BLACK EMANUELLE – ALLE LÜSTE DIESER WELT
(EMANUELLE – PERCHÉ VIOLENZA ALLE DONNE?, Italien, 1977, Regie: Joe D‘Amato)
Die erfolgreiche Journalistin und Fotoreporterin Emanuela reist wieder um die Welt, um von sexuellen Abenteuern zu berichten, die jenseits des Blümchensex zu finden sind. Von den USA geht es nach Italien, Hongkong, Indien bis in den Iran. Doch nicht nur die Sonnenseiten der Lust stehen auf dem Programm, sondern auch die finsteren, abseitigen. Und so gerät sie in einen Strudel aus Sex und Gewalt.
Der vierte Teil von Joe D‘Amatos BLACK EMANUELLE-Reihe steht seinem direkten Vorgänger EMANUELLE IN AMERIKA (1977) in nichts nach. Joe D‘Amato schießt einem aus allen Rohren die Kunst des Sexploitation-Kinos entgegen, und das macht er visuell erneut beeindruckend. Auch hier führte er nicht nur Regie, sondern übernahm wieder den Part des Kameramannes, denn das hat er gelernt und immer wieder bewiesen. Von Stadtbildern großer Metropolen bis hin zu indischen Tempeln, Folterzimmern oder versifften Hinterhöfen serviert uns D’Amato die Welt aus seinem Blickwinkel, und der ist anziehend und abstoßend gleichermaßen. Dazu gönnt er sich sogar noch eine kleine Rolle in Film.
Und so darf man sich an knalligen Farben, interessanter Architektur und wildem Treiben mit der Untermalung eines weiteren schönen Scores von Nico Fidenco laben. Aber der Film ist auch ein Wechselbad der Gefühle, denn an anderer Stelle wird ein Tor zum Sadismus, zur Vergewaltigung und Zwangs-Zoophilie aufgestoßen, was einigen Gemütern sicherlich auf den Magen schlagen dürfte. Was hier mit normaler vaginaler oder analer Penetration anfängt (man achte hier auch die Soft-, bzw. Hardcore-Version), endet mitunter in einer Massenvergewaltigung von Obdachlosen an einem jungen Mädchen, was eine Gruppe reicher Damen und Herren anfänglich noch sehr belustigend findet, da sie diesen Übergriff schließlich „gebucht“ haben. Da sind die chauvinistischen und rassistischen Kommentare geiler alte Böcke am Anfang fast noch ein Zuckerschlecken. Erheiterung kommt auf, wenn George Eastman als indischer Guru auftaucht und einem erneut vor Augen führt, wie frei und losgelöst das Kino mal war.
Aber wie bei vielen, ähnlich gelagerten Filmen ist auch hier eine gewisse Schizophrenie zu erkennen. Einerseits steckt der Film voller Kritik und Anklage an die Gesellschaft, andererseits hält man voll drauf, damit der Zuschauer auch alles genau sehen kann. Aber ja, wir sind im (Sex-)Exploitation-Kino der 1970er-Jahre, und das ist auch gut so.
BLACK EMANUELLE – ALLE LÜSTE DIESER WELT ist ein Produkt einer zügellosen Zeit, die ein Kino hervorgebracht hat, was bis heute nicht vergessen wurde. Einfach schön, dass solche Filme konserviert wurden und weiterhin zugänglich sind.
(Bjoern Candidus)
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