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La Orca, 1976 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

LA ORCA – GEFANGEN, GESCHÄNDET, ERNIEDRIGT
(LA ORCA, Italien, Spanien, 1976, Regie: Eriprando Visconti)

Die 16jährige Alice wird auf dem Schulweg nach Hause von drei Männern in ein Auto gezerrt und entführt. Ihre Entführer bringen sie aufs Land, um sie auf einem Bauernhof zu verstecken. Der Plan, in kurzer Zeit an das geforderte Lösegeld der Eltern zu kommen, scheitert. Stattdessen bahnt sich langsam eine Verliebtheit bei Michele gegenüber der entführten Alice an.

Luchino Visconti – Neffe Eriprando Visconti (ALLEIN GEGEN DAS GESETZ, 1972) liefert hier ein schlüpfriges Entführungs-Drama ab, was auch heute noch sehr gut funktioniert, vor allem im Bereich der Provokation. Mit Rena Niehaus (DIE WIEGE DES TEUFELS, 1978) als entführte Alice hat man natürlich auch ein Goldstück im Gepäck, was so eine Entführung gleich doppelt attraktiv macht, besonders für Jungspund Michele, dargestellt von Michele Placido (ALLEIN GEGEN DIE MAFIA, 1984-1989). Michele hatte vorher noch nie etwas mit Entführungen zu tun gehabt und ist dementsprechend verunsichert. Viel machen, außer gefesselt auf einer Pritsche zu liegen oder hin und wieder Wasser zu lassen, muss Rena Niehaus im Grunde nicht. Sie füllt den Raum mit ihrer Aura aus und verdreht Michele den Kopf fast automatisch, allerdings auch zu ihrem Leidwesen, denn der verliert irgendwann seine Grenzen und vergeht sich an ihr während sie mit Tabletten ruhig gestellt wurde. Zumindest legt er sie frei, fingert sie und masturbiert neben ihr. Wäre die Situation eine andere, hätte man hier ein zauberhaftes Pärchen, stattdessen bewegt man sich in einem spannenden Zwiespalt. Die Inszenierung konzentriert sich aber auch immer wieder auf die beiden erfahrenen Entführer Gino (Flavio Bucci) und Paolo (Bruno Corazzari), die beide weit entfernt sind von den menschlichen Bestien, die man aus ähnlich gelagerten Filmen jener Ära kennt. Außerdem geht man auf die Begründungen der Entführung ein. Der Zigarettenschmuggel bringt nicht genug Geld ein, so dass man sich anderen Themen widmen muss, z.B. Kindesentführungen. Da Entführungen zur damaligen Zeit keine Seltenheiten waren, dürfte der Film damals nicht nur auf Gegenliebe gestoßen sein.

Auch wenn LA ORCA größtenteils ein Kammerspiel ist, findet Visconti immer wieder Wege, den Hauptschauplatz zu verlassen, z.B. im Rahmen eines Traumes von Michele, der ihn auf ein Segelboot auf hoher See hinausträgt. Trotz dieser kleinen verträumten Ausflüge, ist der Film durchweg realistisch inszeniert, vielschichtig und bleibt bitter bis zum Schluss.

(Bjoern Candidus)

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