SSSSSNAKE KOBRA
(SSSSSSS, USA, 1973, Regie: Bernard L. Kowalski)
Doktor Carl Stoner ist wahrlich kein Freund des Menschen. Er schätzt die Anwesenheit von Tieren, besonders die von Schlangen. Er schmiedet einen Plan: das perfekte Lebewesen schaffen. Für diesen Plan missbraucht er seinen neuen Assistenten, David. Ihm gegenüber behauptet er, dass er ihn mit Schlangengift immunisieren muss, damit er in seinem Labor arbeiten kann, doch in Wirklichkeit erfüllt die Spritzentherapie einen ganz anderen Zweck.
Im Bereich der Familie der Reptilien dürfte wohl kein Mitglied häufiger eine Rolle im Horrorfilm spielen wie die Schlange. Spätestens seit DAS SCHWARZE REPTIL (1965) von John Gilling dürfte die Anziehungskraft der schuppigen Würger oder Giftschleudern bekannt sein. William Grefe ließ es 1972 mit STANLEY zischen, bevor SSSSNAKE KOBRA auf den Plan gerufen wurde, der dennoch früh dran war, denn die große Welle sollte erst noch mit Filmen wie KILLERSCHLANGEN (1976), DIE SCHWARZE MAMBA (1981), KING KOBRA (1981), AVANAIDA (1983), DER BISS DER SCHLANGENFRAU (1988), DAS SCHLANGENMONSTER (1988) und MAMBA (1988) kommen.
Gut 14 Jahre nach seinem letzten Monsterfilm, THE GIANT LEECHES (1959), kehrte Bernard L. Kowalski zurück, um die nächste Stufe der Fauna des Schreckens zu präsentieren. Im Fall von SSSSSNAKE KOBRA wird die Fauna bewusst manipuliert, bzw. auf absonderliche Art mit der menschlichen Spezies kombiniert, damit etwas gänzlich Neues entsteht. Ein weiterer Beitrag in der Welt der Mad Scientists ist geboren. In diesem Fall könnte man von einem Dr. Moreau auf Schuppenbasis sprechen, denn es geht ja schließlich um Schlagen. Hier liegt auch die Stärke des Films: Die echten Schlangen sind gnädige Darsteller. Der obligatorische Python darf Menschen würgen und verschlingen, die Schwarze Mamba darf ihr Gift injizieren und die imposant große Königskobra darf jedem die Show stehlen. Wahnsinn, was die für eine Ausstrahlung hat. Der Film hält sich fast ausschließlich in einem ländlichen Rahmen auf, der für eine angenehme Atmosphäre sorgt. Da ist die Schlangenfarm und das Labor von Dr. Stone, ein Abnormitäten-Zirkus und ein kleiner Ort, wie man ihn davor und danach schon oft erlebt hat. Das typische Kleinstadt-Feeling mit schönen Frauen, Ärzten, Proleten und einem Sheriff ist hier also anzutreffen, aber gerät durch das eigentlichen Thema immer in den Hintergrund. Dr. Stone, seine Tochter Kristina und sein menschliches Versuchskaninchen David bestimmen die Handlung, und die tritt manchmal etwas auf der Stelle. Besonders die erste Hälfte des Films ist manchmal etwas zäh. Zumindest sorgt das sommerliche Natur-Ambiente und die schön ausgeleuchteten Aufnahmen in den Abendstunden immer dazu hinzugucken. Was von Beginn an gut funktioniert, ist der Score von Patrick Williams (CRY-BABY, 1990), der unheimlich im Hintergrund klimpert. Überhaupt liefert SSSSSNAKE KOBRA einiges für die Ohren, denn das Sounddesign der Tiergeräusche ist sehr dominant und teilweise unangenehm wirksam, besonders die Atemgeräusche der Königskobra sorgen für Gänsehaut. Etwas angestaubt wirken die Verwandlungseffekte und das Make-up, wenn es um den Schlangen-Mensch-Hybriden geht. Aber gut, man befindet sich hier im Jahre 1973, und da war man noch nicht ganz so verwöhnt. Bizarr ist die Kreatur auf jeden Fall. Gnädig ist auch die Wahl der Darsteller. Unser wahnsinniger Doktor, der eben nicht den typischen Bösewicht verkörpert, wird von Strother Martin (BROTHERHOOD OF SATAN, 1971) dargestellt, Kristina, seine Tochter, von Heather Menzies-Urich (PIRANHAS, 1978). Am bekanntesten dürfte allerdings Dirk Benedict (KAMPSTERN GALACTICA, 1978) sein, der hier grün wird.
SSSSSNAKE KOBRA bietet eine schräge Story, eine charmante 70er-Atmosphäre mit schönen Farben, wilden Sounds und diabolischen Schlagen. Auch wenn es hier und da etwas an Spannung mangelt, wird das Auge dennoch immer gut bedient.
(Bjoern Candidus)