ANDY WARHOL’S BAD
(USA, 1977, Regie: Jed Johnson)
Hazel Aiken betreibt in ihrer Wohnung ein Haarentfernungstudio. Doch nicht nur damit verdient sie ihr Geld, sondern auch mit der Vermittlung von Auftragsmorden. Dafür scharrt sie einen ganzen Haufen verdorbener Frauen um sich, die für sie die Morde ausführen, natürlich gegen Bezahlung. Eines Tages steht L. T. vor ihrer Haustür, dem Hazel nicht nur ein Zimmer vermietet, sondern auch einen Mordauftrag vermittelt. Er soll im Namen der Eltern einen verhaltensauffälligen Jungen töten.
Jed Johnson, der ehemalige Lebenspartner von Andy Warhol hat hier seine einzige Regiearbeit hingelegt und einen ziemlich garstigen Film geschaffen, der die Verdorbenheit der US-Gesellschaft der 70er-Jahre aufgreift. Wo man auch hinguckt, in BAD sind nur menschliche Totalausfälle zu erblicken, die ihre Moral verbrannt haben und für Geld alles tun. Es gibt auch Hoffnung, aber der Weg dahin ist ein räudiger.
Visuell ist die Inszenierung so eklig wie das Verhalten der Figuren. Alles sieht ausladend aus, ist miefig und weckt teilweise Erinnerungen an das Kino von H. G. Lewis, besonders wenn es ums Eingemachte geht. Nicht, dass hier an einer Tour getötet wird, aber es gibt ein paar wirklich derbe Momente, z. B. wenn eine Mutter ihr Baby aus dem Fenster eines Hochhauses wirft, was dann unten blutig aufschlägt. Einige Jahre später lieferte Buddy Giovinazzo in COMBAT SHOCK (1984) eine ähnlich verstörende Szene. Überhaupt passen die beiden Filme gut zueinander.
Auch die Besetzung in BAD kann sich sehen lassen. An vorderster Front steht hier Carroll Baker (PARANOIA, 1970) als Hazel Aiken, die wunderbar in ihrer fiesen Rolle als Vermittlerin des Todes aufgeht. Statt Joe Dallesandro ist hier Perry King als L. T. (DIE KLASSE VON 1984, 1982) zugegen, der einen ähnlichen Typus mitbringt. Den Vogel des Irrsinns schießt hier ganz klar Susan Tyrrell (FLESH & BLOOD, 1985) als hirnverbrannte Tochter von Hazel Aiken ab. Die jammert nur, erzählt Schwachsinn, stopft ihr Baby mit Essen voll oder lässt es auch mal fallen.
BAD ist eine giftige Satire im Schmutz des Großstadtdschungels. Wer auf Filme mit kaputten Figuren und dem schmuddeligen, ungeschminkten Look des Grindhouse-Kinos der 70er-Jahre steht, wird hier fündig.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar