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Hellraiser, 2022 – ★★★★

HELLRAISER – DAS SCHLOSS ZUR HÖLLE
(HELLRAISER, USA, 2022, Regie: David Bruckner)

Die Drogensüchtige Riley bricht mit ihrem Freund Trevor in einer Einlagerungshalle ein. Dort knackt Trevor einen Safe auf, in dem sich eine mysteriöse Puzzlebox befindet. Als es zum Streit zwischen Riley und ihrem Bruder Matt kommt, verlässt sie wutentbrannt die WG, schmeißt sich Pillen rein und untersucht den Würfel mit ungeahnten Folgen… 

Über die Schlechtigkeit des Großteils der HELLRAISER-Fortsetzungen habe ich mich nun genug ausgelassen. Im Grunde waren die Flammen nach Teil 2 erloschen, danach rutschte man ins Mittelmaß bis runter zum Bodensatz. Und so kommt mit HELLRAISER von David Bruckner (THE HOUSE AT NIGHT, 2020) endlich wieder Licht ins Franchise. Unter den Autoren finden wir David Goyer (u.a. Autor von THE CROW, 1996 / DARK CITY, 1998), der die Story schrieb und die beiden Drehbuchautoren Ben Collins und Luke Piotrowski. Clive Barkers Novell THE HELLBOUND HEART und seine Adaption HELLRAISER (1987) wurde hier auf interessante Art neu konzipiert, ohne den Geist der Vorlage zu verschandeln oder zu entmystifizieren. Auf diese Art ist es gelungen, etwas Neues und gleichzeitig Vertrautes zu schaffen.
 
Natürlich spielt der Film mit kleinen Verweisen und Zitaten, ebenso gibt es die Puzzlebox, Ketten mit Haken und andere Relikte, die dem Fan bekannt sind. Auch die Cenobiten dürfen natürlich nicht fehlen. Gerade in diesem Punkt trifft man ja den Nerv der Fans am allermeisten. Man hört den Fan auftreten und meckern: „Jetzt wird Pinhead auch noch von einer Frau dargestellt!“, dabei müsste der wahre Fan doch wissen, dass der Story-Pinhead soweit androgyn war, dass von einem festgelegten Geschlecht überhaupt nicht die Rede war.  

An dieser Stelle zitiere ich mal aus Barkers Vorlage: Diese Stimme klang, im Gegensatz zu der des Gefährten, hell und schnaufend – Die Stimme eines aufgeregten Mädchens. Jeder Zentimeter des Kopfes war von der komplexen Tätowierung eines Gitters bedeckt, der Schädelknochen an jeder Kreuzung horizontaler und vertikaler Linien von einer edelsteinbesetzten Nadel durchbohrt. Die Zunge, wies einen ähnlichen Schmuck auf. „Weißt du überhaupt, wer wir sind?“, fragte das Wesen.

Und weiter heißt es: Keine Frauen, keine Seufzer. Nur diese geschlechtslosen Wesen mit ihrem entstellten Fleisch.

Kennt man sich also in der Welt von Barker etwas aus, weiß man um die Diversitäten. Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass wir hier sogar zwei homosexuell Charaktere haben., die freundlicherweise ganz „normal“ gezeichnet wurden.

HELLRAISER – DAS SCHLOSS ZUR HÖLLE beginnt mit einer stylischen Pre-Titel-Sequenz, die direkt Spannung birgt und ein sehr schönes Set-Design präsentiert. Der Billiglook, in dem sich das Franchise immer wieder meldete, ist zur Hölle geschickt worden. Aber nicht nur die Sets stimmen, sondern auch das Sound-Design fällt positiv auf. Und so werden die Cenobiten sowohl von einer prickelnden Soundkulisse als auch von einem starken Score von Ben Lovett begleitet, der auch immer wieder Christopher Young zitiert. 

Die Zeiten der mit schwarzem Leder bekleideten Cenobiten ist vorbei. Ihr Aussehen wurde komplett neu konzipiert, hält dennoch bekannte Elemente wie die Nägel (hier eher lange Nadeln) im Kopf aufrecht. Pinhead zeigt sich jetzt beinahe nackt und ist verziert durch die Wunden, die man ins Fleisch geschnitten hat. Die abgeschälte Haut, die Durchbohrungen und künstlerisch angelegten Wunden sehen wirklich außergewöhnlich aus. Jamie Clayton macht als Pinhead wirklich was her. Gleiches gilt auch für ihre entstellten Kollegen bzw. Kolleginnen. Diese machen sich vor allem ab der zweiten Hälfte deutlich bemerkbar und bekommen insgesamt mehr Spielzeit als in den meisten der Vorgängerfilmen, aber man hat es ja hier auch mit einem 2-Stunden-Film zu tun. 

Die Härte, die HELLRAISER (1987) und HELLBOUND – HELLRAISER 2 (1988) zu bieten hat, wird hier zwar nicht erreicht, aber handzahm ist Bruckners Inszenierung wirklich nicht. Nadeln werden in Körper getrieben, Körper werden zerrissen, Körper werden von sonderbaren Maschinen gefoltert oder Drähte schlingen sich um Körper, um sie langsam zu häuten. Es kommt zwar durchaus auch zum Einsatz von CGI-Effekten, aber die sind wenig aufdringlich. 

Auch im darstellerischen Bereich hat das Franchise oft stark gelitten, was es hier nicht tun muss. Die Figuren sind zwar ziemlich unsympathisch, aber das kennt man aus der Reihe nicht anders. Odessa A’zion, Adam Faison, Drew Starkey, Brandon Flynn usw. spielen trotzdem solide und man hat ihren Charakteren zumindest eine gewisse Tiefe eingeräumt, um nicht komplett austauschbar zu wirken. Interessant ist Goran Visnjics Charakter des Roland Voight, der in seinem Anwesen die Geheimnisse der Puzzlebox lüften will, sehr zu seinem Leidwesen.

Im Gros der Horror-Remakes, Sequels, Prequels oder Neuinterpretationen ist HELLRAISER – DAS SCHLOSS ZUR HÖLLE wirklich ein Lichtblick, der zwar nicht die Intensität von HELLRAISER und HELLBOUND – HELLRAISER II besitzt, aber durch seine eigene überzeugt. 

(Bjoern Candidus)

←Hellraiser: Judgment, 2018 – ★★½
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