGHTMARE-Filme als Filme existierten und die Darsteller sich (mehr oder weniger) selbst spielen, ist eine kluge Idee. Vor allem war es eine gute Möglichkeit, Heather Langenkamp zurückzuholen, die erneut eine gute Leistung abgibt. Ihr Film-Sohn Dylan wird von Miko Hughes dargestellt, der kein Unbekannter ist, hat er doch einen bleibenden Eindruck in der Rolle als Gage in FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) hinterlassen. Hier ist er leider einer der Störfaktoren, und er bekommt sehr viel Screentime. Einem Achtjährigen will ich aber keinen Vorwurf machen. Eine weitere Person, die sich nicht selbst spielt, ist Tracy Middendorf als Heathers beste Freundin Julie, die komplett verblasst. Darstellerisch macht der Film am meisten Spaß, wenn Robert Englund, Wes Craven, Robert Shaye oder John Saxon als sie selbst auftreten, auch wenn diese Auftritte nur kurz sind, abgesehen von dem von Englund. Englund ist als Robert Englund und als Freddy Krueger zu sehen, dem man hier optisch etwas verändert hat. Das Make-up löst sich etwas von dem verbrannten Charakter und sieht hier mehr nach vereinzelter Häutung aus. Zu dem obligatorischen grün-rot-gesteiften Pullover trägt er jetzt einen Trenchcoat, eine schwarze Lederhose und kniehohe Stiefel. Die größte Veränderung ist aber sein Klingenhandschuh, der jetzt in Fleisch und Blut übergeht und auch noch den Daumen mit einer Klinge ausstattet. Klingt alles interessanter als es ist, denn der neue Freddy sieht einfach zu steril, zu geleckt aus. All das ist völlig unnötig und eine fragwürdige Entscheidung. Immerhin darf man Englund kurz in einer Talkshow-Szene mit dem klassischen Anstrich sehen. Insgesamt können sich die praktischen Effekte, wenn es in die Alptraumwelten geht, sehen lassen. Enttäuschung dürfte bei Gore-Freunden einsetzten. Obwohl Freddy hier humorlos und bösartiger dargestellt wird, gibt es auf dem Gewaltsektor nicht viel Nennenswertes zu berichten. Ich würde behaupten, dass dies der handzahmste Teil ist. Im Vergleich zu dem, was die Vorgänger an phantastischen Möglichkeiten geboten haben, muss ich hier leider von Einfalt sprechen. Zudem ist der Film meist sehr hell und bietet nur wenig stimmungsvolle Momente. Die erste halbe Stunde liefert kleine Spannungsspitzen, die aber spätestens nach der Hälfte der Spielzeit immer weniger werden.
FREDDY‘S NEW NIGHTMARE ist innovativ, hat gute Ideen und Ansätze, die leider nur halbgar umgesetzt wurden. Kurzweilig inszeniert wurde der Film aber dennoch.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar