EIN MANN JAGT SICH SELBST
(THE MAN WHO HAUNTED HIMSELF, GB, 1970, Regie: Basil Dearden)
Nach einem Autounfall hat Harold Pelham, der Manager eines Industriekonzerns, ein Problem: offensichtlich gibt es einen Doppelgänger von ihm, der immer in Erscheinung tritt, wenn der echte Harold Pelham nicht in der Nähe ist. Ein Freund rät ihm, einen Arzt aufzusuchen, was Pelham auch tut. Der glaubt, den Grund für sein Problem in seiner Psyche zu finden, doch das hält Pelhams Doppelgänger nicht auf.
Das Faszinierendste an EIN MANN JAGT SICH SELBST, der unter der Regie von Basil Dearden gedreht wurde, ist, dass man als Zuschauer lange Zeit selbst nicht weiß, was vorgeht und man immer so schlau ist wie Pelham selbst. Gibt es diesen Doppelgänger wirklich oder ist er ein Konstrukt von Pelhams Psyche oder steckt gar etwas ganz anderes dahinter? Dass der Film in den Kreisen eines Industriekonzerns spielt, bietet schließlich genügend Möglichkeiten. Eine Antwort bekommt man geliefert, allerdings nicht in diesem Text.
Startet der Film noch beschwingt mit einem Score von Michael J. Lewis und Roger Moore, der mit Hut und Anzug in einen Auto steigt und durch London fährt, wandelt er sich schnell in einen spannenden, beklemmenden und unheimlichen Psycho-Thriller. Man hält sich viel in Räumlichkeiten auf, was die Bedrückung noch intensiviert. Luft zum Atmen ist hier kaum. Manches wirkt verschachtelt, immer wieder gibt es verspielte bis schwindelerregende und hypnotische Kameraperspektiven. Gegen Ende hin fühlte ich mich sogar an LOST HIGHWAY und das Kino von Mario Bava erinnert. Der Film hat eine wirklich tolle Fotografie von Tony Spratling, der jede Szene veredelt.
Ganz überraschend, und jenseits seiner James Bond – Darstellungen, ist Roger Moore. Moore spielt recht überzeugend einen Mann, der immer mehr paranoide Züge annimmt und glaubt, den Verstand zu verlieren. Die Rolle hätte auch ganz prima mit Franco Nero besetzt werden können, aber ich bin froh, dass es in diesem Fall Moore war, damit ich ihn mal von einer anderen Seite erleben konnte. Da sich der Fokus hauptsächlich auf Moores Figur konzentriert, bleiben nicht viele Darsteller übrig, die ihr Können zeigen, doch Freddie Jones als Psychiater mit Sonnenbrille muss umbedingt erwähnt werden. Einer muss ja Themen wie unterdrückte Sexualität oder gesellschaftliche Zwänge ansprechen, um Pelhams Problem zu ergründen.
Das Motiv des Doppelgängers hat die Menschheit seit jeher fasziniert, erschreckt oder sich zunutze gemacht. Dass das Thema 1970 nicht mehr das Neuste im Kino war und noch sehr viel stärke Filme zum Thema folgen sollten, hatte für mich keinen Einfluss. Dearden, der hier eine Story von Anthony Armstrong adaptiert hat, die bereits für die Serie ALFRED HITCHCOCK PRÄSENTIERT… verfilmt wurde, hat mit EIN MANN JAGT SICH SELBST einen packenden Doppelgänger-Psycho-Thriller geliefert. Es gibt ein paar Längen, aber die werden immer wieder durch Moore oder den tollen Bildern gutgemacht.
(Bjoern Candidus)
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