SIERRA CHARRIBA
(MAJOR DUNDEE, USA, 1965, Regie: Sam Peckinpah)
Nachdem eine Kavallerie Südstaatler auf einer Ranch Opfer von Apachen wird, plant der wegen Fehlverhalten versetzte Major Dundee einen Rachefeldzug in Eigenregie. Er stellt eine Truppe Männer zusammen, die nicht nur aus den eigenen Reihen stammen, sondern auch aus denen der Nordstaatler, um den brutalen Sierra Charriba und seinen Stamm auszulöschen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd durch die Weiten Mexikos, angetrieben von Hass.
Sam Peckinpahs dritter Western ist eine etwas sperrige Angelegenheit, die den wunderschönen, eher positiv durchstrahlten SACRAMENTO (1962) schnell vergessen lässt. SIERRA CHARRIBA ist dagegen düster, dreckig und gewalttätig, was er bereits zu Beginn deutlich demonstriert, wenn die Apachen von ihrem Massaker an der Ranch abziehen, was einer ganzen Kavallerie von Südstaatlern das Leben gekostet hat. Die Rechnung wird sofort vorbereitet, und wer könnte das besser als Charlton Heston? Okay, da gäbe es schon andere, aber Heston macht hier das, was er am besten kann: griesgrämig und kampfbereit sein, und das stets mit schlechter Laune. Nicht nur Heston macht als Major Dundee einen ordentlichen Job, auch mit Richard Harris, James Coburn, Mario Adorf, Ben Johnson und R. G. Armstrong wird man gut bedient. Die beinah einzige weibliche Rolle ist an Senta Berger gegangen, die hier allerdings kaum Eindruck erweckt.
Die erste Hälfte von SIERRA CHARRIBA besticht durch Spannungen zwischen den Fronten, denn schließlich arbeiten hier Süd- wie Nordstaaten-Soldaten zusammen, um gegen einen, bzw. mehrere gemeinsame Feinde zu kämpfen: gegen den Apachen-Stamm von Sierra Charriba und gegen Mexikaner und einer Garnison französischer Soldaten, die ihnen auf der Verfolgung begegnen.
Peckinpah sind die die Charakterzeichnungen durchaus gelungen und besonders der Konflikt zwischen Major Dundee und seinem früheren Freund Tyreen (Richard Harris), der die Fronten gewechselt hat und nun als Captain der Nordstaaten dient, ist durchaus spannend. Doch mit zunehmender Laufzeit verlieren sich die Spannungen etwas und man steuert einem Finale zu, was den langen Weg dahin kaum ausgleicht. Es kommt immer wieder zu Längen, die SIERRA CHARRIBA unnötig ausdehnen. Andererseits hat man so noch länger etwas von der wunderschönen Naturkulisse Mexikos, die von Kameramann Sam Leavitt eindrücklich fotografiert wurde. Riesige Kakteen, gigantischen Felsmassive, Flüsse, Seen, Wälder und die ewige Weite der Prärie warten auf einen und entschädigen jeden zähen Moment.
SIERRA CHARRIBA ist historisch durchaus interessant und verzichtet auf Western-Romantik und Heldentum. Dass das Ergebnis am Ende etwas unausgegoren ist, ist nicht Peckinpahs Schuld, sondern die des Studios, das die ursprüngliche Schnittfassung verändert und stark gekürzt hat.
Starke Schauspieler, große Bilder und historische Bezüge können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass SIERRA CHARRIBA mit fortschreitender Laufzeit immer mehr die Luft ausgeht.
(Bjoern Candidus)