STAR KNIGHT – DER HERR DER STERNE
(EL CABALLERO DEL DRAGÓN, Spanien, 1985, Regie: Fernando Colomo)
Irgendwann, irgendwo im Mittelalter…
Der Alchemist Boetius ist wie viele andere auf der suche nach dem ewigen Leben. Endlich kommt er der Sache ein Stück näher, denn Besuch von den Sternen steht auf der Matte. Dieser Besuch kommt mit einem Raumschiff, was von den einfachen Menschen für einen Drachen gehalten wird. Als die Königstochter plötzlich verschwindet, formiert der König seine Mannen (eigentlich nur einen), um den Drachen in die Flucht zu schlagen. Währenddessen lernt Prinzessin Alba den Besucher von den Sternen kennen.
Regisseur Fernando Colomo hat hier ein schräges Fantasy-Scifi-Märchen (inklusive Liebesgeschichte) gezimmert, was einen ganz eigenen Geschmack mit sich bringt. Vor allen die Darsteller machen Spaß. Klaus Kinski als Hof-Esoteriker und Alchemist Boetius wirkt geradezu tiefenentspannt. Er schlägt nicht, er schreit nicht, er lacht sogar mal. Harvey Keitel als trotteliger Möchtergern-Ritter ist lustig, gleiches gilt für Fernando Rey als Priester. Maria Lamor als Prinzessin Alba bleibt dagegen etwas blass. Michel Bosé schmückt sich hingegen mit einer geheimnisvollen Aura, ohne groß etwas zu tun. Er sieht als Außerirdischer aus wie eine Mischung aus Sting, David Bowie und Rudger Hauer. Sein schwarzer Raumanzug, der eine Art organische Struktur aufweist und sowohl an die Borg wie auch an die Fremenanzüge aus DUNE (1984) erinnert, macht einiges her und passt sehr gut zu dem außergewöhnlichen Raumschiff-Design. Äußerlich hat das Schiff eine interessante spacige Form, auch wenn es durch die dunklen Aufnahmen an Details mangelt. Das Innere ist geradezu surreal und erinnert eher an eine sonderbare Tropfsteinhöhle als an ein Raumschiff. Aber auch außerhalb des Raumschiffs bekommt das Auge was zu sehen, denn die Aufnahmen der Burg (Castillo de Requesens, Spanien) und die nebelverhängte felsige Landschaft unterstreichen die mystische Atmosphäre. Angenehm ist auch, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt, das hätte ihm möglicherweise sogar geschadet. Der Humor bezieht sich hier vor allem auf die Dialoge von Harvey Keitel und Fernando Ray, der in der abstrusen Story gut aufgehoben ist.
Eine Prise DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL (1976), ein bisschen HIGH CRUSADE (1994) und die Magie des losgelösten Fantasy- und Sciencefiction-Kinos der 80er-Jahre sind Bestandteil von STAR KNIGHT – DER HERR DER STERNE. Ein bizarrer, unterhaltsamer Trip mit guten Darstellern, einer schicken Ausstattung und einer Gaga-Geschichte. Faszinierend!
(Bjoern Candidus)