COMA
(USA, 1978, Regie: Michael Crichton)
In einem Krankenhaus kommt es gehäuft zu Fällen, in denen Patienten bei simplen OPs ins Koma fallen. Als es die Kollegin von Dr. Susan Wheeler trifft, beginnt sie in Eigenregie Nachforschungen über die mögliche Ursache zu finden, sehr zum Missfallen der Krankenhausleitung.
Nach seinem faszinierenden Roboter-Computer-Science-Fiction-Film WESTWORLD (1973) widmete sich Roman-Autor und Regisseur Michael Crichton mit COMA der Medizin und adaptierte Robin Cooks gleichnamigen Roman.
COMA versprüht von Beginn an eine dichte Atmosphäre, die sich erst mal zwischen Dr. Susan Wheeler und Dr. Mark Ballows zeigt. Die Beiden, dargestellt von Geneviève Bujold und Michael Douglas, sind frisch verliebt, zeigen aber bereits Probleme untereinander. Mark ist ein
sympathischer Soft-Macho, Susan eine emanzipierte, selbstbewusste Frau, was sie im Verlauf des Films unter Beweis stellt. Mit Geneviève Bujold und Michael Douglas hat Crichton Gold an Bord, und mit Robert Widmark als Chef-Chirurg Dr. George Harris ebenso. Rip Torn gibt sich als Dr. George die Ehre, Ed Harris taucht in der Pathologie auf, während Tom Selleck als Patient Hallo sagt. Gute Leute für einen spannenden Thriller.
COMA schlägt in die Kerbe des 70er-Jahre-Paranoia-Kino und greift zudem unangenehme Themen (z.B. Abtreibung) auf, die bis heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Dass hier der Schrecken in einem Krankenhaus wütetet, macht das Ganze zusätzlich unangenehm. Ein Ort der Hilfe und im besten Fall Heilung, wird zur tödlichen Falle, der man hilflos ausgesetzt wird. Immer mehr schraubt sich Dr. Susan Wheeler in das System der Klinik, was sie schließlich zum Jefferson-Institut führt. Versprüht COMA schon von Anfang an eine gewisse Kälte, wird es im Jefferson-Institut geradezu eisig. Crichton lässt auch hier wieder seine Freude an der Science-Fiction freien Lauf und kombiniert diese mit medizinischen Themen. Immer wieder beeindruckend ist der Raum voller von der Decke hängender Koma-Patienten im UV-Licht. Eine zusätzliche Veredelung kommt mit Jerry Goldsmith Score, der zwar etwas unauffälliger ist, aber die Spannung gut zu untermalen weiß.
Sieht man über kleinere Längen im Mittelteil hinweg, ist COMA ein durchgehend spannender Medizin-Thriller mit einer packenden Story, einer tollen Besetzung und dem unnachahmlichen Charme des 70er-Jahre-Kinos.
(Bjoern Candidus)