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At Midnight I’ll Take Your Soul, 1964 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL
(À MEIA NOITE LEVAREI SUA ALMA, Brasilien, 1964, Regie: José Mojica Marins)

Der Totengräber Coffin Joe (im Original Zé do Caixao) in kein gern gesehener Mensch in der kleinen Gemeinde, für die er die Toten unter die Erde bringt. Er ist aggressiv, exzentrisch und verhält sich blasphemisch. Doch niemand traut sich, sich ihm in den Weg zu stellen, und wenn, zahlt es ihm Coffin Joe heim. Alles, was ihm zu seinem teuflischen Spiel fehlt, ist ein Sohn, dem er sein Denken weitervererben will. Dumm nur, dass seine Frau Lenita unfruchtbar ist. Er bringt sie mit Spinnengift um und fokussiert sich auf Terezinha, die Verlobte seines Freundes Antonio. Kurz bevor sich Terezinha und Antonio das Jawort geben wollen, besuchen sie mit Coffin Joe eine Wahrsagerin, die nichts Gutes verkündet.

AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL ist nicht nur der erste Horrorfilm von José Mojica Marins, sondern auch der erste aus Brasilien. Und während der Film in Brasilien ein Erfolg wurde, und sich mehrere Monate in den Kinos von São Paulo hielt, sollte er, wie auch die meisten anderen Filme von Marins, nicht den Weg nach Deutschland finden. Trotz des großen Erfolgs im Heimatland, spaltete Marins die Gemüter und es kam dazu, dass der Film in manchen Gegenden Brasiliens wegen seiner blasphemischen Szenen verbannt wurde.

Noch bevor eine Wahrsagerin den Zuschauer eindringlich davor warnt, sich den Film anzugucken, holt Marins in kurzen Sequenzen bereits zur Gewalt gegen Menschen aus. Bilder der Gewalt und des Todes dominieren von Beginn an, und Hoffnung und Freundlichkeit wird hier nie aufkommen. Marins, der angeblich sein Haus, wie auch sein Auto verkaufen musste, um den Film zu finanzieren, schlüpft selbst in die Rolle des Ze do Caixao, der als Coffin Joe natürlich besser bekannt ist. Mit schwarzem Anzug, Cape, Zylinder und zentimeterlangen spitzen Fingernägeln macht er schon optisch was her und sorgt mit seinem exzentrischen, überhöhten Gerede dafür, das ihn die Bewohner des Dorfes mit Respekt begegnen, denn schließlich bringt er hier die Toten unter die Erde. Stellt man sich ihm aber in den Weg, sticht er Augen aus, schlägt einem Rosenkränze ins Gesicht, zerhackt Hände mittels abgebrochener Glasflaschen,
zündet Körper an oder foltert, tötet und vergewaltigt Frauen. Es ist schon wirklich erstaunlich, welche Grausamkeiten hier gezeigt werden, die immerhin noch in Schwarzweiß sind. Wie schön Splatter in Farbe funktioniert, hat ein Jahr vorher bereits H. G. Lewis mit BLOOD FEAST (1963) unter Beweisgestellt. Doch während Lewis seine schrillen Figuren in Pastellfarben mit Blut und Organen beschmierte und mehr den Eindruck eines bewegten Comicstrips hinterlassen hat, driftet Marins in düstere, unheimliche und sehr garstige Alptraumwelten ab, denen man sich nur schwer entziehen kann. Die Gothic-Horrorwelt eines Mario Bavas ist jedenfalls deutlicher zu erkennen als ein H. G. Lewis. Lucio Fulci kam mir bei den drastischen Szenen in den Sinn, und auch Spinnen, Maden, ein Zombie und Attacken gegen die Augen bringen das Kino des Italieners in Erinnerung. Aber Marins gelingt es nicht nur Gewalt und Ekel zu erzeugen, sondern auch sehr spannende und höchst atmosphärische Bilder, die reich gefüllt sind mit mystischen Gegenständen, Totenschädeln und der permanenten Griesgrämigkeit von Coffin Joe.

José Mojica Marins hat mit AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL ein Feuer entfacht, was mit seinen folgenden Filmen zu einem wahren Höllenfeuer wird.

(Bjoern Candidus)

←Hallucinations of a Deranged Mind, 1978 – ★★★½
Leprechaun, 1993 – ★★→

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