IN DER HITZE DER NACHT
(IN THE HEAT OF THE NIGHT, USA, 1967, Regie: Norman Jewison)
Auf dem Weg zu seiner Mutter hält Virgil Tibbs in Sparta, einem kleinen Kaff im Süden der USA, um auf den Anschlusszug zu warten. An dem Abend seines Aufenthalts findet man die Leiche eines Mannes auf der Straße, der Opfer eines Raubüberfalls wurde. Für die Polizei steht schnell fest, wer der Schuldige ist: Virgil Tibbs, denn der hat dunkle Haut und eine Brieftasche voller Geld. Doch nach seiner Festnahme staunen die rassistischen Cops nicht schlecht, als ihnen Tibbs erklärt, dass er selbst ein Polizeibeamter ist, genauer noch: er arbeitet bei der Mordkommission von Philadelphia. Schnell wird klar, dass Tibbs der richtige Mann ist, um den Mörder zu finden, was Sheriff Gillespie, seinen Kollegen und den einflussreichen Männern in Sparta komplett gegen den Strich geht, denn ein dunkelhäutiger Polizist ist das Letzte, was in deren beschränktes Weltbild passt.
Norman Jewison (ROLLERBALL, 1975) schickt Sidney Portier in den Süden der USA und präsentiert die Hässlichkeit des Rassismus gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe. Schon ab der ersten Minute herrscht hier eine finstere Stimmung, wenn Portier als Virgil Tibbs in der Dunkelheit in Sparta ankommt und auf seinen Anschlusszug wartet. Eine Kleinstadt bei Nacht, in der nur noch Leuchtreklame und Laternen Leben versprühen. Hier wird bereits die unglaublich gute Lichtsetzung, die lebendigen Farben und die brillante Fotografie von Haskell Wexler deutlich, die dem Film eine unglaublich packende Atmosphäre verpasst. Jedes Bild ist ein Genuss. Aber soll es natürlich in erster Linie um den Inhalt gehen, und den liefert Normen Jewison, bzw. John Ball, der die Vorlage schrieb und Drehbuchautor Stirling Silliphant. Das Stärkste an dem Film ist, dass es hier im Grunde keinen ausgesprochenen Kommentar gegen Rassismus bedarf, denn Sheriff Gillespie und das ganze verkommene Pack von Sparta erledigen das mit ihrem Verhalten selbst. Sie führen sich quasi an einer Tour selbst vor, während Virgil Tibbs völlig cool bleibt und die Karte der Intelligenz stets zur Hand hat. Betonköpfe haben es schwer, deshalb muss man ihnen immer wieder ihre eigene Dummheit aufzeigen. Manchmal soll das sogar was bringen, und auch hier zeichnet sich etwas Licht am Horizon ab. Aber bis es soweit ist, darf man sich an einem sehr spannenden Krimi laben, der neben dem Rassismus-Thema auch das Kleinstadt-System aufgreift. Wer in diesem System nicht mitspielt, hat schlechte Karten, und wer dunkle Haut hat, hat gar keine.
Und genau dort ist Sidney Portier richtig und falsch zugleich. Portiers vereinnahmende Ausstrahlung, die stechenden Augen und seine Coolness, sind der Wahnsinn. Es gibt ein paar unglaublich starke Momente mit ihm, die in die Filmgeschichte eingingen. 1966 kam Nichelle Nichols als Lieutenant Nyota Uhura und küsste als erste dunkelhäutige Frau einen weißen Mann (William Shatner) vor Kameras der US-Medien, 1967 kam Sidney Portier und schlug einen weißen Cop ins Gesicht, nachdem er ihn schlug. Aber nicht nur Portier liefert eine Glanzleistung, sondern auch Rod Steiger als Sheriff Gillespie, der hier als Einziger immer wieder selbst erkennen darf, wie dumm seine eigenen, engstirnigen Einstellungen eigentlich sind. An seiner Seite ist Warren Oates als Officer Sam Wood mit hohem Widerlichkeitspotential. Den weiblichen Part schmückt Lee Grant als Mrs. Colbert aus, der Frau des Ermordeten, um den sich der eigentliche Kriminalfall dreht. Die Mischung aus Ermittlung im Mordfall „Colbert“ und den Konflikten zwischen Tibbs, Sheriff Gillespie, seinen Männern und den anderen einflussreichen Männern von Sparta ist ausgewogen. Die Spannung entsteht aber in erster Linie durch Portier und Steiger, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch eine Basis finden müssen.
Ray Charles eröffnet mit dem Song „In the Heat of the Night“, Quincy Jones liefert einen phantastischen Score, der die tolle Atmosphäre des Films passend ummantelt.
IN DER HITZE DER NACHT ist ein packender Krimi mit Rassismus-Kritik, ohne die Keule auszupacken. Die starke Besetzung vor der Kamera und die überdurchschnittlich gute Arbeit in sämtlichen Bereichen hinter der Kamera, machen Norman Jewisons Film zu einem Meisterstück, was zu Recht mit 5 Oscars belohnt wurde.
(Bjoern Candidus)
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