REVENGE
(Belgien, Frankreich, 2017, Regie: Coralie Fargeat)
Jen lässt sich auf ein Liebesabenteuer mit dem verheirateten Richard ein, der ein luxuriöses Haus irgendwo in der Wüste von Marokko besitzt. Doch aus dem gemeinsamen Wochenende wird nichts, denn Stan und Dimitri, zwei Freunde von Richard, klopfen an die Tür. Die schöne Jen fällt den beiden natürlich gleich ins Auge, und sie tut bei der abendlichen Party alles, um auch ihnen den Kopf zu verdrehen. Stan erhofft sich am anderen Tag, Jen ebenfalls für eine Nummer gewinnen zu können, doch sie macht im klar, dass er nicht ihr Typ ist. daraufhin vergewaltigt er sie mit dem Wissen von Dimitri, der währenddessen ein Bad im Pool nimmt. Die Situation eskaliert vollends, und Jen versucht vor den drei Männern zu flüchten. Bei dem Versuch kann Richard Jen von einem Berg stoßen. Im Glauben, Jen sei tot, kehren sie zurück zum Haus und stricken sich eine Story zu recht. Doch Jen ist mitnichten tot. Schwerverletzt kann sie sich in eine Höhle schleppen und ihre Wunde versorgen. Sie plant einen tödlichen Rachefeldzug.
Statt auf eine Story zu setzen, folgt Regisseurin Coralie Fargeat dem simplen Muster zahlreicher Rape-and-Revange Filme, die seit Jahrzehnten immer wieder die Kinos und die heimischen Bildschirme erreichen. Doch Fargeats Inszenierung hat es rein visuell geschafft, mich zu begeistern und bei Laune zu halten.
Zeigt sich der Film anfänglich modern mit Richards pompösen Haus mit Pool, geht es danach schnell in die karge, felsige Wüste, die Erinnerungen an THE HILLS HAVE EYES (1977) erwecken, und besonders Ajas Remake von 2006 drängt sich auf, wenn es um die grafische Gewalt geht. Spätestens nach 20 Minuten wird hier ein Feuerwerk der Gewalt entzündet, was sich bis zum Ende zieht und teilweise in ungeahnte Gore-Exzesse ausartet. In dem Punkt nimmt der Film wahrlich keine Gefangenen und reiht sich nahtlos in das französische Horrorkino ein, was seit HIGH TENSION (2003) immer wieder aus dem Gebüsch hervorspringt. Veredelt wird der blutige Rachefeldzug von einem treibenden Elektro-Score von Robin Coudert (kurz Rob), der schon Ajas hervorragenden MANIAC (2012) musikalisch verzauberte.
REVENGE hat aber auch eine Schattenseite. Nicht, dass Matilda Lutz als Jen schlecht besetzt wäre, aber ihr Partygirl-Charakter, der sich nach dem Sturz (den wohl die wenigsten überlebt hätten) in den eines Racheengels verwandelt, der es bestens versteht, sich Wunden auszubrennen und schwerbewaffnet durch die Wüste zu rennen, ist wenig überzeugend. Aber immerhin macht sie halbnackt und schwerbewaffnet was her. Treffender, wenn auch eindimensionaler, sind Richard (Kevin Janssens), Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède), die von Beginn an verachtenswerte Arschlöcher sind.
Inhaltlich bietet REVENGE wahrlich nichts Neues und ist in keiner Weise intelligent, aber Fargeat gleicht alles durch die visuelle Kraft der Bilder aus und wird so zu einem blutigen und kompromisslosen Gewalt-Reigen, der zu keiner Sekunde langweilt.
(Bjoern Candidus)
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