MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND
(LE DOS AU MUR, Frankreich, 1958, Regie: Édouard Molinaro)
Édouard Molinaros (DIE HERREN DRACULA, 1976 / EIN KÄFIG VOLLER NARREN, 1978) Debütfilm
MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND ist ein wunderschönes, wenn auch eiskaltes Krimi-Ehedrama. Ein Film Noir zur Anfangszeit der zweiten Phase der Nouvelle Vague, der auf einer Novell von Frédéric Dard basiert.
Der Film startet mit einer höchst atmosphärischen Szene, die eine Villa präsentiert, die von völligem Schwarz umrundet ist. Ein Mann mit Hut und Mantel verlässt eilig die Villa, steigt in sein Auto und fährt in die Nacht hinaus. Wir sehen, wie er eine Leiche entsorgt. Dann macht der Film einen Zeitsprung zurück.
Der Mann, der sich als betrogener Ehemann Jacques Decrey herausstellt, erzählt mit seiner Stimme aus der Off, was passiert ist. Der Zuschauer begleitet ihn nun auf eine finstere Reise in die Abgründe menschlicher Gefühlswelten.
Jacques Decrey hat herausgefunden, dass ihn seine Ehefrau Gloria mit einem anderen Mann betrügt. Statt sie mit dem Wissen zu konfrontieren, heckt er einen Plan aus, um ihr Herz zurückzugewinnen. Er beauftragt einen Privatdetektiv, der ein Foto von dem Liebespaar macht. Jacques schickt seiner Frau nun anonym ein Erpresserschreiben, in dem er Schweigegeld fordert und das Fotos als Beweis beilegt.
Selten hat mich ein Film über Ehebruch so gepackt wie dieser. Zum einen liegt es an der sehr gut konstruierten Story, die so manche Wendung mit sich bringt, zum anderen an den hervorragenden Darstellern wie Gérard Oury und Jeanne Moreau. Haupt- wie Nebenrollen überzeugen und unterstreichen den negativen Ton dieses Films, bei dem keine Seite des Ehepaares gut wegkommt. Aber nicht nur inhaltlich bewegt man sich auf hohem Niveau, sondern auch visuell. Der Film ist wunderschön fotografiert von Robert Lefebvre. Das Spiel zwischen Licht und Schatten ist eine Augenweide und schafft es die Spannung des Films zusätzlich zu erhöhen. Sehr edel.
Zwischen Liebe, Ehebruch, Intrigen, Privatdetektiven und Mord – MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND ist ein fabelhaftes Beispiel für die Magie des Kinos.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar