IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER
(LÀ DOVE NON BATTE IL SOLE, Italien, Spanien, Hongkong, USA, 1975, Regie: Antonio Margheriti)
Dakota sprengt den Tresor des chinesischen Bankiers Wong auf. Bei der Explosion kommt Wong versehentlich ums Leben. Doch mehr als ein paar lumpige Dollar und vier Fotos gibt der Tresor nicht her. Statt Reichtum wartet nun der Galgen auf ihn. Zur gleichen Zeit wird in China Wang Ho, der Neffe von Wong, darüber informiert das sein Onkel gestorben sei, der in Amerika das Vermögen eines chinesischen Machthabers angelegt hat, um es zu vermehren. Um sein Leben und die Ehre, der Familie zu retten, muss er nach Kalifornien reisen, um vier Damen zu finden, auf deren Hintern die Buchstaben tätowiert sind, die zu dem eigentlichen Schatz führen. Wie die Damen aussehen, verraten ihm die Fotos, die sich in den Händen von Dakota befinden, der im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet.
Was Luigi Vanzi bereits 1968 mit DER SCHRECKEN VON KUNG FU konnte, konnte auch Antonio Margheriti: westliches Kino mit fernöstlichem zu kombinieren, auch wenn das 1975 eben nicht mehr erfrischend neu war, schon gar nicht der Italowestern, der dort im Grunde schon verpufft war. Egal! Man holte sich den chinesischen Produzenten Run Run Shaw ins Haus, um einen Eastern-Spaghetti-Western zu zimmern.
Nach der Tresor-Sprengung, in der der wunderbare Lee van Cleef als Dakota noch nicht weiß, welches Abenteuer auf ihn wartet, macht der Film einen Abstecher nach China, was in einem Western natürlich erst mal ein krasser Kontrast ist. Die karge Wüste wechselt mit einer bergigen, begrünten Naturkulisse umgeben von Wasser, bevor es zum Zusammentreffen zweier Kulturen kommt. Auch wenn Lee van Cleef hier schon etwas ins Rosten geraten ist, macht er als Dakota immer noch eine gute Figur und glänzt mit flotten Sprüchen, zu der Lieh Lo als fideler Wang Ho einen erfrischenden Kontrast darstellt. Eine ziemlich unangenehme Aura bringt hingegen Julian Ugarte (DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA, 1968) als mörderischer Wanderprediger Yancey Hobbitt mit. Unter den Damen befinden sich u.a. Patty Shepard (NACHT DER VAMPIRE, 1971) und Erika Blanc (DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN, 1971). Die hochwertige Ausstattung, die tolle Westernstadt-Kulisse und die schönen Aufnahmen der Natur werten Margheritis Film ungemein auf. Zudem drückt der Italiener ganz schön auf das Gaspedal und serviert viel Action. Obwohl IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER durchaus komödiantische Züge besitzt, ist er auch nicht frei von Folter und Mord. Doch alles bewegt sich im Rahmen, leider auch etwas die Spannung, und wer ausgedehnte Kung Fu – Kämpfe erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht. Carlo Savina liefert einen soliden, aber recht ausdruckslosen Score.
IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER ist ein kleines, eigenwilliges Energiebündel, dem man kleine Schwächen gerne verzeiht. Auch wenn hier niemand Bäume ausreist, mangelt es nicht an Unterhaltung, und die Story ist ebenfalls amüsant.
(Bjoern Candidus)
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