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The Golden Glove, 2019 – ★★★★½

DER GOLDENE HANDSCHUH (Deutschland, Frankreich, 2019, Regie: Fatih Akin)

Fritz Honka lebt in einer kleinen Wohnung in Hamburg-St. Pauli. Er ist nicht nur gezeichnet durch sein missgestaltetes Gesicht, sondern auch von der Alkoholsucht, die ihn fast täglich in die Kneipe „Der goldene Handschuh“ lockt. Von dort aus nimmt er sich immer wieder besoffene Frauen mit nach Hause, die er anschließend vergewaltigt und im schlimmsten Fall ermordet. 

Selten hat mich ein deutscher Film aus dem 21. Jahrhundert derart überzeugen können wie DER GOLDENE HANDSCHUH. Genau genommen ist es eine deutsch-französische Produktion. Fatih Akin hat hier auf überaus erstaunliche Art Heinz Strunks Roman über den Hamburger Frauenmörder Fritz Honka verfilmt und dabei nichts ausgespart, um den Zuschauer zu schonen. Akin lässt den Honka von der Leine, und der handelt so kompromisslos, dass ich es kaum glauben konnte. Genau, wie es Strunk verstanden hat, den Gestank in Honks Wohnung so zu beschreiben, dass man ihn beim lesen fast riechen kann, schafft es Akin durch die Bilder. Honkas Wohnung ist die Vorhölle, bewacht von einem geistesschwachen, versoffenen Psychopathen, der die komplette Kontrolle über sich und sein Leben verloren hat. Leichengeruch übertüncht mit dem Geruch von zahlreichen Duftbäumen liegt in der Luft, was Fritz offensichtlich nichts ausmacht, und den Frauen erzählt er einfach, dass es der Geruch vom Essen der Griechen sei, die eine Etage tiefer wohnen. 

Die Rekonstruktion der Wohnung ist ebenso gelungen wie die der legendären Kneipe „Der goldene Handschuh“. Aber nicht nur die 70er-Jahre Ausstattung weiß zu überzeugen, sondern auch die kaputten, versoffenen Charaktere, die die Kneipe beseelen und mit ihren ekelhaften Fratzen im Sekundentakt Sprüche herauskotzen. Die Besetzung ist wirklich vorzüglich, allen voran natürlich Jonas Dassler als Fritz Honka, der eine ganz phantastische Leistung abgibt. Das Make-up ist zwar teilweise etwas zu gut gemeint, aber insgesamt ist das Erscheinungsbild ziemlich eindrücklich und ergänzt Dasslers starke Performance. Wer hier auch immer im Bilder ist, er ist perfekt gecastet und scheint mit Leichtigkeit in seine Rolle gefallen zu sein. Vor allem die vom Alkohol gezeichneten Frauen, die Honka zum Opfer fallen, sind absolut authentisch. Hat man sich gerade noch an deren versifftes Erscheinungsbild gewöhnt, holt Akin aus und schlägt einem mit voller grafischer Wucht Honkas Brutalitäten entgegen, die mir schon beim lesen fast auf den Magen geschlagen sind. Minutiös werden Honkas sexuellen und gewalttätigen Übergriffe gezeigt, die in qualvollen Morden enden. So einen Stoff erlebt man im deutschsprachigen Kino nicht alle Tage.

DER GOLDENE HANDSCHUH ist ein Schlag in die Magengrube, der trotz seiner vielen widerwärtigen Momente auch so bizarr ist, dass man das Lachen nicht verlieren muss, auch wenn es einem manchmal im Halse stecken bleibt. Die Tiefe der Vorlage hat Akin allerdings nicht ganz getroffen. 

(Bjoern Candidus)

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