THE BLOOD SPATTERED BRIDE
(LA NOVIA ENSANGRENTADA, Spanien, 1972, Regie: Vincente Aranda)
Susana ist frisch verheiratet. Mit ihrem Ehemann geht es in die Flitterwochen auf den pompösen Sitz seiner Familie, auf dem nur noch die junge Carol mit ihren Eltern lebt. Schnell lernt Susana allerdings andere Seiten von ihrem Ehemann kennen, der einen sadistischen Hang an den Tag legt, wenn es um seine sexuellen Triebe geht. Aber das ist nicht das Einzige, was sie belastet, denn unheimliche Träume suchen sie heim, in der sie eine mysteriöse Frau aufsucht. Ihr Ehemann macht hingegen eine sonderbare Entdeckung am Strand. Dort stößt er auf eine Frau, die im Sand vergraben ist und durch einen Schnorchel Luft bekommt. Er nimmt die Frau mit nach Hause, die sich nur an ihren Vornamen erinnert: Carmilla.
Wie schon Roger Vadim mit UND VOR LUST ZU STERBEN (1960) und die Hammer-Studios mit ihrer Karstein-Trilogie, wandelt auch der Spanier Vincente Aranda auf den Spuren von Sheridan Le Fanus Vampire-Novelle „Carmilla“ (1872). Auch wenn Aranda einem eigenen Handlungsweg folgt und die Story, wie Vadim 1960, ins 20. Jahrhundert verlagert, greift er wichtige Elemente von Le Fanu auf oder variiert sie. Andere Dinge fallen hingegen komplett unter den Teppich, wie zum Beispiel die Verwandlung des Vampirs in ein katzenartiges Tier.
Schon zu Beginn wird klar, dass Aranda das Thema Sex und Erotik nicht scheut. Neben einer etwas verwirrenden Vergewaltigung am Anfang, die sich wenig später auflöst, werden auch die lesbischen Aspekte der Story aufgegriffen, die vor allem gegen Ende wunderbar zum Vorschein kommen.
Auf der einen Seite steht das sadistische Verhalten des Ehemannes, der keinen Namen bekommen hat, auf der anderen Carmilla (oder in ihrem Anagramm: Mircalla) mit ihrer unheimlichen Anziehungskraft, die sie auf ihn und Susana hat. Hier entsteht eine durchaus starke Dreiecksbeziehung, die es in der Vorlage nicht gibt. Aber Arandas Inszenierung ist nicht nur freizügig in Sachen nacktem Fleisch, sondern auch in Sachen Blut und Gewalt. THE BLOOD SPATTERED BRIDE bietet zwar insgesamt nicht viel grafische Gewalt, aber es gibt einen Mord mittels Dolch in eine Brust, der äußerst hart und vor allem blutig ist für 1972. Und im Finale, das sei verraten, läuft der Saft des Lebens gewaltig. Wenn Aranda hier zuschlägt, dann richtig. Sein Ideenreichtum (Wunderbar: die im Sand vergrabe Carmilla) zieht sich durch die gesamte Inszenierung, die immer hochwertig aussieht. Kameramann Fernando Arribas hat das weitläufige Familienanwesen innen wie außen zauberhaft eingefangen, aber auch die herbstliche Waldkulisse von Galicien (Spanien) drumherum.
Aber nicht nur die visuelle Kraft der Bilder und die packende Story machen THE BLOOD SPATTERED BRIDE zu einem starken Horrorfilm, sondern auch die Besetzung. Der Ehemann wird hervorragend von Simón Andreu verkörpert, dem immer etwas Negatives anhaftet. Susana wird von Maribel Martín dargestellt, Camilla von Alexandra Bastedo, die wirklich eine tolle Ausstrahlung besitzt.
THE BLOOD SPATTERED BRIDE ist eine kraftvolle Carmilla-Adaption, die einige Themen eröffnet, die für eine spanische Produktion Anfang der 1970er-Jahre unter einer Franco-Diktatur, wahrlich nicht selbstverständlich war.
(Bjoern Candidus)
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