DIE ROTE SONNE DER RACHE
(LA BANDA J. & S. – CRONACA CRMINALE DEL FAR WEST, Deutschland, Italien, Spanien, 1972, Regie: Sergio Corbucci)
Jed Trigado nimmt es den Reichen und verteilt es unter den Armen. Doch dieses Verhalten hat ihn hinter Gitter gebracht. Nachdem er fliehen konnte, ist Sheriff Franciscus hinter dem Gesetzlosen her. Auf der Flucht begegnet Jet der schönen Sonny, der die Begegnung mit dem Banditen gerade recht kommt, will sie doch aus ihrem langweiligen Alltag entfliehen. Nach ein paar Reibereien begeben sich die beiden gemeinsam auf Reise, überfallen weiter Menschen und heiraten alsbald. Doch Sheriff Franciscus und Kopfgeldjäger machen es dem Gespann nicht leicht und heften sich an ihre Fersen.
Immer wieder schaffen es mich die Italowestern von Sergio Corbucci zu begeistern. Auch wenn sie mal etwas weniger stark sind, stehen sie handwerklich und visuell immer an vorderster Front, und so verhält es sich auch mit DIE ROTE SONNE DER RACHE. Sergio bewegt sich hier mehr im Bereich seines Bruders Bruno, denn hier hat man es mit einer Komödie zu tun, die trotzdem noch garstig genug ist. Hätte Sergio auf die komödiantischen Parts verzichtet, hätte hier spielend ein weiterer harter Italowestern von ihm entstehen können. Aber es ist, wie es ist, und handzahm ist der Film ohnehin nicht.
Was mich an dieser Bonnie & Clyde – Variante am meisten beeindruckt hat ist die Kraft der Bilder. Vor allem die kargen, felsigen Landschaften mit Lehmböden und dem von Wolken durchzogen Himmel haben etwas endzeitliches, ähnlich wie man es aus DJANGO (1966) und Castellaris KEOMA (1976) kennt. Rein visuell ist dieser Film näher der Welt des Todes als der Welt des Spaßes. Man muss hier auch keine Angst haben, dass der Film in Slapstick zerfließt; der Witz zeichnet sich eher in den Sprüchen von Tomás Milián und Susan George ab, die ein absolut sympathisches Gespann abgeben. Sie streiten sich, sie lieben sich. Aber über beide könnte ich ohnehin kein schlechtes Wort verlieren. Und wo ich gerade bei den Schauspielern bin: Telly Savalas ist als Sheriff Franciscus dabei, ebenso José Canalejas, Herbert Fux, Werner Pochath und Dan van Husen. In dem Punkt gibt es also nichts zu klagen.
Corbucci legt ein ordentliches Tempo an den Tag und lässt seine Inszenierung kaum stillstehen. Das führte allerdings auch dazu, dass mich die Inszenierung irgendwann etwas ermüdet hat. Vieles wiederholt sich oder wäre in einem ernsthafteren Rahmen besser aufgehoben. Manchmal scheint es, als wäre sich Corbucci seiner Inszenierung selbst nicht sicher gewesen. Ziemlich sicher klingt Ennio Morricone, der erneut einem Italowestern zusätzliches Leben eingehaucht hat.
Trotz toller Schauspieler und der handwerklichen Finessen von Cobucci und seinem Team ist DIE ROTE SONNE DER RACHE zu unentschlossen, um mich vollends abzuholen. Alles sieht schön aus, alles klingt gut und das schlechte Wetter ist perfekt, aber das war es.
(Bjoern Candidus)
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