SARTANA
(MILLE DOLLARI SUL NERO, Deutschland, Italien, 1966, Regie: Alberto Cardone)
Johnny wird nach 10 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, stellt er fest, dass sein Bruder Sartana diese mit seiner Bande fest im Griff hat. Als selbsternannter General erpresst Sartana die Bewohner der Stadt, beutet sie aus oder bringt sie einfach um. Johnny ist erschüttert über die Entwicklung seines Bruders, die von ihrer alkoholkranken Mutter offensichtlich einfach so hingenommen wird. Dann muss er feststellen, dass sein Bruder auch noch seine einstige Geliebte geheiratet hat, die er aber wie Dreck behandelt. Johnny wird klar, dass er seinen Bruder und seine Bande ausschalten muss, doch die Bewohner der Stadt halten ihn ebenfalls für einen Mörder, denn schließlich wurde er einst als solcher verurteilt.
Alberto Cardone hat mit der deutsch-italienischen Koproduktion SARTANA einen sehr harten Italowestern gezimmert, der im Grunde alle Zutaten besitzt, die das Genres ausmacht. Die Story ist dabei zwar nicht das Aushängeschild, aber dafür alles andere. In den ersten Minuten wird bereits Anthony Steffen als Johnny eingeführt, der einen knallharten Eindruck hinterlässt. Sein eiskalter Gesichtsausdruck ist ihm förmlich ins Gesicht gemeißelt. Auch wenn ich Anthony Steffen grundsätzlich als Revolverheld mag, hat er mir noch nie so gut gefallen wie hier. Und wer dachte, Steffen könnte hier nicht mehr getoppt werden, sollte Gianni Garkos Auftritt als Sartana abwarten. Dem steht dermaßen der Wahnsinn im Gesicht, dass es eine pure Freunde ist, ihn in seiner ersten Western-Rolle zusehen. Als Sartana ist er sadistisch, brutal und zügellos und macht auch nicht davor Halt, seine Frau zu schlagen und zu treten. SARTANA läuft über von Gewalt, und der Body Count ist ausgesprochen hoch. Es sei zwar anzumerken, dass die vielen Schießereien unblutig inszeniert wurden, wie meistens im Italowestern, aber es gibt auch andere Gewaltspitzen, mit denen die Produktion damals schon Probleme hatte, zumindest in Deutschland.
Doch Cardones Inszenierung, die auf einer Story und Drehbuch von Ernesto Gastaldi basiert, ist nicht nur dreckig und brutal, sondern auch visuell ein Augenschmaus. Die Fotografie ist zauberhaft, und wenn man hin und wieder Wolken sieht, die sich vor die Sonne schieben und das Bild fast goldig färben, wird SARTANA fast mystisch. Licht und Schatten verwandeln die Gesichter fast in dämonische Fratzen. Passend untermalt wird der Film von einem Score von Michele Lacerenza.
SARTANA liefert viele Schießereien, Prügeleien, tolle Schauplätze in der Wüste von Almería mit der obligatorischen Westernstadt und dazu zwei ganz große Helden des Italowesterns, die für Spannungen untereinander sorgen.
Mit der späteren Sartana-Filmreihe, in dem Garko ebenfalls auftaucht, hat dieser Film nichts zu tun.
(Bjoern Candidus)
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