LONG WEEKEND
(Australien, 1978, Regie: Colin Eggelston)
Peter und Marcia, ein Ehepaar, was in einer Krise steckt, unternimmt einen Wochenendtrip an die Küste Australiens. Campen in freier Natur ist nicht gerade das Ding von Marcia, und schnell kommt es zum ersten Streit unter freiem Himmel. Doch die Beiden stehen bald vor einem ganz anderen Problem, es scheint nämlich so, als ob die Fauna einen Rachefeldzug gegen die beiden Urlauber plant, denen es an Respekt an der Natur mangelt.
Der Australier Colin Eggelston hat hier einen ganz hervorragenden Hybrid aus Tier- und Rache-der-Natur-Horrorfilm und Beziehungs-Drama geschaffen. Einerseits bedient sich Eggelston an Elementen des Tier-Horrors, gleichzeitig verzichtetet er auch auf viele Klischees dieses Subgenres. Auch wenn es hier diverse Attacken von Tieren gibt (ein Angriff durch einen Adler und einem Opossum), bewegen sich diese immer im Rahmen des Möglichen. Die Attacken sind nicht selten direkte Reaktionen auf das schändliche Verhalten von Peter und Marcia. Auch an einem schönen Ort können die grausamsten Dinge auf einen warten. „Die Welt hat Zähne, und sie kann jederzeit damit zu beißen“, um mal Stephen King zu zitieren.
Eggelstons Inszenierung ist von Beginn an bedrückend. Ganz nebensächlich hört man im Radio einen Bericht über einen Angriff von Kakadus auf Menschen, dem Marcia keine Beachtung schenkt, aber dem Zuschauer bereits eine kleine Vorschau auf einen möglichen Schrecken liefert. Die unheimliche Stimmung, die der Film mit der Ankunft in Mutter Natur annimmt, wird nicht mehr verlassen. Obwohl das Meer, der Strand und der Wald eigentlich alles andere als unheimlich oder erschreckend ist, gelingt es Eggelston durch Geräusche und den spärlichen Einsatz des Scores von Michael Carlos die Naturkulisse in einen Alptraum zu verwandeln. Fotografiert wurde LONG WEEKEND von Vincent Monton, der den Film am Tage wie in Nacht hervorragend eingefangen hat.
Das Ehepaar, das schnell meine Gunst verloren hat, wird von John Hargreaves und Briony Behets dargestellt. Sie ist ein Nervenbündel, weil sie die Natur hasst (und gerade ihr Kind abgetrieben hat), er ist ein egozentrisches Arschloch, was denkt, Herr der Welt zu sein. Die Spannungen dieser Beziehung sind ein weiteres gut funktionierendes Element. Identifikationspotential haben die Charaktere wirklich nicht zu bieten, was dazu führt, dass man erst gar kein Mitleid mit ihnen aufbauen kann. Eggelston zwingt einen förmlich auf der Seite von Mutter Natur zu stehen, und das gefällt mir.
LONG WEEKEND ist ein sehr ruhig inszenierter und enorm spannender Horrorfilm, der auf viele gängige Zutaten verzichtet und auf sehr eigene Art die Rache der Natur zelebriert. Ganz hervorragendes Kino aus Down Under, was weitaus mehr Beachtung verdient hätte.
(Bjoern Candidus)
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