DIE RACHE DES HAUSES USHER
(NEVROSE, Frankreich, Spanien, 1983/88) von Jess Franco)
Auf Wunsch von Dr. Eric Usher macht sich Alan Harker auf, um der Einladung nachzukommen. Auf dem Schloss angekommen stellt er schnell fest, dass Eric scheinbar seinen Verstand an der nächsten Burgmauer vergessen hat. Gemeinsam mit Dr. Seward versucht Alan das Geheimnis seines Zustandes zu lösen.
Ein Film wie auf Psychopharmaka. Alles und jeder (außer Vernon) ist verlangsamt oder gedämpft, was allerdings die bedrückende Atmosphäre unterstreicht. Wenn es Franco darum ging, Wahnsinn zu präsentieren, dann ist ihm das gelungen, nur halt auf Francos Art. Was bei der Produktion wichtig ist zu sagen: dieser Film ist quasi die dritte Version seines (scheinbar verschollenen) Films EL HUNDIMIETO DE LA CASA USHER (1983), der nach seiner Uraufführung verschwand und kurz danach in seiner neuen Version als LOS CRIMENS DE USHER veröffentlich wurde. Bei der vorliegenden Fassung wurde zusätzlich neues Material gedreht und auch Material aus Francos Früh-Werk DER SCHRECKLICHE DOKTOR ORLOFF (1962) verwendet. Deutlich sichtbar, da diese Szenen in schwarzweiß gedreht wurden, verkauft man einem hier dann Howard Vernon als Eric Usher statt Dr. Orloff. Um das Ganze komplizierter zu gestalten, hat auch noch jeder Film eine andere Handlung. Genial! Fast. Die Nähe zu Edgar Allan Poes Vorlage THE FALL OF THE HOUSE OF USHER (1839) ist wohl vor allem in der Urfassung zu finden, denn in den beiden späteren Fassungen arbeitet man lediglich mit Elementen der Geschichte. Dafür bekommt man einen Reigen von kruden Ideen und Figuren, wie schon besagter Howard Vernon, der als Eric Usher wieder so richtig loslegen darf. Ebenfalls in der Burg der Ushers anzutreffen: Antonio Mayans, als Alan Harker, Lina Romay als Maria, Daniel White als Dr. Seward und Olivier Mathot als Morpho. Ein weiterer Star: die Burg Santa Catalina in Andalusien, Spanien. Sie ist eine gute Wahl; ich mag mediterrane Burgen. Auch wenn es hier keine untoten Templer auf Pferden gibt, könnte man meinen, sie zu hören. Franco gelingt es nicht nur eine Stimmung des Irrsinns, sondern auch eine unheimliche Atmosphäre heraufzubeschwören, die in dem Gemäuer perfekt beheimatet ist. Die Fotografie kann sich sehen lassen, Francos Handschrift ist natürlich deutlich zu erkennen, und das ist auch gut so.
DIE RACHE DES HAUSES USHER ist ein weiterer wirrer, aber visuell reizender Film mit skurrilen Figuren und einer gespenstischen Aura.
Für Franco-Fan ein Tipp, für die anderen halt nicht.
(Bjoern Candidus)