DER TODESRÄCHER VON SOHO
(EL MUERTO HACE LAS MALETAS, Deutschland, Spanien, 1972, Regie: Jess Franco)
London durchzieht eine Mordserie. Die Opfer werden stets mit einem Wurfmesser getötet, außerdem steht neben den Opfern ihr gepackter Koffer. Scotland Yard steht vor einem Rätsel, was Inspektor Redford (Fred Williams) zu lösen hofft. Alles deutet daraufhin, dass die Mordserie etwas mit dem Drogenmilieu zu tun hat.
Im Zuge des Erfolgs der EDGAR WALLACE – Reihe der Rialto Film schob Artur Brauner seine BRYAN EDGAR WALLACE – Reihe nach. DER TODESRÄCHER VON SOHO basiert auf der Vorlage „Der Tod packt seinen Koffer“ von Bryan Edgar Wallace (der Sohn von Edgar), der bereits 1962 als DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER von Werner Klinger verfilmt wurde. Bei DER TODESRÄCHER VON SOHO beauftragte Brauner Jess Franco, mit dem er bereits Erfahrungen (z.B. VAMPYROS LESBOS, 1971) sammeln konnte.
Dabei ist Franco ein kurzweiliger Krimi gelungen, der vor allem durch seine Schauplätze und den oft verspielten Kameraperspektiven ein Hingucker wird. Nebelige Sets, knallige Farben und schmierige Figuren befeuern die rundum gelungene Atmosphäre. Es gibt hin und wieder ein paar Impressionen bekannter Wahrzeichen in London zu sehen, aber die eigentlichen Aufnahmen fanden in Spanien statt, was an der Architektur, innen wie außen, gut zu erkennen ist. Also nichts ungewöhnliches für Franco. Ungewöhnlicher ist eher Francos Zurückhaltung, was Sex und Erotik angeht, aber da hat wohl Brauner einen Riegel vorgeschoben, weil hier ein anderes Publikum angesprochen werden sollte. Immerhin gibt es einen Nachtclub und einen Blinden der seine Ohren überall hat, wie in Francos JACK THE RIPPER (1976).
Aber was wäre eine Wallace-Adaption ohne große Namen vor der Kamera? Auch hier schöpft Brauner aus den Vollen und liefert mit Horst Tappert, Fred Williams, Barbara Rütting, Siegfried Schürenberg, Dan van Husen, Wolfgang Kieling und vielen anderen eine ganze Wagenladung sympathischer Gesichter, die den Charme dieser Inszenierung ungemein befeuern.
Gelungen ist auch der Score von Rolf Kühn, der sich beschwingt wie spannend zeigt.
DER TODESRÄCHER VON SOHO ist ein visuell ansprechender, gut besetzter Krimi. Auf den Humor, den er stellenweise auffährt, hätte man gut verzichten können, aber zum Ausgleich bekommt man Horst Tappert im Rage-Modus, und das gibt es nicht jeden Tag zu sehen.
(Bjoern Candidus)