DRACULAS TOCHTER
(DRACULA‘S DAUGHTER, USA, 1936, Regie: Lambert Hillyer)
Nachdem die Polizei die Leiche von Graf Dracula und Renfield entdeckt hat und Professor Van Helsing als Täter verhaftet, reist eine mysteriöse Dame in London an. Es ist Gräfin Maria Zaleska, die Tochter von Dracula. Diese will die Leiche ihres Vater abholen, woran sie ein Polizist versucht zu hindern. Doch der kann ihren vampirischen Kräften natürlich nicht standhalten. In der Hoffnung, sich von ihrem vampirischen Dasein befreien zu können, verbrennt sie den Körper ihres Vaters. Doch der Erfolg bleibt aus, sie ist weiter ein Kind der Nacht, was Blut für das untote Leben benötigt.
DRACULAS TOCHTER ist die direkte Fortsetzung zu DRACULA (1931), bei der diesmal Lambert Hillyer Regie führte. Statt das erfolgreiche Konzept des Vorgängers einfach zu kopieren oder ganz einfach Dracula wieder auferstehen zu lassen, wird die Story auf interessante Art weiter erzählt.
Besonders gut, hat mir gefallen, dass man hier die Ängste einer Rechtfertigung bezüglich der Ermordung von Vampiren gegenüber der Polizei aufgreift, die auch in Stokers Vorlage thematisiert werden. Im Buch hätte sich allerdings niemand über eine Leiche Draculas wundern können, denn nach der Pfählung zerfällt sein Körper zu Staub, was bei Browning 1931 nicht der Fall war. In DRACULAS TOCHTER findet die Polizei die Leiche von Dracula wie auch die von Renfield, was Van Helsing in Erklärungsnot bringt. Etwas unlogisch ist das Weglassen der Figuren von Dr. Seward, John, bzw. Jonathan und Mina, die bestätigen könnten, dass Van Helsing nur geholfen hat. Doch mit der Ankunft von Draculas Tochter fängt neuer Ärger an, der Van Helsing letztlich zugute kommt. Die Figur der Gräfin Maria Zaleska ist sehr interessant, denn sie ist darauf bedacht, von ihrem vampirischen Dasein befreit zu werden und verbrennt die Leiche ihrer Vaters. Doch es kommt anders als gedacht und so versucht sie über einen Arzt von ihrem Leidensweg erlöst zu werden. Die Gräfin wird von Gloria Holden dargestellt, die hier, wie Lugosi in DRACULA, allen anderen Darstellern die Show stiehlt, ohne viel tun zu müssen. Sie ist schön, mysteriöse und hüllt sich zum ausgehen in eine pechschwarze Burka, zudem spielt sie gerne Klavier und malt. Etwas sehr sonderbar wirkt ihr Handlanger Sandor, der von Irving Pichel verkörpert wird. Er könnte zumindest ein wunderbarer Kandidat für eine Dark Wave-Gothic-Band sein. Edward Van Sloan ist erneut als Van Helsing dabei, der hier allerdings Von Helsing heißt und nicht mehr Leben als im Vorgänger mitbringt. Etwas mehr Format bringt hingegen Otto Kruger als Dr. Jeffrey Garth mit.
Auch atmosphärisch hat Hillyers Inszenierung einiges zu bieten, z.B. wenn Gräfin Maria Zaleska durchs nächtliche London schleicht oder sie auf rituelle Art die Leiche ihres Vaters verbrennt. Handwerklich habe ich keine nennenswerten Qualitätsunterschiede zu Brownings Film gesehen.
DRACULAS TOCHTER ist ein gutes Beispiel für eine nahtlose Fortsetzung, die am Ende den Kreis zu seinem Vorgänger schließt. Sehr schön.
(Bjoern Candidus)
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