FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE
(PET SEMATARY, USA, 2019, Regie: Kevin Kölsch, Dennis Widmyer)
Louis Creed und seine Familie zieht von der Großstadt ins ländliche Ludlow, Maine. Unweit hinter dem Haus liegt ein Tierfriedhof. Verantwortlich für diesen ist vor allem die sehr befahrene Straße neben dem Haus, die schon vielen Tieren das Leben gekostet hat. Als Church, der Kater der Familie, überfahren wird, berichtet der Nachbar, Jud, Louis von einem Indianerfriedhof hinter dem Tierfriedhof, der angeblich Verstorbene zurück ins Leben bringt. Louis begeht einen schweren Fehler, den er alsbald auch noch wiederholt.
Wenn Erwartungshaltungen gar nicht erst da sind, kann man manchmal überrascht werden. Hier war ich überrascht, überrascht über so viel Unvermögen, was mir die beiden Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer präsentierten.
Vielleicht tu ich ihnen Unrecht. Ihr STARRY EYES (2014) war nicht so schlecht, wenn ich mich recht erinnere. Vielleicht ist der Film lediglich mal wieder Opfer eines Studios (Paramount), was keinerlei Risiken eingehen wollte. Es braucht einen möglichst geschliffenen Film, bei dem eigentlich unangenehme Themen horrorkindergeburtstsgsartig abgeliefert werden, um ja nicht wirklich in den Magen zu schlagen, um ihn an möglichst viele Augen zu verkaufen. Und wenn man sich Stephen Kings Vorlage durchliest, weiß man um den Kern der Geschichte. Schon Mary Lambert hatte mit ihrer Adaption 1989 den Fokus mehr auf den Horror gelegt als auf die Emotionen der Figuren, die einen geliebten Menschen verloren haben. Dies war damals wie heute auch den Darstellern und natürlich dem Drehbuch geschuldet. Allerdings sei anzumerken, dass das Drehbuch zur Lambert-Adaption von King selbst stammte. Und auch wenn Dale Midkiff als Louis Creed keine Bäume ausgerissen hat, konnte ich bei ihm mehr Verzweiflung spüren als 2019 bei Jason Clarke. Leider bringt auch John Lithgow als Jud Crandall kein Feuer mit. Gleiches gilt auch für Amy Seimetz als Rachel. Die ist genauso ausdruckslos wie ihre Schwester Zelda, die dieses mal von Alyssa Brooke Levine dargestellt wird. Eins der unangenehmsten Themen im Buch und ein Highlight der Lambert-Adaption wurde hier somit komplett gegen die Wand gefahren. Von den Kinderdarstellern möchte ich es gar nicht anfangen, selbst die waren 1989 wesentlich brauchbarer. Man versucht hier erst gar nicht, Raum für irgendeine Entfaltung zu schaffen, sondern serviert Szene für Szene, die man als Kenner der ersten Verfilmung in besser kennt oder man variiert oder lässt Dinge weg. Das wäre alles nicht so tragisch, hätte man es wenigstens gut gemacht. Aber nein, alles ist lustlos inszeniert, nichts hat Ausstrahlung. Wieso Atmosphäre aufbauen, wieso sich (und dem Zuschauer) ein bisschen Zeit geben, um Spannung zu erzeugen? Ach ja, weil wir im 21. Jahrhundert leben, und da muss es schnell gehen, zumindest für große Studios. Und wenn der Film dann wirklich einen eigenen Weg geht, wie im letzten Drittel, ist absolutes Fremdschämen angesagt. Jämmerlicher hätte es kaum werden können. Man versucht alles und scheitert mit allem. Und nicht mal der eigentlich fähige Christopher Young hinterlässt Spuren mit diesem faden Score.
FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ist eine traurige Katastrophe. Ein aalglatter, ausdrucksloser Horrorfilm von der Stange, der auf einem der stärksten Romane von Stephen King basiert.
(Bjoern Candidus)
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