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Miami Golem, 1985 – ★★½

MIAMI GOLEM
(Italien, USA, 1985, Regie: Alberto De Martino)

Der TV-Reporter Craig Milford will für einen Fernsehbericht einen Wissenschaftler interviewen, der mit seinem Team einen Meteoriten untersucht hat, in dem angeblich der Schlüssel des irdischen Lebens zu finden sei, dessen Ursprung aus dem Weltraum kommt. Es gelingt, den Wissenschaftlern einen Zellklumpen zu erzeugen, der durch ein Missgeschick stimuliert wird und binnen kurzer Zeit zu einem außerirdischen Embryo heran wächst. Und da dieser nichts Gutes im Schilde führt, wie die telepathisch begabte Joanna herausfindet, ist auch der größenwahnsinnige Gangster Anderson hinter dem Wesen her, um die Welt zu erpressen. Für Craig und Joanna beginnt der Kampf gegen einen Verbrechersyndikat und einem fremden Wesen von den Sternen, was die Menschheit vernichten will.

Jeder steht mal neben sich. Hier standen aber gleich alle Tage lang neben sich, denn was hier unter der Regie von Alberto De Martino entstanden ist, sucht seinesgleichen. Grundvoraussetzung, diesen Film auf gewisse Art zu mögen, ist es auch Filme wie ALIEN – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK (1980) schätzen zu wissen, denn der ist mir hier schnell in den Sinn gekommen.

Es wird schon von der ersten Sekunde an amüsant, wenn ein Synthesizer-Track, der die Titel-Sequenz, in der David Warbeck ein Auto fährt, untermal, der verdächtig nach dem BEVERLY HILLS COP-Main Theme klingt. Allerdings klingt es so, als hätte es ein Besoffener gespielt. Möglicherweise konnte er sich auch zwischen BEVERLY HILLS COP (1984) und MIAMI VICE (1984-1989) nicht entscheiden. MIAMI VICE hätte natürlich besser zum Titel MIAMI GOLEM gepasst, womit auch der einzige Bezug klargestellt wäre. Die Musik (von Detto Mariano), die Klamotten, die Frisuren… Das 80er-Jahre-Feeling wird einem gut ins Gesicht gekotzt, so wie im Grunde alles. Die haarsträubende Story, die einem ungeahnte und völlig absurde Momente beschert, ist eine Sache, die ich gut und gerne schlucke, aber die schauspielerischen Leistungen in Kombination mit dem Irrsinn, der hier aufgetischt wird, ist eine Katastrophe. Der einzige größere Name, der hier vertreten ist, ist David Warbeck als Reporter Craig Milford, der die Hälfte der Zeit so wirkt, als sei er selbst nicht von dieser Welt. Ganz im Gegenteil zu Laura Trotter, die als Telepathin Joanna so aufgeht, dass es nur noch grotesk überzeichnet wirkt, was auf viele zutrifft, die hier auftauchen.

Die billigen Effekte, unter dem Mitwirken von Sergio Stivaletti, sind nichts ungewöhnliches im Italo-Kino Mitte der 80er-Jahre. Auffällig ist die minimale Gewaltdarstellung. In erster Linie werden Leute erschossen, meistens von hinten in den Rücken. Aber De Martino ist zumindest so gnädig, stattdessen auf Action zu setzen, da es hier mit Spannung ohnehin nicht klappt. Autobomben-Action auf dem Asphalt, eine Sumpfboot-Verfolgungsjagd durch die Everglades und Hubschrauber-Action in der Luft bringt Schwung in den Irrsinn, auch wenn er schlecht inszeniert wurde. Ansonsten gibt es einen grimmigen Embryo, der hin und wieder Bilder aus einer anderen Dimension in unsere projiziert, ganz kurz Sex und Titten und der fragwürdige Einsatz, Bilder schneller ablaufen zu lassen, denn das sieht nie gut aus, vor allem nicht in den 80er-Jahren.

Es ist wirklich sonderbar, dass Alberto De Martino im gleichen Jahr, ebenfalls mit David Warbeck, den sehr ansehnlichen und durchaus spannend inszenierten DAS HAUS DER VERFLUCHTEN abgedreht hat und hier offensichtlich komplett außer Kontrolle geraten ist. Beide Filme sind im Vergleich ein Unterschied wie Tag und Nacht, in allen Hinsichten. Als hätte sich De Martino nach Fertigstellung seines Spät-Giallo sofort in die Abwärtsspirale begeben, in der einige seiner Kollegen Mitte der 80er-Jahre bereits steckten.

Der Mix aus ALIEN – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK, E.T., POLTERGEIST, Actionfilm und dem Irrsinn, der hier exklusiv aufgetischt wird, machen MIAMI GOLEM zu einem Kunststück, was man nur schätzen kann, wenn man ein großes Herz für Quatsch hat. Ich hatte großen Spaß.

(Bjoern Candidus)

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