ASPHALT-KANNIBALEN
(APOCALYPSE DOMANI, Italien, Spanien, 1980, Regie: Antonio Margheriti)
Als hätte der Vietnamkrieg nicht genug Spuren hinterlassen, werden zwei Veteranen von einem ganz speziellen Trauma eingeholt. Charlie und Tom sind nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg in die Psychiatrie gekommen und scheinen auf einem guten Weg zu sein. Doch der Schein täuscht, denn das kannibalistische Verhalten, was sie in Gefangenschaft an den Tag legten, basiert nicht auf einem Trauma, sondern auf einem Virus, der eine US-Stadt auf den Kopf stellt.
Ich war noch nicht ganz auf der Welt oder gerade eben (geb. 1981) als Filme mit so klangvollen (deutschen) Titeln wie NACKT UND ZERFLEISCHT (1980), LEBENDIG GEFRESSEN (1980), EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) oder HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) in die Kinos kamen. Filme, die ich erst gut 20 Jahre später das erste Mal erblicken durfte und mir heute vertrauter sind als der Großteil der Produktionen der letzten 20 Jahre.
ASPHALT-KANNIBALEN ist auch so ein Film, der sich nahtlos in diese Liste von Filmen einreihen lässt. Doch das Besondere: Regisseur Antonio Margheriti kombiniert geschickt sämtliche angesagte Themen und schafft so einen facettenreichen Mix. Das soll nicht heißen, dass Margheriti mit Innovationen kleckert; viel Neues gibt es nicht zu bewundern, aber dafür Vertrautes in versierter Form. Und ein Vietnam-Kriegstrauma kombiniert mit einem Kannibalismus-Virus, der Infizierte in Irre mit ordentlich Appetit verwandelt, darf als Idee durchaus gelobt werden, besonders 1980. Menschen-fressen-Menschen-Szenen, blutige Schießereien, Menschen, die in Brand gesteckt werden… in Sachen Gewalt fährt Margheriti einiges auf, um sich dem Zeitgeist zu beugen. Der Film ist von Fernando Arribas fotografiert, der gute Arbeit geleistet hat, dazu werden die Bilder von einem funky Score von Alexander Blonksteiner veredelt, was besonders gut in den Action-Szenen kommt, von denen es einige gibt. Wenn sich der Film wieder eher dem Horror widmet, passt sich Blonksteiner entsprechend an. Doch all das wäre nur halb so gut, gäbe es nicht auch eine passende Besetzung. Und da kommen John Saxon (TENEBRE, 1982) als Norman Hopper, Elizabeth Turner (DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN, 1977) als Jane Hopper und Giovanni Lombardo Radice (DER SCHLITZER, 1980) als Charles ‚Charlie‘ Bukowski gerade recht.
Düster, blutig, actionreich, humorbefreit, stark besetzt – Antonio Margheriti serviert mit ASPHALT-KANNIBALEN einen Kessel Buntes, der mir erneut gemundet hat.
(Bjoern Candidus)
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