DRACULAS RÜCKKEHR
(DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE, GB, 1968, Regie: Freddie Francis)
Graf Dracula ist tot, doch die Bewohner des kleinen Dorfes unterhalb des Schlosses haben weiter Angst vor seinem bösen Geist. Da kommt der Bischof Monsignore Ernst Müller aus Keinenberg gerade recht. Er will das Tor zum Schloss mit seinem golden Kreuz versiegeln und segnen, damit das Böse keinen Zugang mehr hat. Doch während der Bischof sein Werk vollzieht, hat der Priester, der ihn begleitet, einen Unfall, verletzt sich und erweckt mit seinem Blut versehentlich den im Eis eingefrorenen Graf Dracula. Dieser ist gar nicht davon angetan, dass sein Schloss mit Gottes Segen befleckt wurde und schwört Rache am Monsignore, der bereits seine Rückkehr nach Keinenberg angetreten ist.
Die erfolgreiche Serie um Graf Dracula geht in die vierte Runde, und diesmal durfte Freddie Francis die Regie übernehmen, und der ist wahrlich kein schlechter Ersatz für Terence Fisher gewesen.
Inhaltlich setzt DRACULAS RÜCKKEHR ein Jahr nach dem Ertrinkungstod des Grafen in BLUT FÜR DRACULA (1966) an, was den Seriencharakter der Reihe unterstreicht. Man muss allerdings sagen, dass die Kulissen aus den Vorgängerfilmen keine Verwendung mehr fanden, und viel mehr als das Tor zu Draculas Schloss gibt es auch hier nicht zu sehen. Das macht aber nichts, denn die Handlung verlagert sich schnell nach Keinenberg, eine fiktive Stadt, die neu ist in der Reihe. In erst Linie hält man sich dann in einem Wirtshaus auf, dessen Keller die neue Behausung Draculas wird.
Auch wenn in den drei Fisher-Filmen weitaus mehr Abwechslung in den Sets war und allesamt pompöser aussahen, braucht sich Francis Inszenierung nicht verstecken. Besonders schön sind die Über-den-Dächern-von-Keinenberg-Szenen auf denen sich Dracula präsentiert. Francis arbeitet hier immer wieder mit Farbfiltern, um die Energie des Bösen zu symbolisieren. Böse ist vor allem Christopher Lee als Dracula, der in diesem Teil so richtig wütend sein darf. Hat er im Vorgänger noch geschwiegen, weil ihm der Text nicht gepasst hat, ändert sich das hier wieder. Und auch wenn Lee die Rolle schon lange am Hals heraushing, hatte er immer genug Platz in seinem Portmonee, um doch noch mal zuzusagen. Eine Lustlosigkeit erkennt man hier jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil. Lee liefert eine teuflisch gute Vampir-Performance. Sein Gegenspieler ist auch nicht gerade sympathisch. Rupert Davies als Bischof Monsignore Ernst Müller mag zwar was von Gott verstehen, Toleranz ist ihm aber fern. Ganz anders: seine Tochter Maria, die von Veronica Carlson verkörpert wird. Ihr Herzblatt Paul wird von Barry Andrews gespielt. Zusammen sorgen sie für die Liebe im Rahmen der Rache-Geschichte, die hier erzählt wird. Auch Michael Ripper gibt sich wieder die Ehre und darf als Wirt seinen Charme spielen lassen.
DRACULAS RÜCKKEHR ist ein weiterer gut aussehender Beitrag aus den Hammer-Studios. Inhaltlich gibt es nicht viel zu erleben, aber die Form und die vertrauten Klänge von James Bernard täuschen darüber hinweg.
(Bjoern Candidus)