LATE NIGHT WITH THE DEVIL
(USA, 2023, Regie: Cameron und Colin Cairnes)
An Halloween im Jahre 1977 geht es in der US-TV-SHOW „Night Owls“ um übersinnliche Phänomene. Dafür hat sich der Moderator Jack Delroy ein Medium, einen Zauberkünstler und Skeptiker für Paranormales und eine Autorin mit einem 13-jährigen Mädchen, was angeblich von einem Dämon besessen ist, eingeladen. In der Show geht es diesmal um alles, da eine wichtige Quoten-Woche ansteht, die über die Zukunft der Show und Moderator Jack Delroy entscheiden soll. In dem Medium Christou glaubt der Skeptiker Carmichael Haig einen Betrüger gefunden zu haben, doch die angeblich vom einem Dämon besessene Lilly macht es ihm nicht ganz so einfach. Die Sendung gerät außer Kontrolle.
Im Wust von Remakes, Reboots, Sequels und Prequels, die das Horrorgenre immer wieder und wieder erfährt, schleicht sich hin und wieder auch mal ein bisschen Innovation mit ein, auch wenn ein Found-Footage-Film natürlich nichts Neues ist und schon gar nicht zu meinen Lieblingsspielarten zählt. Wichtig ist für mich dabei das Thema, das Setting und die Art, wie etwas umgesetzt wird. Und da mich die Story offensichtlich angesprochen hat, habe ich LATE NIGHT WITH THE DEVIL auch eine Chance gegeben, die ich nicht bereut habe.
Selten hat mich in den letzten Jahren ein neuer Horrorfilm von der ersten bis zur letzten Minute so gepackt und unterhalten, wie die Regiearbeit der beiden Brüder Cameron und Colin Cairnes. Der Film stellt eine TV-Show aus den 70er-Jahren dar, die über Jahrzehnte in den Giftschrank der Sendeanstalt gesperrt wurde und nun endlich das Licht der Welt erblicken soll, was ziemlich authentisch geworden ist. Das Design, die Ausstattung und die Charaktere, die hier aufgefahren werden, unterstreichen die Illusion hervorragend. Alles ist stimmig, und beinahe habe ich sogar den Geruch von Tabak wahrgenommen. Aber nicht nur mit dem Inhalt, der Form, dem Stil und den Effekten konnten mich Cameron und Colin Cairnes im Sturm erobern, sondern vor allem mit den Darstellern. An vorderster Front steht David Dastmalchian als Moderator Jack Delroy, dessen Frau ein paar Wochen vor der Show an Lungenkrebs gestorben ist. Seine Figur pendelt zwischen Glauben, Unglauben, Trauer und Erfolgswahn hin und her, was sich glänzend in seinem Verhalten und seiner Mimik zeigt. Wunderbar getroffen ist auch Ian Bliss als Skeptiker Carmichael Haig, der auf herrlich überhebliche Art trügerische Machenschaften aufdeckt. Inspiriert wurde diese Figur durch James Randi, einem kanadischen Zauberkünstlers, der Mitglied der Organisation „Skeptics Society“ war. Ein weiteres Highlight ist Ingrid Torelli als Lilly D’Abo, in der ein Dämon haust, den sie in der Sendung hervorholen soll. Lange hat mich keine Dämonenfratze mehr so begeistert wie die von Lilly. Manchmal ist weniger mehr, und deshalb funktioniert ihr verstörender Anblick so gut, den sie besonders durch ihre Mimik hervorzaubert.
LATE NIGHT WITH THE DEVIL ist ein durchgehend spannender, gut besetzter Horrorfilm, der mit Bravour versteht, dass man dem Genre auch heute noch etwas Frisches hinzufügen kann, auch wenn man sich alter Themen bedient. Richtig gut.
(Bjoern Candidus)
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