DIE DIAMANTENPUPPE
(L’ULTIMA CHANCE, Italien, 1973, Regie: Maurizio Lucidi)
Floyd wird aus einem kanadischen Gefängnis entlassen. Nach seiner Entlassung hat er 48 Stunden Zeit, Kanada zu verlassen. Das hat er auch vor, aber nicht ohne mit seinem Kollegen Joe vorher einen Juwelier zu überfallen. Bei dem Überfall tötet Joe einen Zeugen. Vorübergehend trennen sich die beiden. Ihr Plan steht: in zwei Tagen soll es über die Grenze gehen. Dann hat Floyd ein Problem mit seinem Auto. Er checkt in einem Motel ein, was von Fred und Michelle Nolton geführt wird. Als von dem Überfall im Fernsehen berichtet wird, ahnt Fred langsam, wen er da aufgenommen hat, während sich seine Frau Hals über Kopf in Floyd verguckt und die Chance wittert endlich Kanada zu verlassen. Nachdem Floyd mit Michelle in der Kiste gelandet ist, sind die Diamanten verschwunden, und dann kündigt sich Killer Joe an…
Regisseur Maurizio Lucidi (DER TODESENGEL, 1971) hat hier ein packendes Italo-Krimi-Drama gezimmert, was sich vor allem durch das Kanada-Setting deutlich abhebt. Auch die beliebte Schmierigkeit vieler italienischer Produktionen mit ähnlichen Inhalten ist hier kaum zu finden. In dem Punkt ist der Film schon mal eine erfrischende Abwechslung. Ein weiteres Argument sind die Darsteller. Etwas zu kurz geraten ist leider der große Eli Wallach als Joe, der am Anfang und am Ende seine Ausstrahlung zeigen darf. Aber dafür bekommt man sehr viel Fabio Testi als Floyd mit Problemen. Carlo De Mejo ist ebenfalls an Bord, aber ohne Bart und Lockenkopf kaum zu identifizieren. Die weiblichen Parts werden gleich mit zwei Bond-Schönheiten beseelt: Ursula Andress und Barbara Bach. Andress macht sich wirklich gut als verzweifelte Michelle, die zwischen den Stühlen steht, während Barbara Bach als Nichte von Michelle eher in den Hintergrund rückt. Aber auch die kommt zum Zug in der Geschichte. Und so konzentriert sich der Film auch in erster Linie auf die Figuren und setzt nicht auf Schauwerte wie Action oder explizite Gewaltdarstellungen. Sowohl die Fotografie von Gábor Pogány als auch der Score von Luis Enriquez Bacalov veredeln die Inszenierung. Die kanadische Landschaft, die teilweise mit Schnee bedeckt ist, verbreitet ein zusätzliches Gefühl von Schwere.
Verdorbene und verzweifelte Figuren, das ewige Spiel mit der Gier nach Reichtum und ein deprimierender Blick auf Kanada machen DIE DIAMANTENPUPPE zu einem wahren Italo-Ausreißer, der nicht zu verachten ist.
(Bjoern Candidus)
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