DAS GRAUEN
(THE CHANGELING, Kanada, 1980, Regie: Peter Medak)
Nach einem tragischen Autounfall, bei dem die Frau und die Tochter von John Russell ums Leben kommen, will sich der Musiklehrer in einem abgelegenen Herrenhaus zurückziehen. Doch die anfängliche Ruhe wird schnell beendet. Er hört merkwürdige Geräusche im Haus, und dann hat John eine unheimliche Vision, die ihn zu einem schrecklichen Geheimnis führt.
Für das Baujahr 1980 verhält sich Peter Medaks Regiearbeit sehr klassisch und orientiert sich deutlich an BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963) von Robert Wise, der es mit Bravour verstanden hat, den Schrecken durch Geräusche oder Bewegungen zu erzeugen. Statt einer Harfe erklingt hier ein Klavier und eine Türe öffnet sich statt sich zu schließen. Auch das Hämmern aus Wise Film wird hier quasi kopiert, aber auch aufgelöst.
Die Auflösung von Geheimnissen steht meistens im Vordergrund von Geisterfilmen, und DAS GRAUEN bildet da keine Ausnahme. Und so steht hier der charismatische George C. Scott als Musiklehrer John Russell im Mittelpunkt eines Spukes, der ihn in seinem neuen Haus heimsucht. Die angenehme Ruhe, die Scott ausstrahlt, passt zur schleichenden Art der Inszenierung. Auch Melvyn Douglas, Trish Van Devere, Ruth Springford und John Colicos werten den Film ungemein auf und rettet ihn da, wo er manchmal etwas versagt. Obwohl DAS GRAUEN insgesamt eine unheimliche Atmosphäre liefert, die vor allem von dem riesigen Herrenhaus ausgeht, ist durchaus ein leichter Mangel an Spannung zu verzeichnen. Es gibt kaum Überraschungen noch Innovationen, und nichts will sich wirklich festbrennen. DAS GRAUEN funktioniert in seiner Gesamtheit, zeichnet sich durch eine sehr starke Fotografie von John Coquillon aus, die von einem passenden Score von Rick Wilkins begleitet wird.
Wer auf klassische, konventionelle Geister-Horrorfilme steht, die sich durch Atmosphäre und schleichenden Schrecken auszeichnen, wird mit DAS GRAUEN gut unterhalten. Das gewisse Etwas hat Medak leider vergessen.
(Bjoern Candidus)
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