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White Apache, 1987 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DER WEISSE APACHE*
(BIANCO APACHE, Italien, Spanien, 1986, Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso) 

Bei einem Überfall von einer Bande auf eine kleine Gruppe Siedler kommt es zu einem Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Nur eine schwangere Frau kann den feigen Überfall überleben und wird von Apachen gerettet und in ihr Lager gebracht. Kurz nach der Geburt ihres Kindes stirbt die weiße Frau. Fortan wächst der Junge bei den Apachen unter dem Namen „Strahlender Stern“ auf. Als er sich in das gleiche Apachen-Mädchen verliebt wie seinen Stiefbruder „Schwarzer Wolf“, kommt es zu einem Kampf. Doch bei dem Eifersuchtskampf kommt „Schwarzer Wolf“ versehentlich ums Leben. Häuptling „Weißer Bär“ schickt „Strahlender Stern“ in die Welt des weißen Mannes, aus der er schließlich stammt, um sie kennenzulernen, und diese bringt neue Konflikte mit. 

Was macht man, wenn der Italowestern tot ist? Richtig, man dreht einen Italowestern, und fast könnte man meinen, Bruno Mattei und Claudio Fragasso wollten das Genre neu erfinden, denn was bei DER WEISSE APACHE herumgekommen ist, trotzt eigentlich jeder Beschreibung, zumindest war das der erste Eindruck. Billige Kostüme auf Seiten der Apachen wie der Cowboys, eine noch billigere Dramaturgie und sonderbar blickende Gesichter, die man von der italienischen Resterampe der 80er-Jahre gekratzt hat, sind die ersten Eindrücke, die auf einen warten. Doch abschalten gibt es bei mir nicht, schon gar nicht bei dem Gespann Mattei / Fragasso, denn wenn die beiden eine Sache können, ist es mich zu unterhalten.  

Die anfänglichen Schwierigkeiten legen sich mit der Einführung des weißen Apachen, der sich dann optisch zum Cowboy umwandelt. Ob als Indianer oder Cowboy, Richard Harrisons Sohn Sebastian stünde mit seinen blonden Haaren und seinem Adoniskörper auf vielen Gayporno-Besetzungslisten, zu Recht, denn er sieht schon ziemlich gut aus. Doch als weißer Apache drängt sich natürlich eine gewisse Komik auf, die Sebastian Harrison aber als Kurzzeit-Cowboy etwas abschütteln kann. Da man sich im italienischen Unterhaltungskino der 80er-Jahre befindet, glaubt man vielleicht, sich über eine ernsthafte Geschichte, die über den Konflikt zwischen amerikanischen Ureinwohnern und dem Weißen Mann handelt, keine Gedanken machen zu müssen. Doch neben Action, Mord und Todschlag, gibt es hier tatsächlich mehr Auseinandersetzungen zum Thema Rassismus, als man meinen mag. Und in manchen Punkten ist der Film sogar treffender als DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG (1970), was sicherlich eine Inspiration für diesen Film hier gewesen war. Das Drehbuch stammt von Franco Prosperi, was er möglicherweise schon viel früher geschrieben hat. Mattei räumt den Indianern viel Spielzeit ein und lässt den Zuschauer an ihrer Kultur teilhaben. Auf der anderen Seite hat man ein paar fiese Typen, wie Charly Bravo (DEAD ANGEL, 1973), der den sadistischen Ryder verkörpert. Mit Luciano Pigozzi (BARON BLOOD, 1972) und Charles Borromel (ABSURD, 1981) sind zwei gute Bekannte an Bord, die der Inszenierung guttun. Die weibliche Apachenschönheit wird von Lola Forner verkörpert. 

Neben der durchaus interessanten Story, den kritischen Tönen, Folter und Mord, darf man sich auch an der wunderschönen Natur von Almería (Spanien) erfreuen. Am Anfang wie am Ende dominieren Felsmassive die Hintergründe, während man in der Mitte einen kurzen Abstecher in die obligatorische Westernstadt unternimmt. Angereichert werden die Aufnahmen von Stock-Footage-Material von Flora und Fauna. Typisch Mattei halt. Auch der Score von Luigi Ceccarelli, der zwar kaum Western-Feeling aufkommen lässt, hat mir gut gefallen. 

DER WEISSE APACHE ist ein ungewöhnlicher Eintrag in Bruno Matteis und Claudio Fragassos Filmografie, der mehr erzählt, als man meinen würde.

(Bjoern Candidus)

*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

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