DIE WIEGE DES BÖSEN
(IT‘S ALIVE, USA, 1974, Regie: Larry Cohen)
Frank Davis und Lenore sind voller Freude, denn ihr zweites Kind ist unterwegs. Doch diesmal bringt Lenore kein normales, sondern ein monströses Baby zu Welt, was direkt ein Blutbad im Kreißsaal anrichtet und fortan von der Polizei gesucht wird. Frank und Lenore sind schockiert über ihren Nachwuchs, der sich irgendwo in der Siedlung versteckt und auf neue Opfer lauert.
Larry Cohen dringt mit DIE WIEGE DES BÖSEN in einen ganz empfindlichen Bereich vor und greift das Thema des Contergan-Skandals auf, ohne das Kind beim Namen zu nennen. Auch wenn es hier um ein anderes Medikament geht (welches nicht erwähnt wird) und die Auswirkungen andere sind, liegt es auf der Hand, auf was Cohen (u.a.) anspielt. Ein Monsterbaby mit Wasserkopf, Reißzähnen und Klauen, was unmittelbar nach der Entbindung Ärzten und Pflegepersonal die Kehlen durchbeißt, klingt erst mal grotesk. Das Monsterbaby, was von Rick Baker kreiert wurde und teilweise von seiner Partnerin gespielt wurde, ist auch wahrlich kein Sonnenschein. Am besten funktioniert das Baby allerdings, wenn man es nur kurz sieht oder man mittels POV durch seine Augen guckt. Die ganze Inszenierung profitiert von ihrer Dunkelheit. Die Kamera ist meistens ganz dicht am Geschehen, was sich wohl auch dadurch erklären lässt, dass der Film teilweise auf Larry Cohens Grundstück entstanden ist, was er selbst „The Studio“ nannte.
DIE WIEGE DES BÖSEN ist kein stumpfer Monster-Horrorfilm mit einem Baby statt einem Schmelzmann, sondern ein kritischer Film über wenig bis gar nicht getestete Medikamente und Giftstoffe, die immer mehr zum Alltag aller werden, über schlechte Arbeitgeber, über die Presse, die für Informationen alles tut, über Polizisten, die auf ein abnormales Baby schießen, über die Beziehung zweier sich liebender Menschen, die ein schweres Schicksal ereilt und über die Bindung zwischen Eltern und Kindern. All die Themen steckt Cohen ins Kostüm eines Horrorfilms, der nicht eine Sekunde seinen ernsten Ton verliert.
Auch auf darstellerischer Seite hat Cohen ins Schwarze getroffen. John P. Ryan als Frank Davis und Sharon Farrell als Lenore ergeben ein überzeugendes Ehepaar ab, was völlig überfordert ist. Abgerundet wird Cohens Inszenierung von einem sehr spannenden Score von Bernard Herrmann.
DIE WIEGE DES BÖSEN ist ein packender Horrorfilm, der sich durch seine Story und Darsteller auszeichnet, sich nie aufhält und stets selbst ernst nimmt.
(Bjoern Candidus)
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