DAS SCHLOSS DES GRAUENS
(LA VERGINE DI NORIMBERGA, Italien, 1963, Regie: Antonio Margheriti)
Das Ehepaar Hunter lebt in London, doch Max möchte seiner Frau Mary sein Schloss in Nürnberg zeigen. Schon die erste Nacht bringt bereits Unheil mit. Ein Schrei reißt Mary aus dem Schlaf, und in der Folterkammer des Schlosses entdeckt sie eine „Eiserne Jungfrau“, in der sich ein weibliches Opfer befindet. Doch nach dem Schreck ist die Leiche weg. Als Mary aus der Ohnmacht erwacht und der Doktor das Schloss verlassen hat, berichtet sie Max von einen Mann mit einer Kapuze, den sie gesehen haben will, doch der glaubt nur an eine Einbildung. Sie lässt nicht locker, um das Geheimnis des Schlosses zu lüften.
Antonio Margheriti hat mit DAS SCHLOSS DES GRAUENS seinen ersten Horrorfilm abgeliefert und damit einen weiteren Beitrag im italienischen Gothic-Horror-Kino geliefert, das durch Riccardo Fredas und Mario Bavas DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) aus dem Boden geschossen kam.
Margheritis Horrorfilm-Debüt präsentiert sich in Farbe und wurde von Kameramann Riccardo Pallottini ganz wunderbar fotografiert. In erster Linie konzentriert man sich auf das Innere des Schlosses und auf den zauberhaften Schlosspark, der tagsüber wie nachts wirklich toll eingefangen wurde. Das Innere des Schlosses zeigt sich sehr ausladend. Der Farbstrich der Wände und die gesamte Ausstattung ist bräunlich gehalten und es scheint ein Hauch des Moders durch die Flure zu ziehen. Die Ausstattung ist sehr gelungen und schließt einige Waffen und Folterinstrumente mit ein, die auch eingesetzt werden. Gerade im Bereich der grafischen Gewalt legt Margheriti hier ganz schön vor. Es gibt eine sehr unangenehme Operationsszene unter der Hand von Nazi-Ärzten und eine Szene in der eine Ratte einer Frau Teile des Nase wegfrisst. Margheriti liefert zudem auch spannende Momente mit Wasserfluten und Feuer und baut sogar ein Miniaturmodell eines Berges ein. Die Spezial-Effekte und Modelle wurden nicht selten von ihm selbst gemacht, was ihn von den meisten Regisseuren absetzt.
DAS SCHLOSS DES GRAUENS glänzt durch atmosphärische Bilder, der spannenden Entdeckungsreise von Mary ins Herz der Finsternis, dem unheimlicher Score von Riz Ortolani und durch die Besetzung.
Das bekannteste Gesicht ist hier Christopher Lee, der sich mit Narben zeigt und eine sehr schlechte Laune verbreitet, aber verhältnismäßig wenig Spielzeit bekommt. Sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommt hingen Rossana Podestà als Mary Hunter. Ihr Ehemann, Max Hunter, wird von Georges Rivière verkörpert.
DAS SCHLOSS DES GRAUENS ist ein hochwertiger Gothic-Horrorfilm mit einer sehr morbiden Ausstrahlung. Vielleicht der schönste Film von Antonio Margheriti.
(Bjoern Candidus)
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