TODESKREIS LIBELLE
(UNA LIBÉLULA PARA CADA MUERTO, Spanien, 1975, Regie: León Klimovsky)
In Mailand kommt es zu einer Reihe brutaler Morde. Die Opfer sind Drogensüchtige, Prostituierte oder Kleinkriminelle. Am Tatort hinterlässt der Mörder immer die Figur einer Libelle. Inspektor Scaporella nimmt sich dem Fall an, in dem sich auch seine Frau Silvana verstrickt.
León Klimovsky schickt sein Wunderkind Paul Naschy in einen spanischen Giallo, der im Grunde alle Zutaten seiner italienischen Vorbilder besitzt. Naschy lässt also seinen Werwolfpelz im Schrank und taucht hier als Inspektor Scaporella mit Schnäuzer und Zigarre auf. Die Rolle steht ihm, besonders, wenn er eine Horde Hakenkreuz-Wichte verprügelt. An seiner Seite: die schöne Erika Blanc.
Dass hier nicht alles rund und 1A inszeniert wurde, sollte klar sein. Auch wenn TODESKREIS LIBELLE in Italien, bzw. Mailand spielt, wo er auch teilweise gedreht wurde, kommt hier mehr die Qualität der Spanier durch, die im Schnitt weniger hoch war als die der Italiener. Irgendwie fühlte ich mich bei den Gore-Szenen etwas an den Stil von H. G. Lewis erinnert, auch wenn der wesentlich mehr gezeigt hätte. Der Täter ist wiederum typisch Giallo: Trenchcoat, Hut, Handschuhe. Die Wahl der Mordwaffen variiert. Mal ist es eine Axt, ein Säbel oder ein umfunktionierter Regenschirm. Schön sind die Mailand-bei-Nacht-Szenen, die aber im Gegensatz zu den (Studio-) Innenaufnahmen, selten sind. Sperrig und etwas miefig wird es in den in Spanien entstanden Studioaufnahmen, wenn Inspektor Scaporella mit seiner Frau über die Morde grübelt. In den Momenten kommt auch am meisten Klimovskys Handschrift durch, in der Naschy eine wichtige Rolle spielt. Klimovsky hatte mit Naschy bereits eine Handvoll Filme gedreht, und Naschy war auch hier wieder Vater der Story.
Auch wenn der Film durchaus atmosphärisch geraten ist, tut man sich schwer, Spannung aufzubauen. Vieles wirkt fad, manches ist unfreiwillig komisch, was ihn letztlich aber auch charmant macht. Da man es in Spanien mit dem Urheberrecht nicht ganz so genau nimmt, bediente man sich für den Score einfach bei Filmen wie BLUTIGE SEIDE (1964) und IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971), um zumindest im Genre zu bleiben.
TODESKREIS LIBELLE ist sicher kein Vorzeigefilm des Duos Klimovsky / Naschy, aber er setzt sich angenehm vom sonstigen Oeuvre der beiden ab.
(Bjoern Candidus)
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