THANKSGIVING
(USA, 2023, Regie: Eli Roth)
In Plymouth, Massachusetts kommt es bei einer Black Friday Aktion in einem Kaufhaus zu einem Massenunfall, ausgelöst durch Gier. Ein Jahr später, werden die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen und als Unfall eingestuft, doch irgendwer in Plymouth will sich damit nicht abgeben und dezimiert nach und nach die wahren Schuldigen.
Manchmal braucht man etwas Simples auf vertrautem Boden. Etwas, was man quasi in und auswendig kennt. Manchmal braucht man einfach nur einen Horror-Slasher nach bekanntem Muster, um es sich gutgehen zu lassen. Und Eli Roth, dessen Filmographie ich ohnehin ganz gerne mag, liefert hier den Feel Good-Old School-Slasher, den ich erwartet hatte. Ich wollte eine Kleinstadt, einen Killer und austauschbare Figuren, die blutig aus dem Leben treten, und genau das liefert Roth hier nach seiner Tradition.
Schon nach der ersten Minute wird die erste HALLOWEEN (1978) – Hommage eingebaut, der nicht viel später eine zweite folgt. Aber statt Halloween in Haddonfield zu feiern, feiert man hier Thanksgiving in Plymouth (Massachusetts). Also ein Fest, was bisher noch nicht groß im Horror-Kino durchgekaut wurde. Wobei mir da gerade FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) einfällt, der zumindest teilweise an Thanksgiving spielt. Das Interesse an dem Thema bestand ja durchaus, nachdem Roth seinen Fake-Trailer THANKSGIVING als Segment für GRINDHOUSE (2007) produzierte. Dass erst 16 Jahre später ein richtiger Film daraus werden würde, ist allerdings schon wirklich erstaunlich.
Das Schöne an THANKSGIVING ist, dass man merkt, dass es ein Film von Eli Roth ist, der durch seine oft überspitzten und/oder dummen Figuren, seinem manchmal fragwürdigem Humor und seinen oft sehr harten Gewaltdarstellungen das Publikum spaltet. Und hier liefert er genau das wieder ab, aber insgesamt wirkt der Film etwas geerdeter, vielleicht reifer. Seine letzte Regiearbeit (DEATH WISH) liegt über fünf Jahre zurück; vielleicht brauchte er Zeit zur Besinnung.
Die Liste von ätzenden Teenie-Figuren wird erweitert, aber auch alle anderen Charaktere, die hier eingebaut werden, haben mich zu jeder Zeit unberührt gelassen. Bei vielen Filmen hätte mich genau das gestört, hier gehört es zum Pflichtprogramm von Roth. Gierige Idioten, die getötet werden. Und wie die getötet werden. In Sachen Gewalt und Blut wird aus dem Vollen geschöpft. Menschen werden zu Tode gekocht, skalpiert, zerquetscht oder ihnen wird der Schädel eingeschlagen. Wer auf Gore steht, bekommt ihn, und zwar handgemacht. Bereits in der Right Markt – Black Friday – Pre-Titel-Sequenz darf man sich über kleine (Fun-) Splatter-Momente freuen, die Hoffnung auf noch mehr machen, was man auch bekommen wird. In dem Punkt hat mich Roth absolut abgeholt.
Der Killer an sich, der sich mit einer John Carver (ein englischer Pilgerführer und erster Gouverneur von der neuenglischen Kolonie Plymouth) Maske, einem passenden schwarzen Zylinder und einem ebenso schwarzen Overall zeigt, sieht okay aus, eine Aura eines Michael Myers oder Jason Voorhees kommt aber zu keiner Zeit auf. Der Killer ist letztlich so uninteressant wie seine Opfer. Seine Taten sind das Wichtige und die Frage, ob man mit der Täter-Vermutung richtig lag.
Roth greift Themen wie Soziale Netzwerke und Gier auf, um sie für seine Horror-Show zu nutzen, was ihm gut gelungen ist. Er schafft meistens den Spagat zwischen Schrecken und Humor und ist in allem wesentlich treffsicherer als in GREEN INFERNO (2013). Insgesamt mangelt es der Inszenierung etwas an Atmosphäre. Der Film ist zwar gut fotografiert, zeigt sich manchmal aber auch etwas langweilig und spannungsarm, vor allem, wenn man jetzt mal HALLOWEEN als Vergleich heranzieht.
Mit THANKSGIVING folgt Eli Roth einem ähnlichen Plan wie einst Adam Green mit HATCHET (2006): einen Old School – Slasher drehen. Ihm ist ein inhaltsleeres, Blutbad voller einfältiger Dummköpfe gelungen, was mich nicht eine Sekunde gelangweilt hat. Gut gemacht.
(Bjoern Candidus)
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