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Scalps, 1987 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN
(SCALPS, Italien, Spanien, 1987, Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso) 

Matt Brown, ein verbitterter Rancher, der aufgrund der Ermordung seiner Frau, kein gutes Bild von Indianern hat, geht mit der jungen Indianerin Yarin auf einen Rachefeldzug gegen Colonel Connor. Der hat einst mit seinen Männern ein Massaker unter Indianern angerichtet, weil Yarins Vater die Herausgabe seiner Tochter an ihn verweigert hat. Es kommt zu einem blutigen Kampf. 

Nach Frauengefängnisfilmen, Sex-Mondos und Horrorfilmen, konzentrierte sich Bruno Mattei (und Claudio Fragasso) in den späten 80er-Jahren vor allem auf Actionfilme. Zwei Filme aus dieser Epoche sind DER WEISSE APACHE (1987) und SCALPS (1987), zwei Italowestern, die völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. Schaut man aber genauer hin, begegnet einem 1987 auch die einzige offizielle DJANGO-Fortsetzung DJANGOS RÜCKKEHR. Ein großes Italowestern-Revival hat es jedenfalls mit keine dieser Produktion gegeben. 

Konnte man bei DER WEISSE APACHE noch ein bisschen das Produktionsjahrzehnt erahnen, sieht SCALPS noch mehr nach einer End-60er-bis Früh-70er-Produktion aus. Der Look ist authentisch und das Italowestern-Feeling ist überzeugend für den Rahmen, in dem man sich bewegt. Das Ganze wird natürlich vor allem dadurch erzeugt, dass man sich hier wieder in Almería bewegt, wo die meisten Spaghetti-Western entstanden sind. Ein gewisses Heimatgefühl baut sich so automatisch auf. Die Kostüme sind solide, die Ausstattung etwas spärlich, die schön ausgeleuchteten Studio-Kulissen wissen zu überzeugen. Lagerfeuerromantik, staubige, felsige Landschaften und ein passender Score von Luigi Ceccarelli sorgt für Atmosphäre. Manchmal reicht das aus für einen guten Film, doch Mattei (und Action-Star Richard Harris, der die Story schrieb) bietet auch Inhalt, wenn auch keinen großen. Wie schon DER WEISSE APACHE, so macht Mattei hier auch wieder Indianer zum Inhalt und reagiert erneut auf DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG (1970). Viel erzählt wird hier nicht, und die Rache-Story ist einfach zu abgelutscht. Aber bedenkt man, was Mattei kurz vorher und vor allem nachher abgeliefert hat, ist SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN ein durchaus solider Film geworden, der mich rundum unterhalten hat. Interessant ist auch, dass er gleich zweimal auf Indianer zurückgreift, die in der Welt des Italowesterns ingesamt selten vorkommen und in den 80er-Jahren kaum angesagt waren, mutmaße ich. 

Auch die Darsteller können durchaus überzeugen. Da ist zum einen Vassili Karis als Matt Brown, der bereits in einigen Italowestern der goldenen Ära aufgetreten ist und zum anderen die wirklich schöne Mapi Galán als Indianer-Frau Yarin, die hier blutig zur Tat schreiten darf. In Sachen Gewalt gibt es ein paar deftige Einlagen. Köpfe werden abgeschlagen, Häupter skalpiert und Vassili Karis bekommt riesige Brustpiercings verpasst, die von Pferden gezogen werden. Besonders amüsant ist die RAMBO 2 – Pfeil, Bogen, Dynamit – Hommage und die Fallgrube mit Spießen wie aus dem Kannibalen-Kino. 

Auch wenn SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN erst ab der zweiten Hälfte richtig in Fahrt kommt, kleine inszenatorische Schwierigkeiten hat, die Indianer-Rassismus-Thematik nur vordergründig benutzt, um reines Exploitation-Kino interessant zu gestalten, ist Mattei und Fragasso ein sehr kurzweiliger, teilweise sogar spannender, actionreicher und atmosphärischer Italowestern gelungen. Man kann von dem Duo Mattei / Fragasso halten was man will, es überrascht fast immer. 

(Bjoern Candidus)

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