DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE
(LA ENDEMONIADA, Spanien, 1975, Regie: Amando de Ossorio)
Die junge Susan wird von dem Geist einer alten Hexe besessen, die den heißen Draht zum Teufel hat. Susan ist die Tochter des Polizisten, der die alte Hexe in den Selbstmord treibt. Und so rächt sich die Hexe und ihre Anhängerinnen, in dem sie den Körper des Mädchens steuern und zu einer tödlichen Bedrohung werden lassen.
Zwischen Amando de Ossorios Voodoo-Zombie-Beitrag WOODOO – INFERNO DES GRAUENS (1974) und seinen letzten beiden Templer-Filmen DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN (1974) und DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN (1975) entstand dieses EXORZIST-Ripoff. Auch wenn de Ossorios Filme kaum großes handwerkliches Geschick aufweisen, erkennt man dennoch meistens den Willen, einen atmosphärischen Horrorfilm abzuliefern. Auch DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE kann sich kaum mit Qualität schmücken, und einige seiner Tricks sind so billig, dass man schon die Zähne zusammenbeißen muss. Auch Susan kann schwebend die Matratze ihres Bettes verlassen oder ihren Torso (nicht den Kopf) um die eigene Achse drehen, ohne die Beine zu bewegen. Dennoch sieht alles wie die C-Version von Friedkin aus. Richtig billig wird es, wenn sich Susan optisch verändert. Sie trägt dann eine Halbglatzenperücke mit grauem Zottelhaar, um wie die alte Hexe auszusehen, die man vorher effektvoll in ihrem Grab verbrannt hat. Das Gesichts-Make-up sieht dann allerdings so aus, als hätte man ihr ins Gesicht gerotzt. Susan wird von Marián Salgado dargestellt, die auch in EIN KIND ZU TÖTEN… (1976) griesgrämig gucken und handeln darf. Kaum weniger widerlich ist die Aura von Tota Alba als alte Hexe Mutter Gautètre, die fast durchs Bild stinkt. Richtig prominent wird es mit Fernando Sancho als Polizeichef, der hier so eine Art Lee J. Cobb als Lt. Kinderman spielt. Von ihm sollte man allerdings nicht viel erwarten. Auch Lone Fleming (DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN, 1972) und Julián Mateos (DIE GRAUSAMEN, 1967) geben sich die Ehre, mit denen wenigstens ein bisschen Schönheit in den Film kommt.
Handwerklich kann man DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE viel vorwerfen, aber Ossorio gelingt es, wahrscheinlich mehr unabsichtlich, eine abstoßende Atmosphäre zu erzeugen, die sich durch die komplette Inszenierung zieht. Der Film ist rundum hässlich, und könnten Filme stinken, würde er es (auch ohne Tota Alba). Loben muss ich aber die Story, die zwar nicht besonders originell ist, sich aber durch die Hexen-Kult-Rache-Themen von DER EXORZIST (1973) wegbewegt, um was eigenes zu erzählen, aber sich trotzdem bekannten Zutaten bedient.
Unter den zahlreichen Filmen, die auf dem Erfolg von DER EXORZIST entstanden sind, gehört DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE zu einem der minderwertigsten. Dennoch wird de Ossorios Film, trotz der vielen Unzulänglichkeiten, nie langweilig.
(Bjoern Candidus)