KING OF NEW YORK
(Italien, USA, 1990, Regie: Abel Ferrara)
Frank White wird aus dem Gefängnis entlassen, und er hat nur ein Ziel: der „King of New York“ zu werden. Um über die Drogen- und Sexgeschäfte zu herrschen, schaltet er erst mal die Konkurrenz aus und holt ihre Leute ins Boot. Aber White will noch mehr. White will in die Politik, was dem New Yorker Cop Dennis Gilley ein Dorn im Auge ist. Er hat nur ein Ziel: Frank White auszuschalten.
Wenn es einer versteht, das von Sex, Drogen und Gewalt durchzogene New York City der 80er- und 90er-Jahre zu zeichnen, dann ist es Abel Ferrara. Dass er zudem ein Händchen für kaputte Seelen hat, versteht sich von selbst. Und so ist auch KING OF NEW YORK ein Pool voller brutaler, kompromissloser Machtfiguren, bei dem einer ganz besonders hervorsticht: Christopher Walken als Titelfigur. Man kann nicht oft genug erwähnen, dass Walken ein Schauspielergigant ist, und hier beweist er es mal wieder in jeder Sekunde, in der er sich als Frank White präsentiert. Seine Mimik, sein Gang, sein Handeln ist ein absoluter Hochgenus, und nichts scheint ihm leichter von der Hand zu gehen, als ein brutales Arschloch zu spielen, was nur seine Meinung zählen lässt. Frank White ist ein Macher, der ganz nach oben will, und wenn du nicht mitmachst, stirbst du.
Wenn ein Film nur Walken zu bieten hat, ist das schon ausreichend, aber hier wird man mit einer ganzen Riege von Schauspielern belohnt, die allesamt in ihren Rollen aufgehen, die ihnen Ferrara und sein Drehbuchautor Nicholas St. John zugeteilt haben. David Caruso glänzt als Cop Dennis Gilley, der es leid ist, dass sich Verbrecher hinter Gesetzen verstecken können und so mit seinem Partner (Wesley Snips) diese durchbricht, um White auszuschalten. Und während an Whites Seite noch Laurence Fishburne als Jimmy Jump durchdrehen darf, ist es Victor Argo als Cop Roy Bishop, der als einziger Hoffnungsträger der Moral im Boot sitzt. Nebenbei darf noch Steve Buscemi Kokain auf Reinheit prüfen, und Giancarlo Esposito ist auch am Start. Wo man auch hinblickt, in der nächsten Ecke steht der nächste Übeltäter, der in einem Geflecht aus Machtgier und Korruption eine Rolle spielt.
Aber es sind nicht nur die Figuren, die Ferrara hier im Fokus hat, sondern auch die Kraft der Bilder. KING OF NEW YORK ist ganz zauberhaft fotografiert, und bereits zu Beginn, wenn Frank White aus dem Gefängnis entlassen und von einer Limousine abgeholt wird, ist es das Nachtblau, was von gelborangen Lichtern durchzogen wird, was eine fast überirdische Atmosphäre aufbaut. Die ganze Inszenierung ist in hoch ästhetischen Bildern gehalten, deren Anmut immer wieder von grober Gewalt durchzogen wird. Manchmal explodiert in KING OF NEW YORK die Gewalt. Es kommt zu blutigen Schießereien und Autoverfolgungsjagden, aber Ferrara rudert immer wieder schnell zurück, um seinen Figuren die volle Aufmerksamkeit zu schenken und so einen nahezu perfekten Takt einzuhalten.
KING OF NEW YORK ist ein bildgewaltiger, packender Gangster-Thriller mit einem hervorstechenden Christopher Walken, der hier alles zum kochen bringt.
(Bjoern Candidus)