THE DRILLER KILLER
(USA, 1979, Regie: Abel Ferrara)
Reno Miller ist ein Maler, der mit seiner Freundin Carol in einem heruntergekommenen New Yorker Apartment lebt und in Geldnöten steckt. Er geht immer mehr vor die Hunde, und seine Rechnungen kann er auch nicht mehr bezahlen. Auch der Kunsthändler Dalton will ihm kein Geld mehr leihen, da er ihn ohnehin für untalentiert hält. Dalton schlägt Reno aber vor, sein aktuelles Gemälde bis Ende der Woche zu vollenden, um ihn damit zu überzeugen. Die folgenden Tage entwickeln sich zu einem Alptraum, in dem Reno immer mehr vom Stress und der Belastung seiner Umwelt geschluckt wird und schließlich mit einer Bohrmaschine Amok läuft.
Nach seinem Debütfilm, dem Porno 9 LIVES OF A WET PUSSY (1976), taucht Abel Ferrara in die Abgründe der menschlichen Seele ab und schickt sich selbst als Reno, THE DRILLER KILLER, ins Rennen der Filme, die ein New York City im Dreck präsentieren.
Hier ist nichts schön, hier herrscht ein Alptraum geschaffen von Menschenhand, und selten wurde New York City so abstoßend und widerlich inszeniert wie hier. Wer sich in Filmen wie MANIAC (1980) oder COMBAT SHOCK (1984) „wohl fühlt“, wird sich bei THE DRILLER KILLER nicht beschweren können. Der Film stinkt aus jeder Pore und nimmt einen mit in die finstersten und schmutzigsten Ecken von New York City, wo Obdachlose und Drogensüchtige ihre letzten Tage in der Ecke verbringen. Mitten in dem Ghetto aus Elend, Gewalt und nervendem Lärm lebt Reno, der höchst authentisch von Ferrara verkörpert wird. Wahnsinn, wie kaputt er spielen kann. Seine Freundin Carol, ihre lesbische Geliebte, die ihren Verstand an Drogen verloren hat und sein kompletter Freundeskreis sind nicht weniger durch als Reno selbst, nur fangen die nicht an, Bohrmaschinen als Mordwaffe einzusetzen. Wenn in Reno der Schalter ungelegt wird, wenn er dem Ballast des täglichen Wahnsinns nicht mehr standhalten kann, setzt er Dennis Donnellys ein Jahr vorher veröffentlichten THE TOOLBOX MURDERS (1978) fort. Reno läuft mit einer Bohrmaschine durch die nächtlichen Straßen von New York City und bohrt Obdachlosen in die Herzen, Rücken und Köpfe, bevor er gezielter vorgeht und persönliche Rache an seinem Umfeld nimmt. All das passiert in höchst realistischen Bildern, die nur manchmal von surrealen Momenten überschattet werden, wenn Reno zu halluzinieren beginnt. Die Tötungen mittels Bohrmaschine sind richtig hart, blutig und spitzen sich bis zum Ende hin zu. Ferrara gibt schon einen guten Vorgeschmack auf Filme, die kurze Zeit später die weltweiten Kinoleinwände erobern und Menschen gleichauf abstoßen und anziehen sollten. Eine weitere Stärke der Inszenierung sind die unbekannten Darsteller und der experimentelle Score von Joe Delia, der perfekt zu den lebensfeindlichen Bildern passt.
Man kann Ferrara sicherlich vorwerfen, dass er dem Zuschauer keine tiefgründige Story anbietet, Renos kompletten Kontrollverlust fast als normale Reaktion auf die Probleme, die sich ihm bieten, darstellt, aber man sollte THE DRILLER KILLER am besten einfach so nehmen, wie er ist: ein rohes, ungeschliffenes, nihilistisches Monster von Film. Gleichzeitig ist es der Auftakt eines Ausnahmeregisseurs, der es wie kaum ein anderer versteht, die kaputten Seelen von New York City aufeinander treffen zu lassen.
(Bjoern Candidus)