EIN TOTER LACHT ALS LETZTER
(LA CAMPANA DEL INFIERNO, Frankreich, Spanien, 1973, Regie: Claudio Guerin Hill, Juan Antonio Bardem)
Nachdem Juan wegen guter Führung auf Probe aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen wird, startet er seinen Racheplan. Als seine wohlhabende Mutter verstarb, wuchs er bei seiner Tante und Cousinen auf, die ihn für unzurechnungsfähigkeit erklärten, nachdem er sein Wohl bei Prostituierten und im Drogenkonsum fand. Sie ließen ihn einweisen. Das hatte zur Folge, dass seine Tante über das Vermögen von Juan verfügte, bis er für gesund erklärt wird. Und das will Juan nicht auf sich sitzen lassen.
Mit EIN TOTER LACHT ALS LETZTER hat der nur 34-jährige Spanier Claudio Guerin Hill seinen letzten Film abgeliefert. Am letzten Drehtag fiel er vom Glockenturm, der am Ende des Films eine wichtige Rolle spielt, und starb an seinen Verletzungen. Ob es ein tragischer Unfall oder ein Selbstmord war, konnte nie herausgefunden werden, aber das tragische Ereignis hängt wie eine schwarze Wolke über der Inszenierung, die in der Postproduktion von Juan Antonio Bardem fertiggestellt wurde. Der Originaltitel, der wörtlich im Deutschen „Die Glocke der Hölle“ heißen würde, erscheint fast wie eine bittere Vorahnung.
EIN TOTER LACHT ALS LETZTER ist ein durch und durch garstiger Erbschafts-Psycho-Thriller, der mit tollen Schauspielern, einer packenden, beklemmenden Atmosphäre und einigen derben und schwarzhumorigen Einlagen daherkommt. Auch wenn es sich um eine französisch-spanische Koproduktion handelt, dominiert das Spanische, wobei man es stilistisch auch mit einem italienischen Giallo zu tun haben könnte. Gedreht wurde an der Küste von Galicien, während die Innenaufnahmen in den Estudios Roma in Madrid stattgefunden haben. Es gibt nicht nur imposante Aufnahmen des wilden Meeres, sondern auch sehr atmosphärische Momente in einem herbstlichen Wald, der die unheimliche Stimmung verstärkt. Erdige Farben bestimmen die oft verspielten Bilder, die wunderbar von Manuel Rojas fotografiert wurden. Das Familienanwesen an den Klippen erweckt Erinnerungen an das Gothic-Horrorkino, das Erbschafts-Thema bedient das klassische Krimi-Muster, während sich der Rest sehr modern anfühlt. Bekommt man gerade noch einen von Juans bösartigen Späßen zu sehen, sieht man ihn im nächsten Augenblick in einem Schlachthaus arbeiten. Wer echte Schlachthaus-Szenen nicht erträgt, sollte hier auf jeden Fall vorgewarnt sein. Dabei handelt es sich nicht um Archivmaterial, sondern um extra mit dem Darsteller gedrehte Szenen. Im späteren Verlauf gibt es ähnliche Momente, aber mit Menschen statt mit Rindern, die ein bisschen ein TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) vorwegnehmen.
Während die Erbschaft und das damit verbundene Vermögen eher nebensächlich ist, konzentriert sich das Geschehen auf Juans Hass auf seine Tante und seine drei Cousinen, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben. Renaud Verley (DIE VERDAMMTEN, 1969) als Juan ist eine hervorragende Wahl gewesen. Er spielt den psychopathischen Schönling mit Hang zum schwarzen Humor und Sadismus sehr überzeugend. Seine Tante Marta wird von Viveca Lindfors dargestellt, die sich als Tante Bedelia in CREEPSHOW (1982) verewigt hat.
EIN TOTER LACHT ALS LETZTER ist ein kleiner Edelstein mit vielen Facetten, der leider immer übersehen wird. Freunde von Psycho-Thrillern sei dieser Film wärmstens empfohlen.
(Bjoern Candidus)
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