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Dracula, 1931 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

DRACULA
(DRACULA, USA, 1931, Regie: Tod Browning)

Wäre es nach dem alten Carl Laemmle gegangen, hätte Graf Dracula nicht in das Film-Konzept seines Studios Universal gepasst, was sein Sohn einige Jahre später ganz anders sah, als er das Studio seines Vaters übernahm. Der glaubte nämlich, dass sich Bram Stokers Roman, der 1927 erfolgreich als Theaterstück auf dem Broadway aufgeführt wurde, sehr wohl ins Konzept von Universal einbauen lassen würde. Doch DRACULA brachte auch Probleme mit sich. Aus einer groß angelegten Produktion wurde nun eine kleine Produktion, bei der auch noch der von Laemmle angedachte Regisseur, Paul Leni, starb. Auch auf Conrad Veidt als Dracula musste Laemmle verzichten, da der zurück nach Deutschland ging. Der Regie-Posten ging schließlich an Tod Browning, während die Rolle des Grafen Dracula an Lon Chaney gehen sollte. Und wieder machte das Schicksal der Produktion einen Strich durch die Rechnung, denn Chaney starb im August 1930. Letztlich ging die Rolle an die Person, die bereits erfolgreich am Broadway mit selbiger unterwegs war: Bela Lugosi. 

Schnell fallen erste Unterschiede zur Vorlage aus dem Jahre 1897 auf, was mitunter auch daran liegt, dass sich der Film mehr an das Theaterstück anlehnt. Während es im Roman Jonathan Harker ist, der nach Transsilvanien reißt, um mit dem Grafen ein Immobiliengeschäft abzuschließen, ist es hier Renfield, der schließlich von Dracula zu seinem Handlanger gemacht wird und mit ihm nach England reist. 

Die Atmosphäre auf Schloss Dracula ist ganz phantastisch eingefangen. Browning hat hier einen weiteren Grundstein des Horror-Genres gelegt und Bilder geschaffen, die sich bis heute eingebrannt haben. Draculas Hand, die aus dem Sarg greift, eine Heuschrecke, die einen kleinen Sarg verlässt, ein Opossum, was hinter einem Sarg verschwindet oder zwei Gürteltiere, die eigentlich gar nicht passen wollen, sind wie ein düsterer Zauber, der nur noch von der sinistren Aura Bela Lugosis übertrumpft werden kann. 

Lugosi als Dracula ist schon eine Sache für sich, aber das war auch Max Schreck als Graf Orlok. Bis heute haben sich die Dracula-Darstellungen immer wieder geändert, und das gehört auch zur Faszination um diese Figur. Lugosi weicht sehr deutlich von der Vorstellung Stokers ab, vor allem optisch. Lugosi wirkt mysteriös, hat eine faszinierende Art zu sprechen, ist charmant bis freundlich, zumindest wenn er sich in der feinen Gesellschaft Londons bewegt. Und in dieser lernt er dann seinen Nachbarn Dr. Seward und schließlich Lucy Weston, Mina und John Harker kennen, die den Grafen freundlich willkommen heißen. Derweil kümmert sich Dr. Seward um Renfield, der nach seiner Einschätzung komplett den Verstand verloren hat und deshalb seinen guten Freund Professor Van Helsing zur Rate zieht. Und so liefert Browning weitere, sehr atmosphärische Momente in einem (Studio-)London, durch das sich Dracula des Nachts wie ein feiner Herr mit Cape und Zylinder bewegt, bis sich die Situation zuspitzt und er über Lucy herfällt. Apropos zuspitzt: Spitze Zähne gibt es hier nicht zu sehen, denn die Bisse finden hinter vorgehaltenem Cape statt. 

In den 75 Minuten werden einige Kompromisse gegenüber der Vorlage gemacht, was völlig legitim und verständlich ist und auch überhaupt nicht stört. Browning hat mit Lugosi als Dracula eine Ikone geschaffen, die sich in sämtliche Bereiche der Pop-Kultur gebissen und ihre Male hinterlassen hat. Daran lässt sich nicht rütteln, egal, ob man Lugosi als Dracula mag oder nicht. 

Weniger gut haben mir die anderen Darsteller gefallen, ausgenommen natürlich Dwight Frey als Renfield, dem der Wahnsinn aus den Augen feuert. Aber Edward Van Sloan als Van Helsing oder Herbert Bunston als Dr. Seward sind nur wenig ausdrucksstark. Und eigentlich wichtige Figuren wie John, Mina und Lucy gehen fast völlig unter. 

Auch wenn diese Adaption mein Herz nie so ganz erobern konnte, Lugosi wahrlich nicht mein Lieblingsdracula ist, genieße ich immer wieder gerne die unheimliche Kraft der Bilder von Brownings DRACULA. 

(Bjoern Candidus)

←Another Son of Sam, 1977 – ★½
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