TOCHTER DES BÖSEN
(THE CHILD, USA, 1977, Regie: Robert Voskanian)
Nach dem Tod der Mutter stellt ein Vater das Kindermädchen Alicianne (Laurel Barnett) für seine Tochter ein. Der Tod der Mutter hat das Kind schwer erschüttert und krank gemacht. Doch das Kind hat auch ein Geheimnis, dem das Kindermädchen auf die Schliche kommt: Des nachts begibt sich die Kleine zum Friedhof, um mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten Tote aus ihren Gräbern zu erwecken, die für sie Rache nehmen sollen, an all denen, die für den Tod ihrer Mutter verantwortlich sind.
Nur diesen einzigen Film hat Robert Voskanian abgedreht. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Film eine kleine Offenbarung in Sachen Atmosphäre ist, die anfänglich mehr nach europäischem statt us-amerikanischem Horror-Kino aussieht. Ein bisschen Naschy, ein wenig Rollin eine Spur Italien ist zu erkennen. Wind, Nebel und ein unheimlicher Score von Rob Wallace (der irgendwann leider etwas nervt) sorgen schon bei der Eröffnungsszene auf einem alten Friedhof für wohligen Grusel. Wenn dann Alicianne, das Kindermädchen, eingeführt wird, erkennt man, dass man hier doch in einer US-Provinz ist. Das tut der Atmosphäre keinen Abbruch; Voskanian liefert bis zum Schluss stimmungsvolle Bilder. Dafür sorgen auch die Kamera-Perspektiven, die Mori Alavi nutzt, um für Abwechslung zu sorgen. Hier kam mir auch schnell EVIL DEAD (1981) in den Sinn. Das recht harte letzte Drittel, in dem die Rache-Zombies zum Blutgericht ausrufen, erinnert an NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968) und wartet mit ordentlichem Make-up auf. Im Gegensatz zu Romeros frischen Untoten, hat man es hier mit modrigen zu tun, wie man sie wenige Jahre später im italienischen Zombie-Kino erleben durfte. Dem atmosphärischen Anfang, dem eine manchmal etwas schwerfällige Mitte folgt, spendiert man ein blutiges Ende. Ein guter Ausgleich. Wenn man bedenkt, dass von den Darstellern fast niemand davor oder danach im Filmgeschäft etwas getan hat, was auch für die meisten hinter der Kamera gilt, gibt es hier nichts groß zu monieren.
Sieht man von ein paar sauerstoffarmen Momenten ab, bekommt man viel Grusel geboten. Die Mischung aus Übersinnlichem und Zombie-Thematik passt gut. Die TOCHTER DES BÖSEN ist ein kleiner Hingucker aus der umfangreichen, hoch geschätzten Mottenkiste der 70er-Jahre-Horrorfilme.
(Bjoern Candidus)
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