Zum Inhalt springen
  • Startseite
  • Episoden
  • Rezensionen
  • Über uns
  • Wo Ihr uns findet
  • Kontakt

Haine, 1980 – ★★½

KILLER-TRUCK
(HAINE, Frankreich, 1980, Regie: Dominique Goult)

In einem kleinen französischen Dorf auf dem Land kommt es zu einem Unfall. Ein kleines Mädchen wird von einem Motorrad erfasst und tödlich verletzt. Ein paar Tage später hält ein Fremder, der auf der Durchreise ist, mit seinem Motorrad in dem Dorf an und betritt eine Kneipe. Er trinkt und isst was und lässt sich von der Wirtin die Karten legen, die natürlich irgrndwann die Karte „Der Tod“ zieht. Als sich der Fremde mit einer Dorfschönheit einlässt, spielt er mit dem Feuer…

Dominique Goult macht es dem Zuschauer mit seinem Film nicht gerade einfach, sich sicher zu fühlen. Der dramatische und fehlleitende deutsche Titel KILLER-TRUCK spitzt zusätzliche Erwartungen, die der Film nicht erfüllen kann. Aber auf den deutschen Titel wird Goult kaum Einfluss gehabt haben.

Es gibt nichts was es nicht gibt, z.B. auch Klaus Kinski in einem weißem Lederkombi auf einem Motorrad (eine blaue Honda), der durch die französische Pampa brettert und in einem kleinen Dorf hält, um sich in einer Kneipe eine Mahlzeit zu gönnen. Ebenso gut hätte Kinski als Fremder in eine Westernstadt reiten können oder mit einer Kutsche in einem Dorf in Transsilvanien Halt machen können. Die ausladende Art der Begrüßen der Dorfbewohner in der Kneipe ist jedenfalls identisch. Dass Kinski nicht viel freundlicher wirkt, muss man der Fairness halber auch sagen, nein, fast voraussetzten. Ein jähzorniger Wüterich ist er hier allerdings auch nicht; eher liegt eine Verzweiflung in ihm. Aber das passt ja zur Situation.

Unheil liegt in der Luft, aber was soll man erwarten, wenn vorher ein Kind auf offener Straße mit einem Motorrad getötet wurde und der Täter Fahrerflucht begannen hat? Verwirrung stiftet Goult auch am Anfang, wenn zwei Männer eine Fabrik sabotieren, in der schließlich ein Feuer ausbricht. Einer der beiden Männer wird im späteren Verlauf noch mal wichtig, und der fährt sogar einen LKW, von dem der deutsche Titel herrührt. Brandstifter, ein getötetes Mädchen, und Klaus Kinski als Fremder in einem französischen Kuhdorf. Das sind reichlich Zutaten, die einen spannenden Thriller versprechen, doch stattdessen bekommt man einen kruden Mix aus Drama und Selbstjustiz-Thriller mit Dorfdeppen.

Neben den bereits angesprochenen Italowestern- oder Gothic-Horror-Anleihen, kamen mir auch Filme wie STRAW DOGS (1971) und noch mehr TREIBJAGD (1975) in den Sinn, und gleichzeitig könnte der Film auch im Universum von RÜCKKEHR DER LEBENDEN TOTEN (1987) von Pierre B. Reinhard spielen. KILLER-TRUCK sieht auch nicht schön aus, aber dadurch gewinnt er. Die trübe Landkulisse und die sumpfigen Abschnitte, die man im späteren Verlauf sieht, bauen eine unheimliche und beklemmende Atmosphäre auf. Überhaupt versteht es Goult, Stimmung zu erzeugen, verstärkt durch den Score von Alain Jomy. Doch inhaltlich wird einfach zu viel geöffnet, was ins Nichts führt. Neben Kinski, der Dorfschönheit Madeleine, die von Maria Schneider dargestellt wird und seinen ihm feindlich gesinnten Dorfdeppen, gibt es noch die trauernden Eltern, des mit einem roten Regenmantel bekleideten Mädchens, was getötet wurde. Dann heißt es, die Menschen im Dorf hätten angeblich Angst vor den Augen des Mädchens gehabt. Mehr Mystery bringt die Kneipengratel ins Geschehen, wenn sie dem Fremden Tarotkarten legt. Nach viel Schweigen, sonderbaren Momenten und Vorstellungen von rundum unsympathischen Figuren, wird Goult dann endlich mal direkt und schaltet seine Inszenierung in einen garstigen Selbstjustiz-Hetzjagd-Thriller um. Dass dieser dann, vor allem in den Stunt-Szenen, nicht besonders gut inszeniert wurde, ist nach dem schwerfälligen Rest fast egal.

KILLER-TRUCK ist ein höchst sonderbarer Film mit einer durchaus dichten Atmosphäre, der aber inhaltlich kaum befriedigende Momente bietet. Vielleicht war sich Dominique Goult selbst nicht so recht im Klaren, wohin er wollte.

(Bjoern Candidus)

←Miami Golem, 1985 – ★★½
The Burning, 1981 – ★★★★→

Kommentare

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge

  • Return of the Living Dead III, 1993 – ★★★

    11. September 2026
  • Traumstadt Gazette Ausgabe 102

    10. September 2026
  • Darkroom, 1989 – ★★

    10. September 2026
  • The Time Travelers, 1964 – ★★★

    8. September 2026

Impressum · Datenschutzerklärung · © 2026 Antenne Traumstadt