AMAZONIA – KOPFJAGD IM REGENWALD
(SCHIAVE BIANCHE: VIOLENZA IN AMAZZONIA, Italien, 1985, Regie: Mario Gariazzo)
AMAZONIA – KOPFJAGD IM REGENWALD ist einer der letzten Filme der italienischen Kannibalen-Welle. Mario Gariazzos („L‘ OSSESSA“, 1974) Film, der auf einem Drehbuch von Franco Prosperi basiert, hebt sich auf positive Art ab. Nicht, dass der Film ein positiveres oder realistischeres Bild von den Ureinwohnern des Amazonas zeichnen würde, aber die Story ist mal eine andere und erspart einem erst mal die obligatorischen Miesepeter aus dem Westen. Streng genommen ist es nicht mal ein Kannibalenfilm, denn Menschen werden hier nicht gefressen. Erzählt wird die angeblich wahre Geschichte der Catherine Miles, die schon als Kind mit ihren Eltern viel Zeit am Amazonas verbracht hat. Als sie volljährig wird und erneut mit ihren Eltern raus ins Paradis am Amazonas fährt, kommt es zu einem Überfall von einheimischen Kopfjägern, die Eindringlinge auf ihrem Gebiet die Köpfe abschneiden, um sie als Trophäen mitzunehmen. Catherines Eltern werden vor ihren Augen enthauptet, während sie verschleppt wird und fortan bei einem Stamm leben muss, in dem sich bereits ein paar Männer für sie interessieren. Hauptanwärter ist Umukai, mit dem Catherine einer Art Liebesgeschichte erlebt. Dass sich Catherines Tante und Onkel während des Überfalls ganz schnell aus dem Staub gemacht haben, wird auch noch wichtig, doch vorher wird man Zeuge von unangenehmen Ritualen, die die junge Frau über sich ergehen lassen muss. Unter anderem wird man Zeuge von einer Entjungferung mittels Bambusrohr, aber sowas ist natürlich nichts Neues im Kannibalenfilm. Nicht, dass es in AMAZONIA zimperlich zugehen würde, aber die Grobschlächtigkeit eines Deodato oder Lenzi fehlt hier. Dennoch bietet Gariazzos Inszenierung einige harte Gore-Szenen, die für eine TV-Produktion der 80er-Jahre ungewöhnlich sind. Pfeile landen in Körpern, Köpfe werden abgeschlagen, Menschen werden gnadenlos erschossen, aber dafür bleibt einem direkter Tiersnuff erspart, es sei denn, man zählt es dazu, wenn Tiere Tiere töten.
AMAZONIA – KOPFJAGD IM REGENWALD wurde in einigen Ländern auch als Fortsetzung zu CANNIBAL HOLOCAUST (1980) vermarktet, was inhaltlich keinen Sinn macht, aber zumindest andeutet, dass der Film nicht ganz so flach ist, wie manch einer seiner Kollegen. Auch die Gerichtsverhandlung um Catherine Miles (Elvire Audray), die man am Anfang und Ende sieht, ist ein erfrischendes Element, was allerdings nicht wirklich überzeugend inszeniert wurde, vor allem im Vergleich zum Rest.
AMAZONIA ist ordentlich fotografiert, bietet eine interessante Story, reichlich Blut und einen schönen Score von Franco Campanino, der die Landschaftsaufnahmen perfekt begleitet.
(Bjoern Candidus)