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My Dear Killer, 1972 – ★★★★

MY DEAR KILLER
(MIO CARO ASSASSINO, Italien, Spanien, 1972, Regie: Tonino Valerii)

Inspektor Peretti ermittelt in einem ominösen Mordfall, in dem ein Mann enthauptet wurde. Er tappt im Dunkeln, bis weitere Morde geschehen, die im Zusammenhang mit einer zurückliegenden Kindesentführung stehen. Plötzlich bekommt es Peretti mit einer ganzen Auswahl von Tatverdächtigen zu tun.

Wenn ein Giallo mit der Enthauptung eines Mannes mittels Baggerschaufel eröffnet wird, scheint das Feingefühl erst mal abgeschaltet zu sein. Getoppt wird die Garstigkeit später mit einem äußerst blutigen Mord, bei dem eine Handkreissäge zu Einsatz kommt. Trotz dieser Grobschlächtigkeit, verlässt sich Regisseur Tonino Valerii (MEIN NAME IST NOBODY, 1973) nicht auf explizite Gewalt-Szenen, sondern setzt auf die Figuren, eine spannende Ermittlungsarbeit und Atmosphäre. 

Der wunderbare George Hilton schlüpft hier in die Rolle des Inspektor Luca Peretti, der sich um eine Mordserie kümmern muss, was er mit fleißiger Ermittlungsarbeit tut. Hilton macht dabei eine hervorragende Figur, der man gerne folgt. Hier ist es eben kein Zeuge oder ein Außenstehender, der einen Fall lösen muss, sondern direkt die Polizei. Neben seinem Herzblatt Paola, die von Patty Shepard verkörpert wird, tauchen hier einige verdächtige Herrschaften auf, die dem Italofilm-Fan bekannt sein dürften, wie z.B. William Berger und Piero Lulli. Viele Figuren durchziehen die Geschichte, die teilweise in Rückblicken erzählt wird, was die Inszenierung zusätzlich belebt. Immer wieder setzt Valerii geschickte Spannungs-Sequenzen ein, in denen er den Killer aus seiner Ego-Perspektive zeigt oder lediglich seine schwarzen Lederhandschuhe zur Schau stellt. Die Identität des Killers bleibt bis zum gelungenen Finale geheim. 

MY DEAR KILLER ist reich an schönen Schauplätzen, drinnen wie draußen. Besonders die Tageslichtaufnahmen im Umland von Rom wurden phantastisch von Kameramann Manuel Rojas fotografiert. Insgesamt ist die Inszenierung sehr edel geraten, und es ist erneut Ennio Morricone, der dem Ganzen den letzten Schliff verpasst und verträumte wie höchst spannende Klänge abgeliefert hat. 

MY DEAR KILLER ist ein packender, visuell sehr reizender Giallo mit Poliziottesco-Tendenz, der eine recht komplexe Geschichte mit starken Darstellern bietet. Ein paar Längen sind dennoch nicht zu übersehen. Wer Gialli wie DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970) und THE CHILD (1972) mag, sollte hier einen Blick riskieren. 

(Bjoern Candidus)

←White Dog, 1982 – ★★★★½
The Ghost and the Darkness, 1996 – ★★★→

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