SATANISCHE SPIELE
(GAMES, USA, 1967, Regie: Curtis Harrington)
Paul und Jennifer Montgomery leben in einem höchst luxuriösen Haus in New York. Um sich das Leben schöner zu gestalten, veranstalten sie gerne bizarre Partys mit esoterischen Experimenten und sonstigem Hokuspokus. Eines Tages spricht eine ältere Dame Jennifer vor ihrem Haus an und behauptet ihre Freundin zu kennen. Leichtgläubig lässt Jennifer die Dame ins Haus, die sich als Lisa Schindler vorstellt. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass die Frau gelogen hat, sie kennt Jennifers Freundin gar nicht. Eigentlich möchte sie, aus der Not heraus, einige Kosmetikartikel aus ihrem Koffer verkaufen, da sie wohnungslos ist. Statt die Frau vor die Tür zu setzen, bieten Jennifer und Paul ihr ein Zimmer im Haus an, wo sie erst mal wohnen kann. Die Drei verstehen sich gut, zelebrieren gemeinsam ihre sonderlichen Rituale und treiben Spaß miteinander. Doch aus dem Spaß wird ernst, als Paul versehentlich Norman vom Supermarkt erschießt, der die Lebensmittel ins Haus der Montgomerys liefert. Paul und Jennifer müssen die Leiche verstecken und dafür sorgen, dass ihre neue Mitbewohnerin Lisa sie nicht entdeckt. Anfangs läuft alles nach Plan, aber allmählich beginnt Jennifers schlechtes Gewissen durchzudringen…
WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET? (1972), BLUTIGE RUBY (1977)… In der Filmografie von Curtis Harrington finden sich einige sehenswerte Psycho-Thriller und Horrorfilme, und mit SATANISCHE SPIELE ist ihm ein richtiger spannender und gut erzählter Wurf gelungen, der besonders Hitchcock-Freunde ansprechen dürfte. Rein visuell ist der Film schon eine Augenweide. Kameramann William A. Fraker (BULLIT, 1968) hat hier die unglaublich schicke 60er-Jahre Einrichtung in all ihren Farben und Formen meisterlich eingefangen und hat mich dabei nicht nur einmal an Mario Bava erinnert. Hier gibt es überall was zu sehen, besonders Kunst an den Wänden oder skurrile Maschinen, die Sturm und Licht erzeugen. Der Film bewegt sich fast ausschließlich im Haus der Montgomerys, ohne dabei steif oder sperrig zu wirken. Alles ist schön, nur nicht die Charaktere der Menschen, die in dem Haus wohnen. Mit NIGHT TIDE (1961) feierte Harrington sein Langfilm-Debüt und besetzte in dem Horror-Liebes-Drama Dennis Hopper, der damals auch noch am Anfang seiner Karriere stand. Hier ist es ein 27-jähriger James Caan, der ein Jahr vorher in EL DORADO (1966) vor der Kamera stand. Caan wirkt immer etwas unterkühlt, und hier ist es nicht anders, was kein Problem ist. An seiner Seite ist Katharine Ross (DIE REIFEPRÜFUNG, 1967) als Jennifer, die allerdings durch den dominanten Charakter von Lisa (Ilona in der dt. Fassung) etwas in den Hintergrund gerät. Lisa Schindler wird dargestellt von Simone Signoret (DIE TEUFLISCHEN, 1955), was eine fabelhafte Idee war. Sie hat mich etwas an Shelley Winters erinnert, was nicht schlecht sein kann. Bis auf ein paar andere Darsteller mit kurzen Auftritten, dreht sich die Story um diese drei Personen, und das reicht vollkommen aus, um die Spannung bis zum Ende aufrecht zu halten. Obwohl es sich in erster Linie um einen Thriller handelt, mischt Harrington auch typische Horrorfilm-Zutaten mit rein, die die Atmosphäre noch mal verstärken. Sturm, Regen und Gewitter; dazu das thematisieren von Okkultismus und Esoterik, was zur damaligen Zeit sehr angesagt war, was sich auch ein Jahr später durch Roman Polanskis Meisterwerk ROSEMARY‘S BABY zeigte, der das Horror-Kino revolutionierte.
SATANISCHE SPIELE ist ein packend inszeniertes Thriller-Kammerspiel mit schönen Bildern und tollen Darstellern. Sehr gut.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar