BATMAN
(GB, USA, 1989, Regie: Tim Burton)
Gotham City versinkt in Korruption und Gewalt. Jack Napier, ein Schurke aus Gothams Unterwelt, strebt die Machtübernahme an, doch der hat die Rechnung ohne Batman gemacht, einem geheimnisvollen Helden, des seit neustem die Stadt vor Verbrechern schützt. Es kommt zu einem Kampf zwischen Batman und Napier, bei dem der Schurke in ein Säurebecken fällt. Doch Napier ist mitnichten tot und als Joker plant er seine Rückkehr mit vernichtenden Plänen für die Bewohner der Stadt.
Während 1989 auf SAT.1 erstmalig die schier unglaubliche Batman-Serie aus den 60er-Jahren lief, füllten sich die Kinokassen durch den ersten Batman-Kinofilm nach BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM (1966). Dass der damals noch sehr frische Tim Burton auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte, war eine äußerst clevere Entscheidung von Warner Bros., um dem Dunklen Ritter endlich einen würdigen Auftritt auf der großen Leinwand zu spendieren.
Tim Burton hat hier den Dunklen Ritter in ein tiefschwarzes Gotham City verfrachtet, in dem Korruption, Gewalt und Wahnsinn herrscht. Jeder Zentimeter ist auf den nächsten abgestimmt, um ein stimmiges Gesamtbild einer Stadt zu errichten, die, wie die Figuren, die in ihr leben, über die Jahrzehnte immer neu interpretiert wird. Mal glaubt man sich am Set eines expressionistischen Stummfilms zu befinden, mal ist es das Gothic-Horrorkino, was sich aufdrängt, aber am meisten ist es die bizarre Phantasiewelt, die Tim Burton und sein Team kreiert hat, was frischen Wind ins Batman-Universum bringt. Matte Paintings und aufwendige Bauten in den britischen Pinewood Studios liefern ein Set-Design zum niederknien, was sich damals wie heute großer Beliebtheit erfreut.
Aber es ist nicht nur das Visuelle, was beeindruckt, sondern es sind die Figuren und wie sie Burton hier interpretiert. Michael Keaton ist ein sehr smarter, zielsicherer Gentleman-Bruce Wayne / Batman, weit entfernt vom Bale-Pinkel-Batman und dem Pattinson-Depriflattermann, die ich auch beide super finde. Alfred Pennyworth wird von Michael Gough verkörpert, dem die Rolle wie auf den Leib gebügelt steht, Pat Hingle hat den Part des Commissioner James Gordon bekommen. Für den Liebes-Sektor hat man auf Kim Basinger als Reporterin Vicki Vale zurückgegriffen. Doch über all denen thront natürlich der wunderbare Jack Nicholson als Joker. Nicholson legt hier mal wieder die pure Freude am Schauspiel an den Tag und dreht als Jack Napier alias der Joker mächtig am Rad. Sein bizarres Erscheinungsbild, sein zynischer Humor und sein garstiges Verhalten ist eine äußerst wirkungsvolle Weiterentwicklung von Cesar Romero, der den Joker von 1966-1968 in der BATMAN-Serie verkörperte und dem Urquell Gwynplaine aus Paul Lenis Stummfilm DER MANN, DER LACHT (1928). Am Rand tauchen noch Jack Palance als Carl Grissom und Billy Dee Williams als Harvey Dent auf, denen leider nicht allzu viel Zeit eingeräumt wurde.
Weiß man im heutigen Blockbuster-Kino oft gar nicht, wo man als erstes hingucken soll, wird man hier noch auf sehr angenehme Art und Weise von Action, Spannung und Ideen erschlagen, auf die man sich konzentrieren kann, wie zum Beispiel auf das Design der Vehikel, mit denen sich Batman fortbewegt. Der Film steckt voller Liebe für seine Figuren und für die Welt in der sie Leben. Und hören kann man die Liebe auch, denn der Score von Danny Elfman ist zauberhaft.
Mit BATMAN hat Burton dem Dunklen Ritter einen ganz neuen Spielort erobert – dem Kino, wo er bis heute in unregelmäßigen Abständen vorbeiflattert und immer wieder neue Akzente setzt.
(Bjoern Candidus)