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Ferat Vampire, 1982 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DER AUTOVAMPIR (UPÍR Z FERATU, Tschechoslowakei, 1982) von Juraj Herz

Der Unfallarzt Dr. Marek wird im Dienst mit einem mysteriösen Sportwagen (in Wirklichkeit ein Skoda -?Š 724 Super Sport aus dem Jahre 1971) konfrontiert, der über einen Mechanismus im Gaspedal Blut von der Ferse des Fahrers absaugt, um damit den Motor zu nähren. Er schlägt sich durch bis zu der Firma, die den Ferat in Serie produzieren will, um damit die Welt zu erobern.

Die Welt der Vampirfilme ist umfangreich, stets geöffnet für Experimente, Querschläger und immer bereit auch mal mit der Norm zu brechen. In Juraj Herz Adaption von Josef Nesvadbas Kurzgeschichte VAMPIR LTD bewegt man sich in ganz sonderliche Gefilde, die einen entweder sofort abstoßen oder einen neugierig machen. Letzteres traf auf mich zu. Herz errichtet von Anfang an eine mysteriöse Stimmung, die einen immer mehr in ihren Bann zieht. Krimiartig baut er die Geschichte auf und entfesselt so eine angenehme Spannung. Mit Dr. Marek (Jirí Menzel) geht man gerne auf Spurensuche, und hin und wieder fühlte ich mich etwas an David Hemmings in PROFONDO ROSSO (1975) erinnert. Auch die anderen Charaktere, die hier aufmarschieren, sind interessant und untermauern die mysteriöse Geschichte, die zwischen skurrilen Ideen auch ein paar blutige Momente mit sich bringt, die an das Kino von David Cronenberg oder an die surrealen Welten eines H. R. Gigers (Mensch-Maschinen-Verbindung) erinnern. Herz lässt auch eine Satire durchblicken. Sowohl politische (Eiserner Vorhang des Kommunismus in der Tschechoslowakei) als auch industrielle (Autoindustrie) Themen werden geöffnet und lösen den Film aus gängigen Konzepten und machen ihn einzigartig. Abgerundet wird das vielschichtige Werk von einem düsteren Score von Petr Hapka.

DER AUTOVAMPIR ist ein glanzvolles Beispiel für einen Horrorfilm (mit Scifi-Elementen), der mehr erzählt als die konventionelle Masse. Ein Film, der für sich steht.
—-

Zum Schluss noch ein paar Worte zu
Josef Nesvadbas VAMPIR LTD

In Josef Nesvadbas Kurzgeschichte VAMPIR LTD läuft die Handlung etwas anders ab, auch wenn Herz einige Themen wieder aufgreift oder variiert.

Ein Politiker ist zu Besuch in England, um dort an einem Kongress in Bolster teilzunehmen. Als er sich betrinkt und am anderen Tag den Termin mit seinem Freund verschläft, muss er einen anderen Weg finden, sein Ziel zu erreichen. An einer Tankstelle hält ein Mann mit einem alter Rennwagen. Der Fahrer nimmt den Politiker mit. Irgendwann hält der Fahrer und bietet seinen Wagen an, damit der Politiker alleine nach Bolster fahren kann. Der Fahrer würde sich das Auto am anderen Tag abholen, da er in Bolster selbst Erledigungen zu machen hat. Er geht auf den Vorschlag ein. Der Politiker nimmt ein 16jähriges Mädchen mit. Sie beschließen an einer Raststätte Halt zu machen. Dort stoßen sie auf eine Dame, die sich auf ein Wettrennen einlassen
möchte, was sie allerdings haushoch verliert. Nachdem glorreichen Sieg stellt der Politiker fest, dass er eine blutige Ferse hat. Er untersucht den Motor, der ihm sonderbar vorkommt. Er stellt fest, dass das Gaspedal dazu dient, Menschenblut abzuzapfen, um damit den Motor zu speisen. Unter dem Lenkrad ist der Namen des Herstellers auf einem Schild angebracht: James Stuart, Old Georgetown 26. Sie lassen das Auto stehen und gehen zu Fuß weiter, um ins nächste Dorf zu gelangen. Irgendwann streiten sich die beiden, und sie fährt bei einem anderen Anhalter mit. Der Politiker kommt in einen Ort namens Old Georgetown, jener Ort, der auf dem Herstellerschild im Auto zu lesen war. Er sucht die Hausnummer 26, die zu einem großen Anwesen führt. Er betritt den Empfangsbereich, in dem eine Frau auf ihn zukommt. Sie erklärt ihm, dass der Besitzer, James Stuart, 1932 mit seinem Auto spurlos verschwand. Der Politiker sagt ihr, dass er weiß, wo das Auto steht und er es nicht haben will. Er gibt ihr die Schlüssel und ruft seinen Freund in Bolster an, der ihm einen Fahrer schickt. Draußen trifft er die andere Frau wieder, die das Rennen verloren hat. Sie möchte unbedingt sein Auto kaufen. Er verweist auf die andere Frau im Haus. Sie kauft das Auto, und erst dann erzählt er ihr, was mit dem Auto los ist, dass es Menschen aussaugt. Natürlich glaubt die Frau kein Wort und fährt davon. Pünktlich erreicht der Politiker Bolster. Alles ist gut gegangen, aber er bedauert, dass er das Mädchen nicht wiedersehen wird.

Josef Nesvadba wurde am 19. Juni 1926 in Prag geboren und starb am 26. April 2005. Er war ein tschechischer Schriftsteller, Übersetzer und Psychiater.

Die Geschichte ist hier im Suhrkamp Verlag im Rahmen der Buchreihe PHANTASTISCHE BIBLIOTHEK erschienen.

(Bjoern Candidus)

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